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Marburg Parlament stimmt für Stadtwald-Wohnviertel
Marburg Parlament stimmt für Stadtwald-Wohnviertel
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00:20 29.11.2018
Der Hasenkopf am Stadtwald soll als bevorzugtes neues Wohngebiet beplant werden. Das hat das Stadtparlament entschieden. Am Oberen Rotenberg sollen weniger Wohnungen, aber ein Tegut-Markt kommen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Das Votum besagt, dass der Magistrat ab sofort die Planungen für die Bebauung des Stadtwalds vorantreiben soll. Konkret: Fachgutachten einholen, Grundstücke über die SEG von den etwa 40 Privateigentümern kaufen, das Bauleitplanverfahren eröffnen und je nach Ausgang die Wohnviertelpläne, die am Hasenkopf rund 900 Neu-Bewohnern Platz bieten soll, umsetzen.

Die Stadtverwaltung rechnet nach eigenen Angaben mit etwa sieben Jahren bis zum Baubeginn in dem Gebiet. Auch wenn der Hasenkopf nun offiziell Bebauungs-Priorität hat: Am Oberen Rotenberg wird es faktisch schneller gehen. Die Baupläne für den von der Werner-Gruppe geplanten Tegut-Markt liegen in der Schublade,­ Gutachten sind erstellt. Was fehlte ist das offizielle Okay der Stadtverwaltung und Kommunalpolitik.

Wohnungen und Mietshäuser geplant

Der Wohnungsbau, der auf dem Ex-Gärtnereigelände zwischen Marbach und Wehrshausen laut Magistratsempfehlung von 200 auf 40 Wohneinheiten geschrumpft ist, lasse sich laut Stadtspitze schon wegen der unkomplizierten ­Flächeneigentümerschaft zügig umsetzen, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Das neben dem Tegut platzierte Mini-Wohngebiet solle­ dann so geplant werden, dass eine ­Erweiterung perspektivisch problemlos anschließen kann. ­Etwa ein Drittel der neuen Apartments auf den Bauflächen sind für Sozialwohnungen reserviert, neben Wohnungen sollen am Hasenkopf auch Mietshäuser, am Rotenberg Projekte zum gemeinschaftlichen Wohnen entstehen.

„Das ist eine tolle Entscheidung für die Marburger, für die Menschen im Stadtwald und für die Zukunft der ganzen Stadt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). „Für alle,­ die schon in Marburg leben, für alle, die neu sind und sich hier eine Perspektive aufbauen wollen, und für alle, die künftig noch in unsere tolle Stadt kommen.“ Denn die Stadt wolle wachsen, die seit Jahren laufende Abwanderung von Wohnungssuchenden ins Umland stoppen und „zwingen, nach Dautphetal oder Neustadt zu gehen oder zu bleiben“, sagt Spies. Die verfügbaren Flächen seien „auch dringend nötig“, sagt er mit Verweis auf die behördliche Prognose von 3000 Mehr-Einwohnern bis zum Jahr 2030.

Verlangen nach Verzicht von Rotenberg-Ausbau

Stadtverordnete aus ZIMT-Regierung und Opposition befürworteten den Bebauungs-Kompromiss. Marco Nezi (Grüne) fordert aber einen festgeschriebenen Ausbau-Verzicht des Mini-Wohngebiets am Rotenberg, Tanja Bauder-Wöhr (Linke) hält die möglichen Mietpreise von 7,50 bis zehn Euro für die Dutzenden Gewobau-Neubauten für „nicht so billig, dass sie tatsächlich für jeden bezahlbar sind“.

In der Marbach kämpft die Bürgerinitiative „Marbacher Nachbarn“ seit Monaten vor ­allem wegen der drohenden Verkehrsvermehrung zwischen Rotenberg und Ketzerbach gegen die städtischen Bebauungspläne. Zuletzt, nach der Reduzierung der Wohnungsanzahl, richtete sich der Fokus der BI auf den möglichen Tegut-Markt. Die Marbacher Aktivisten halten diesen für zu groß dimensioniert und für einen Verkehrs- und Lärmmagneten. Die Ortsbeiräte Marbach und Wehrshausen lehnten die Urpsrungsplanung für das Rotenberg-Wohngebiet ebenfalls ab.

Sorge um mehr Verkehr und Natur- und Artenschutz

Am Hasenkopf, wo der Ortsbeirat Ockershausen unter etwa einem Dutzend Bedingungen den Wohngebietsplänen zustimmt, wird von Kritikern vor allem mit Natur- und Artenschutz argumentiert. Sie sehen das Naherholungsgebiet zwischen Heiligem Grund und Kleiner Lummersbach als gefährdet an, wenn sich der Stadtwald auf mehr als 2 000 Bewohner ausdehnt, dafür Flächen versiegelt werden. Die Sorge vor Verkehrsvermehrung ist vor allem in Alt-Ockershausen, rund um Herrmannstraße, Stiftstraße, Bachweg, Ockershäuser Straße und Hoher Leuchte, groß.

Bereits im Vorfeld der gestrigen Parlamentsabstimmung zeichnete sich eine breite Mehrheit für den vom Magistrat vorgeschlagenen Bebauungs-Kompromiss ab. Für Entrüstung bei der Marbach-BI sorgte kurz vor der Abstimmung die Ankündigung des Magistrats, sich am Rotenberg der Ergebnisse­ der fertigen Fachgutachten der Werner-Gruppe bedienen, nur für den Hasenkopf eigene­ ­Experteneinschätzungen in ­Auftrag geben zu wollen.

von Björn Wisker