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Endlich, endlich wieder mal in Marburg

„Die Feisten“ im KFZ Endlich, endlich wieder mal in Marburg

Die Abschiedstour war schon gespielt, jetzt sind sie doch zurück: In feister Zweisamkeit statt zu dritt und mit dem dringenden Rat, die Finger aus der Nussschüssel zu lassen.

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Vom Trio „Ganz schön feist“ sind Mathias Zeh (links) und Rainer Schacht geblieben. Als „Die Feisten“ machten sie beim Kabarettherbst im KFZ Station.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Nie wieder wird man in einer Bar einfach so ein paar Nüsschen naschen, wenn man „Die Feisten“ gehört hat. Schon mal über Haare und Haut, Fliegen und Keime nachgedacht? „Greif nicht in die Schüssel mit den Nüssen rein, da drin können viele Dinge außer Nüssen sein!“ Dieser Titel gibt dem neuen Programm seinen Namen, das erst wenige Tage vor dem Auftritt in Marburg Premiere gefeiert hat: „Nussschüsselblues“. Willkommen (zurück) in einer feisten Welt.

Als „2MannSongComedy“ sind Rainer Schacht und Mathias Zeh – auf der Bühne einfach Rainer und C. – jetzt unterwegs, nicht mehr als Trio. „Abschied und Tschüss“ ging eben doch nicht für die beiden, wie sie auf ihrer Homepage schreiben, nachdem sich „Ganz Schön Feist“ nach über 20 Jahren aufgelöst hatten. Einiges bleibt halt gleich. Auch wenn sie inzwischen aus ihrer niedersächsischen Heimat nach Kassel beziehungsweise Mannheim ausgewandert sind, im Willkommenslied behaupten sie immer noch, sie wären zu Fuß aus Göttingen nach Marburg gekommen. Endlich, endlich wieder mal in Marburg.

Duo ist eingespielt

Das letzte Mal seien sie vor Jahren noch im alten KFZ gewesen – „Rock’n’Roll, da tropfte der Schweiß von der Decke“, so C. Aber „das hier“, das sei jetzt ... Also, „der Architekt liebt die Menschen, die hier drin sind“. Zuschauer und Künstler. Sie haben sogar eine Liege hinten. „Ich bin völlig außer sich.“ Und damit sich ein weiterer Kreis schließt, stellt Rainer die Frage, ob C. das alles eigentlich Spaß mache, „oder ist das mehr eine Belastung?“. C. hat Spaß, natürlich – „im Rahmen meiner Möglichkeiten“.

Der Rahmen ihrer Möglichkeiten ist weit gesteckt. Dass da zwei auf der Bühne stehen, die das schon sehr lange gemeinsam tun, ist ihnen anzumerken. Im positiven Sinne. „Die Feisten“ sind eingespielt. Da harmoniert es, im Timing wie auch bei den Stimmen. Was zum Glück nicht verhindert, dass der eine mitten in einer Nummer selbst lachen muss oder der andere souverän den falschen Refrain anstimmt. „Ist überhaupt nicht aufgefallen.“ Sprachwitzig und schlagfertig wie eh und je und der ganze alte Song vom „Gänseblümchen“ ist auch wieder mit dabei.

Automobilindustrie statt Fußball

Und was, wenn „Die Feisten“ einen Song gemeinsam mit den „Amigos“ machen würden? Dann klänge der so, wie eben „Flamingo Dolores“ dann klingt.
Dass das Publikum ausgerechnet dabei besonders begeistert ist – wie sieht da denn bitte die Botschaft an die Künstler aus? Man habe doch einen Bildungsanspruch? Aber nicht umsonst haben sie „Flamingo Dolores“ auch bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises im März zum Besten gegeben, von dessen Gewinn sie selbst völlig überrascht waren, wie sie sagen.

Rainer und C. singen über Prunzuelas blondes Haar, innere Werte und den Tsunami der Liebe und haben natürlich zu jedem Lied eine Geschichte zu erzählen. Auch von ihrem Auftritt in „Schemnitz“. Oder dass man es nicht rettet, wenn man in Wien ein Lied zum Thema Fußball singt und die Zuschauer mit dem Hinweis trösten will, „was braucht ihr Fußball, ihr habt doch eure Automobilindustrie“. In Marburg haben die beiden ­alles richtig gemacht.

von Nadja Schwarzwäller

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