Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Dick ist schick und schlank ist krank
Marburg Dick ist schick und schlank ist krank
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:27 25.09.2009
Jürgen von der Lippe: „Männer würden Tampons stolz wie in einem Patronengürtel tragen.“ Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Der Altmeister der Komikerszene muss bei seinen Ausführungen über Dicke und Vegetarier, Supermarktkunden, Pfarrer, Westernhelden, Deutschlands jüngsten Greis (Florian Silbereisen), Männer, Frauen und andere „Randgruppen“ nur entwaffnend verschmitzt grinsen, dann ist Jürgen von der Lippe jede Frechheit verziehen. Und das seit 30 Jahren. Das Beste aus dieser Zeit hat er aufgepeppt, neu arrangiert und zu seinem aktuellen Programm verbunden.

Und so freuten sich die Besucher am Donnerstag in der ausverkauften Marburger Stadthalle über die köstlich-alberne Helge Schneider-Peter Maffay-Parodie und das Resümee, dass der kleine Sänger wohl 16-jährig von Dr. Sommer entjungfert worden sein müsse, und Lieder wie „Da ist der Wurm drin“ mit den Tipps des Trainers für den Stürmer und einer etwas arg modernisierten Version von „Guten Morgen, liebe Sorgen“. Ganz der verhinderte Lehrer, befahl Jürgen von der Lippe dem Publikum streng das Mitsingen und Mitschunkeln, das quietschvergnügt gehorchte.

Ein Höhepunkt war zweifellos der gemeinsame Vortrag der zungenbrecherischen Hymne des Leistungsschwitzclubs „Aufguss 09“, die nur einer souverän meisterte und den Rest des Saals zur Verzweiflung trieb. Zu Hochform läuft Jürgen von der Lippe auf, wenn er fröhlich vom Miteinander der Geschlechter spricht, davon, dass Männer nie einen Orgasmus vortäuschen würden, von der nächtlichen Schnarch-Dramaturgie seiner Frau und der typisch männlichen Neigung zur Wehleidigkeit:

Bekämen die ihre Tage, dann würden sie sich nicht mit einer schlichten Allways Ultra zufrieden geben, sondern eine halbe Matratze in die Hose stecken, „damit man es sieht“. Tampons würden nicht verschämt in einer Handtasche, sondern stolz wie in einen Patronengürtel getragen. Da könnte er recht haben. Jürgen von der Lippe ist nicht nur albern, sondern auch ein kluger Kopf, der mit seinen Erläuterungen genau ins Schwarze trifft. Die Behauptung, dass zwei Drittel der Männer zu dick seien, könne nicht stimmen, sagt er. Denn zwei Drittel seien eine satte Mehrheit und gäben damit die Norm vor. Ein Drittel ist zu dünn! Dick ist schick und schlank ist krank, sang er fröhlich mit seinem Publikum.

von Christine Krauskopf

Mehr lesen Sie am Samstag in der gedruckten OP.

Anzeige