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Marburg Deutschstunde vergeht wie im Flug
Marburg Deutschstunde vergeht wie im Flug
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06:15 18.04.2012
Nach gut eineinhalb Stunden Deutschunterricht mit Bastian Sick hatten die Zuschauer in der Stadthalle zwar kein Zeugnis in der Hand, aber sehr wahrscheinlich einen Krampf im Bauch. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Wie sein Vater wollte auch Bastian Sick Lehrer werden. Nach 4 Semestern hatte er es sich dann aber anders überlegt und wollte lieber „irgendwas mit Medien“ machen.

Das ist ihm geglückt und jetzt spielt er auf der Bühne den Lehrer. Die Doppelstunde Deutsch mit ihm vergeht jedoch schneller, als man es von der eigenen Schulzeit in Erinnerung hat. Anschaulich, verständlich und sehr unterhaltsam zeigt der Sprachpfleger, wie witzig unser Alltag manchmal ist.

Der Bestatter „Schade“, die Fahrschule „Schrott“, die Zahnärzte Dr. Weh und Dr. Qual und sogar die heimische Firma „Geisel-Transporte“ haben es in seinen Fundus geschafft. Auf der Suche nach Fehlern wird mal wohl im Einzelhandel am besten fündig. Dort findet Bastian Sick Schilder für Boss-Kopf Äpfel, Vollwachmittel, Ingwa, sowie Mangos aus der Elfenbeinkiste oder Fluch-Mangos, die auch noch „Sugar Sweat“ sind.

Kurz vor der Pause fand, passend zum neuen Buch „Wie gut ist dein Deutsch?“, eine kleine Quizrunde statt. Dass man „zwei Ladys“ und nicht „Ladies“ schreibt, wussten noch viele und auch die richtige Schreibweise des Wortes „Kongresszentrum“ wurde durch die erste Antwort von zwei Schülern gleich richtig beantwortet.

Aber dass es Schmant und nicht Schmand heißt, das wussten nur ganz wenige. Woher auch, auf den Bechern steht es ja auch immer falsch. Bevor man aber ins Zweifeln kam, erklärte Bastian Sick woher das „t“ am Ende kommt. Denn Schmant kommt vom tschechischen „smetana“ und bedeutet Milchrahm. So entstand auch das Wort Schmetterling, denn diese saßen oft eben an diesem Milchrand.

Zu unserem trendigen „Lifestyle“ gehören Anglizismen. Allerdings gibt es auch hier so einige Probleme mit der richtigen Schreibweise: Hallowien (Halloween), Bissnisslantsch (Businesslunch) oder Gostreiter (Ghostwriter) sind nur einige Beispiele. Beim Kaffee to go, den man auch mitnehmen darf, kann man sich entscheiden ob man dazu einen Donat, Dounat, Dounut oder richtig geschrieben einen Donut essen möchte.

Zwischendurch lachten einige Frauen so laut, als ob sie aus dem Publikum von „Dinner for One“ stammen würden. Gerade Beispiele wie die Vollwertrezepte unter dem Motto „Iss mein Kind“ (Iss, mein Kind) waren richtige Brüller.

Nach gut eineinhalb Stunden Deutschunterricht hatte man zwar kein Zeugnis in der Hand, aber sehr wahrscheinlich einen Krampf im Bauch. Dass Bastian Sick selbst auch nicht frei von Fehlern ist, erzählte er in einer Anekdote: In einem Back-Shop wollte er dasselbe Brötchen wie die Kundin vor ihm. Die Verkäuferin wies ihn gleich zurecht, dass er das gleiche Brötchen haben kann - allerdings zum selben Preis.

von Mareike Bader