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Die Farben einer blinden Gärtnerin

"Magdalenas Blau" vorgestellt Die Farben einer blinden Gärtnerin

Selten trifft man eine Autorin und die Heldin ihres Buches zusammen an. Gut 50 Menschen hatten im TTZ eine solche Gelegenheit, zusammen mit den beiden Frauen auf eine bunte Reise zu gehen.

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Ulla Lachauer (links) stellte gemeinsam mit Veronika Zimmermann das Buch „Magdalenas Blau“ über eine blinde Gärtnerin vor.Foto: Mareike Bader

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Veronika Zimmermann, im Buch heißt sie Magdalena Eglin, lebte sieben Jahre in Marburg. 1948 kam sie als 15-jährige zur Blista. Für sie war es seitdem erst der dritte Besuch in der Stadt, die sie immer noch so gerne hat. Marburg sei einfach zu weit weg. Aber wenn sie von der Ketzerbach oder der großen Wiese beim Teufelsgraben mit den vielen Margeriten erzählt leuchten ihre Augen. Und auch wenn sie von ihrem Garten erzählt, den sie über alles liebt, strahlt Veronika Zimmermann über beide Ohren.

Zimmermanns Leidenschaft für die bunten Blumen führte die Autorin Ulla Lachauer zu ihr. Für das Buch „Akazienkavalier“ suchte Lachauer einen blinden Gärtner. Die Geschichte, wie Veronika Zimmermann zu den Farben fand und wie die ersten Jahre ihres Lebens abliefen, war so außergewöhnlich, dass Lachauer daraus eine weitere Monografie schrieb: „Magdalenas Blau“. Kurz vor der Veröffentlichung entschloss sich Veronika Zimmermann für das Pseudonym Magdalena Eglin, das allerdings nach nur wenigen Wochen aufgedeckt wurde. Inzwischen steht sie ganz selbstbewusst zu sich und ihrer Geschichte. Auch wenn einiges kitschig klinge, sei ihr das egal. Man solle sie nehmen wie sie sei und aus ihrer Geschichte lernen, dass man blinden Kindern ihre Freiheiten lassen müsse.

Veronika Zimmermann wurde 1933 in Freiburg geboren. Damals hieß es nur, dass sie was mit den „Äugle“ hätte. Auf einem Auge sieht sie nichts, auf dem anderen gerade einmal zwei bis drei Prozent. Eine „goldene Zeit“ nennt Zimmermann diese Kindheit heute, denn das ist heute leider nicht mehr so.

Ihr Opa zeigt ihr Freiburg und die Welt der Farben. Bis heute ist sie fasziniert davon, wie viele Farben es von einer Farbe gibt. Und dann redet sie vom Rot des Mohns und dessen seidenweichen Blütenköpfen und von dem lila angehauchten Rot der „Radiesle“. Und sie freut sich, dass sie sogar farbig träumen kann. Farben - sie sind für die blinde Frau das wirkliche Leben.

Das Schreiben des Buches, so Ulla Lachauer, war nicht immer einfach. Denn jeder Satz musste von Blindheit getränkt sein. Für sie ist Zimmermanns Geschichte zusätzlich eine sehr interessante Zeitzeugenschaft. Und das Leben ihrer Heldin zeige, dass man sich seinem Schicksal nicht immer nur einfach beugen müsse. So lernte Veronika Zimmermann sogar handschriftliches Schreiben, lehnte die ihr vorgeschlagenen Berufe ab, die ihr zu stumpfsinnig erschienen und wurde stattdessen lieber Mutter und Hausfrau. Als ihr Mann, ein Lehrer, für die Lokalpresse etwas schreiben sollte und keine Lust hatte, übernahm sie die Aufgabe und verdiente sich als Lokaljournalistin etwas dazu.

Eineinhalb Jahre dauerten die Gespräche zwischen Autorin Lachauer und Erzählerin Zimmermann. Das mache die blinde, quirlige Frau gerne. Wenn sie mal alt ist will sie nur noch erzählen. Als sie dann das fertige Manuskript vorgelesen bekam weinte sie. Es waren Freudentränen, weil jemand gesehen hat, dass sie lebendig ist.

von Mareike Bader

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