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Die Liebe - Höhenflug und Abgrund zugleich

Bodo Kirchhoff im Café Vetter Die Liebe - Höhenflug und Abgrund zugleich

Da war was los im Café Vetter: Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff las am Sonntagmorgen aus seinem jüngsten Roman „Die Liebe in groben Zügen“, einem 670 Seiten starken Meisterwerk.

Marburg. Sehr gut besucht war das Literaturcafé an diesem Sonntagmorgen. Ludwig Legge von der Neuen Literarischen Gesellschaft begrüßte die Gäste und den Schriftsteller, „einen der bekanntesten Autoren Deutschlands“. Bodo Kirchhoff, 1948 in Hamburg geboren, hat in Frankfurt studiert und promoviert und lebt heute noch in der Mainmetropole und am Gardasee. Sein neues Werk „Die Liebe in groben Zügen“ wurde von der Kritik in den höchsten Tönen gelobt und als „Opus Magnum“ bezeichnet. Das Buch stand auf der Vorschlagsliste für den Deutschen Buchpreis 2012.

Mit viel Applaus wurde der sympathische Schriftsteller am Sonntag willkommen geheißen. „Schön dass Sie frühstücken dürfen, während ich hier arbeite“, bemerkte er. Marburg habe er zuvor kaum gekannt, seit kurzem studiere aber seine Tochter hier.

Die folgende Lesung war lebendig wie selten: Mit klarer und ausdrucksvoller Stimme trug er seine Texte vor, immer wieder unterstrich er den Vortrag mit temperamentvollen Gesten. In „Die Liebe in groben Zügen“ geht es um ein älteres Paar mit erwachsener Tochter, das schon lange Jahre verheiratet ist und in Frankfurt und am Gardasee lebt. Alles scheint perfekt, wäre da nicht „die Sehnsucht nach Liebe, die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam.“ So stürzt sich die Hauptfigur Vila in eine Affäre mit einem jüngeren Mann, während ihr Ehemann Renz ebenfalls im Verborgenen die ein oder andere Geliebte trifft.

Das Buch wirft einen sehr genauen Blick auf die Liebe und all ihre Spielarten, auf Schönes und Schreckliches in einer lebenslangen Beziehung, auf Höhenflüge und Abgründe. Kirchhoffs Meisterschaft liegt in der äußerst präzisen, lebensklugen, fast philosophischen Betrachtungsweise und in der hervorragenden sprachlichen Darstellung.

„Ich habe fast sechs Jahre lang an diesem Buch geschrieben“, erzählte Kirchhoff nach der Lesung. „Es gab sieben Fassungen davon.“ Er habe geschrieben, ohne zuvor einen genauen Plan von der Geschichte zu entwerfen, berichtete er weiter. Die Liebe bezeichnete er im Gespräch als eines der großen positiven Lebensrisiken des Menschen. Ein Zuhörer wollte wissen, wie hoch der autobiografische Anteil in seinem Buch sei. Bodo Kirchhoff antwortete, er habe sich stark an die Orte angelehnt, die Figuren seien aber allesamt Fiktion. „Die Gefühle der Figuren in ihrem Glück und ihrem Schmerz kenne ich aber sehr genau.“

von Bettina Preussner

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