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Der stille Zauber des Papiers

Ausstellung im Kunstverein Der stille Zauber des Papiers

Der Kunstverein präsentiert in seiner neuen Ausstellung Arbeiten von fünf Künstlerinnen und zwei Künstlern. Sie wird am Freitag, 26. Oktober, um 18 Uhr eröffnet.

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Silvia Schreibers aus München zeigt im Kunstverein ihre schwebenden, überlebensgroßen Papier‑skulpturen.Foto: Uwe Badouin

Marburg. Papier ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken, trotz der stetig wachsenden Bedeutung digitaler Medien. Eine Zeitung oder ein Buch wird auf Papier gedruckt, Einkaufszettel werden auf Papier geschrieben, und trotz E-Mail werden noch immer Notizen für die Familie oder Kollegen auf Papier hinterlassen. Selbst Taschentücher sind aus Papier. Verpackungsmaterial ebenso.

Erfunden wurde Papier in China etwa 100 Jahre vor Christi Geburt. Während man im Reich der Mitte schon im 2. Jahrhundert Papiertaschentücher und später sogar Papiergeld kannte, schrieb man in Europa noch im Mittelalter auf Pergament, also auf Tierhaut. Die Araber brachten das Papier nach Europa. Über Spanien und Sizilien breitete es sich rasant aus. Ohne Papier wäre Gutenbergs Druckerpresse vermutlich nie erfunden worden.

Heute ist Papier ein Massenprodukt, das selbstverständlich auch in der Kunst genutzt wird, etwa als Bildträger. Angela Glajcar aus Nieder-Olm, Esther Glück aus Berlin, Alexandra Deutsch aus Wiesbaden, Silvia Schreibers aus München, Katharina Meister aus Karlsruhe, die beiden Marburgerinnen Barbara Isabella Bauer-Heusler und Valérie Buess, Reinhard Wöllmers aus Nürnberg und Tilman Zahn aus Basel sind Künstler, die Papier als Ausdrucksmittel nutzen. Sie gehen mit dem Material jedoch ganz anders um als etwa Zeichner oder Maler.

Silvia Schreibers, Reinhard Wöllmer oder Barbara Isabella Bauer Heusler würden sich wohl eher als Bildhauer definieren, denn als Maler. Dabei nutzen sie gänzlich unterschiedliche „Papiere“: Silvia Schreibers formt ihre schwebenden, überlebensgroßen und nur 500 Gramm leichten Skulpturen aus durchgefärbtem Papier, das sie aus Japan bezieht. Es hat eine andere Struktur als unser Papier aus Holz. Längere Fasern machen es robuster, länger haltbar.

Reinhard Wöllmer nimmt Papierpulpe, also die noch flüssige Rohmasse aus zerkleinerten Zellulose-Fasern und presst sie zu gewölbten Hohlkörpern. Und Barbara Isabella Bauer-Heusler greift zurück auf simple und sehr robuste Industrie-Wellpappe, die sie bemalt, zerschneidet und etwa zu ihrem „Schwarm“ anordnet.

Auch Angela Glajcar schafft aus gerissenen, hellen Papieren raumgreifende Skulpturen. Filigran sind dagegen die Figuren von Tilmann Zahn. Und Valérie Buess nutzt für ihre schwerelosen Objekte Altpapier.

Am ehesten zeichnerisch sind noch die Arbeiten von Esther Glück und Katharina Meister. Esther Glück schneidet Naturszenarien aus hauchfeinem, weißen Papier. Sie wirken so zerbrechlich, dass sie hinter Glas geschützt werden müssen.

Katharina Meister nutzt dagegen schwarzes Papier, wie wir es aus den klassischen alten Scherenschnitten kennen, die der Kunstverein derzeit auch als Bild des Monats präsentiert. Nur sind ihre Scherenschnitte riesig.

Die Ausstellung wird präsentiert in Zusammenarbeit mit der Berliner Wichtendahl Galerie. Die Galeristin Cornelia Wichtendahl wird die Besucher einführen in die magische und vielfältige Welt des Papiers.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Dezember zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Mittwoch von 11 bis 20 Uhr. Öffentliche Führungen finden jeden Samstag ab 16 Uhr statt. Für Schulklassen und Besuchergruppen wird die Ausstellung nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich gemacht. Der Eintritt ist frei.

von Uwe Badouin

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