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Marburg Die Reformation als Bildungsereignis
Marburg Die Reformation als Bildungsereignis
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10:54 03.05.2017
Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck (von links), die Kuratorin Christina Schlag und der Professor für Kirchengeschichte, Dr. Wolf-Friedrich Schäufele, stellten die Ausstellung vor. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

Die Ausstellung ist ein Großprojekt der Marburger Philipps-Universität, die selbst ein Kind der Reformation ist. Die von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Hessen unterstützte Ausstellung zeigt rund 100 Exponate aus den Beständen von 20 Museen, Archiven und Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für das Museum sei eine historische Ausstellung in dieser Dimension „eine ungeheure Herausforderung“ gewesen, betonte Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck gestern bei der Pressekonferenz.

Die Historikerin und Kuratorin Christina Schlag hat gut zwei Jahre an dieser Ausstellung ­gearbeitet, die bedeutende Akteure der Reformation wie Martin Luther (1483 - 1546), Philipp Melanchthon (1497 - 1560), den Landgrafen Philipp der Großmütige (1504 - 1567), Zwingli­ (1484 - 1531) und als einzige Frau Elisabeth von Rochlitz (1502 - 1557), die Schwester des Landgrafen Philipp, vorstellt.

Unterstützt wurde Christina Schlag unter anderem von einem wissenschaftlichen Beirat um den Theologie-Professor Dr. Wolf-Friedrich Schäufele und dem Team des Museums für Kunst und Kulturgeschichte um den Museumsleiter Otterbeck.

Philipp gründete älteste evangelische Universität

In einem sorgfältig aufgebauten Kurs richtet die Ausstellung den Fokus auf einen ganz besonderen Aspekt der Reformation - auf die Bildung. Luther forderte Schulen, jeder sollte lesen lernen, insbesondere die Bibel, die er ins Deutsche übersetzte.

Die Ideen fielen bei dem damals noch jungen Landgrafen Philipp auf fruchtbaren Boden: In der Ausstellung ist einer seiner „Denkzettel“ aus dem Jahr 1527 zu sehen, eine Art To-Do-Liste. Ganz oben steht unter Punkt 1: „die universitet hie antzurichten“. Philipp gründete die älteste evangelische Universität, er gründete Schulen, die Schüler auf die Universität vorbereiteten und er richtete landesweite Stipendien ein.

Die Ausstellung will in fünf Themenbereichen zeigen, wie sehr die Reformation die Einstellung zur Bildung beeinflusste, wie sie das Bildungswesen veränderte. Stationen der Ausstellung sind die Bildung vor der Reformation, die Universitätsgründung, ein Exkurs zum Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Ulrich Zwingli, die Neuordnung der Kirche und damit verbunden die Veränderungen im Schulwesen. So ist etwa die Konfirmation eine hessische Erfindung, wie Professor Schäufele betonte. Erst im 18. Jahrhundert habe sie sich bundesweit durchgesetzt. Die Konfirmation war für viele Konfirmanden auch ­eine erste Begegnung mit dem Lesen.

Publikum sieht bedeutende Exponate

Neben bedeutenden Exponaten wie einer Sanduhr, die vermutlich dem Humanisten Erasmus von Rotterdam gehörte, selten zu sehenden Universitätsszeptern aus Marburg und Gießen, alten Urkunden und mittelalterlichen und ­antiken Handschriften aus der Gründungsbibliothek der Philipps-Universität sind auch zwei Kurzfilme zu sehen, die ein jüngeres Publikum ansprechen sollen. Vor allem junge Ausstellungsbesucher werden auch gefragt: „Wie sähe Dein perfekter Bildungsort aus?“ Vielleicht entsteht so in der Ausstellung eine Art „Thesenwand“.

Weitere Angebote im Rahmen der Ausstellung sind „Sprechende Dinge“: Experten bringen ­jeweils donnerstags „Exponate der Ausstellung zum Sprechen“.

„Frisch gedruckt“ ist eine Druckwerkstatt für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren. Kinder von 11 bis 13 Jahren können sich als „Reformationsreporter“ versuchen.

Zu der Ausstellung ist im Marburger Jonas-Verlag ein 190-seitiger Ausstellungskatalog erschienen mit acht Aufsätzen von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die Aspekte der Ausstellung beleuchten. Herausgegeben wurde der Katalog von Christine Schlag, Wolf-Friedrich Schäufele und Christoph Otterbeck.

Die Ausstellung „#Bildungsereignis Reformation! Ideen, Krisen, Wirkungen“ ist vom 6. Mai bis zum 31. Oktober zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 22 Uhr. Öffentliche Führungen finden samstags von 15 bis 16 Uhr statt. Gruppenführungen können unter der Rufnummer 06421/99210 oder per Email unter info@marburg-tourismus.de gebucht werden. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Studierende der Philipps-Universität Marburg haben freien Eintritt.

von Uwe Badouin

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