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Marburg Die Kunstwerke im Dorf gelassen
Marburg Die Kunstwerke im Dorf gelassen
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12:47 24.08.2018
Bernd Weimer läutete zur Eröffnung der ersten Dorfkultour in Cyriaxweimar die Dorfschelle. Quelle: Stefanie Wellner
Cyriaxweimar

„2015 wurden die Werke von Günther Blau in Berlin ausgestellt. Daraufhin habe ich recherchiert und die Bilder haben mir gefallen“, erklärte Weimer, wie alles anfing. „Aber dafür extra nach Berlin fahren?“, fragte er sich. So kam ihm die Idee: „Wir könnten die Kunstwerke ja auch im Dorf ausstellen. Daraus ist ein Kultur­event geworden, das nicht nur eine Kunstausstellung bereithält, sondern auch Führungen im Dorf und im Naturschutzgebiet“, kündigte Weimer das umfangreiche Programm an.

In dem Gutachten, das Gerhard Niebergall zeigte, sind die ursprünglich von der St. Cyriakus Kirche stammenden Gebäudeteile zu sehen. Foto: Stefanie Wellner

Veranstaltet wurde das Kunst- und Kulturfest vom Arbeitskreis „Dorfkultour Cyriaxweimar“ mit dem Ziel, Dorfgeschichte und Natur erlebbar zu machen. Dieser organisierte die Ausstellung von Werken der beiden verstorbenen Künstler Günther Blau und Bernhard Hauser in „Hains Kirch“. Rolf Metternich, Barbara Metternich und Marita Glathe zeigten ihre Bilder in der Mehrzweckhalle.

Im Eingangsbereich des Mehrzweckgebäudes ist ab sofort 
eine Dauerausstellung historischer Fotos platziert, die Petra Sitter in Zusammenhang mit der Dorfchronik gesammelt und digitalisiert hatte. Die alten Aufnahmen, die einen Teil der Dorfgeschichte dokumentieren, zeigen Szenen aus den Bereichen Kindheit, Schule, Kirche, Häuser in Cyriaxweimar im Wandel der Zeit, Landwirtschaft und Szenen aus dem dörflichen Leben. Dabei sind auch Bilder, die das Vereinsleben des „Gesangvereins Harmonie“ in den 20er und 70er Jahren zeigen. „Dies ist ein Teil unserer Geschichte, der jetzt vor dem Aus steht“, mahnte Sitter. Der Gesangverein steht mangels Mitgliedern kurz vor dem Aufgeben und nutzte diese Gelegenheit für einen Aufruf: „Jeder, der Spaß am Singen hat, ist eingeladen. Die Proben finden jeden Donnerstag im Bürgerhaus Haddamshausen statt.“

Das Zuhause von Gerhard und Ursula Niebergall bot nicht nur eine grandiose Kulisse für die Werke von Günther Blau und Bernhard Hauser. Die Inhaber, die das damalige Gehöft 1985 erworben hatten, ermöglichten den Besuchern auch den Zugang zur Ruine der ehemaligen St. Cyriakuskapelle, deren Reste in dem von den Vorbesitzern als Stall genutzten Gebäude verbaut sind. Gerhard Niebergall zeigte den Gästen die zugemauerten Torbögen auf beiden Seiten, die noch original erhalten sind. Er erläuterte zudem, dass die Kirche laut einem Gutachten wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1250 und 1350 gebaut worden ist und im 14. Jahrhundert aufgegeben wurde.

Darüber hinaus bot ein Spaziergang durch das FFH-Gebiet, etwas über die Entwicklung der Fläche vom Exerzierplatz zum FFH-Gebiet und die spezielle Flora und Fauna auf dem Gelände zu erfahren. Auch das Oldtimermuseum war vertreten und zeigte ein Polizeifahrzeug der Bauart Ford Taunus aus dem Jahr 1963. Die Workshops „Kreidemalen“ und „Arbeiten mit Speckstein“ luden die Besucher schließlich noch zum Mitmachen ein. „Die Beteiligung an den Workshops war groß. Besonders am Workshop ,Arbeiten mit Speckstein‘ nahmen viele talentierte Kinder teil“, berichtete Weimer.

Insgesamt übertraf die Zahl von etwa 120 Besuchern die Erwartungen der Veranstalter. „Wir freuen uns über die durchweg positiven Stimmen aus dem Dorf“, freute sich Weimer. „Viele Einwohner wussten gar nicht, dass wir hier so begabte Leute haben, die sich mit Malerei beschäftigen“, ergänzte er. Auch die Möglichkeit, lebendige Geschichte des Dorfes zu erleben, sei von den Gästen mit interessierten Fragen honoriert worden. 

von Stefanie Wellner