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Marburg Dichterball erfolfreich reanimiert
Marburg Dichterball erfolfreich reanimiert
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20:31 09.01.2011
Gefühlvoll, kräftig und klangvoll präsentierte der Bariton Theodor Hoffmeyer italienische Canzonen. Am Flügel begleitete ihn seine Frau Roswitha Aulenkamp. Quelle: Patricia Kutsch

Marburg. Dicht gedrängt saßen die Besucher an den kleinen Tischen im Café Vetter. Alte Bekannte und Freunde wurden begrüßt und man fand sich in Gruppen zusammen. Schnell wurde hier und da noch Wein bestellt, um das vielversprechende Programm in den Stuhl zurückgelehnt genießen zu können.

Aber es wurde nichts damit, die Lieder und Lesungen als unbeteiligter Zuschauer mit einem Glas Wein in der Hand verfolgen zu können: Gleich der erste Sänger bezog das Publikum in seine Darbietungen mit ein.

Theodor Hoffmeyer begeisterte die Zuhörer mit italienischen Canzonen. Mal gefühlvoll und dann wieder kraftvoll füllte die Stimme des Baritons das Café Vetter. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Roswitha Aulenkamp am Flügel. Nachdem das Publikum seine Gesänge mit begeistertem Applaus bedachte, brachte er den Zuhörern schnell ein paar italienische Wörter bei und ließ sie mitsingen. Doch die Gäste ließen sich nur zögerlich darauf ein, den Sänger zu begleiten.

Zögerlich waren die Gäste auch, als Ludwig Legge, der Vorsitzende der Gesellschaft, dazu aufrief, zu der Musik von Sigrid Kühl (Geige) und Justus Noll (Flügel) zu tanzen. Aber nachdem das erste mutige Paar zu den Donauwellen von Iosif Ivanovici den Walzer tanzte, war das Eis schnell gebrochen und die Tanzfläche füllte sich.

Zu dem abwechslungsreichen musikalischen Programm trugen acht Solistinnen und Solisten bei, die der Einladung der Neuen Literarischen Gesellschaft gefolgt waren. Neben der Musik von Kühl und Noll – zu der Tanzen ausdrücklich erwünscht war – trug Emilia Blumenberg mit Französischen Chansons zum Gesellschaftsabend bei. Ulla Keller glänzte mit ihren Interpretationen von beliebten Melodien, die aus Filmen der 20er bis 40er Jahre bekannt sind. Und mit seinen „ChanSongs“ für alle Stimmungslagen bezauberte Tim Riemenschneider die Zuhörer. Seine Fertigkeit am Klavier stellte Joachim Kramer unter Beweis.

Unterbrochen wurde die rasche Folge musikalischer Vorträge von literarischen Lesungen. Da ja bekanntlich in der Kürze die Würze liegt, bekamen die Mitglieder der Neuen Literarischen Gesellschaft eine befristete Lesezeit. „Je fünf Minuten Erbauung reichen“, schmunzelt Legge. So trug etwa Antje Welz ein Gedicht über Fotos vor: „Je älter die Fotos, desto jünger sieht man aus“, erklärt sie. Und dies liege nicht daran, dass die gezackten Ränder der Fotos verschwunden seien.

Nach 20 Jahren startete die Gesellschaft den zweiten Versuch und lud erneut zum Dichterball. „Wenn den Besuchern der Abend gefällt, dann kann es gerne eine jährliche Tradition werden“, ist Legge optimistisch.

von Patricia Kutsch