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Der rockende Poet aus Österreich

Hubert von Goisern in Marburg Der rockende Poet aus Österreich

Hubert von Goisern hat am Montagabend in der ausverkauften Marburger Stadthalle gut 1200 Fans glücklich gemacht - mit einem zweieinhalbstündigen, mitreißenden Konzert.

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Hubert von Goisern (rechts) und sein virtuoser Gitarrist Severin Trogbacher begeisterten 1200 Zuhörer in der Marburger Stadthalle.Fotos: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die Bühne sieht heimelig aus. Hubert von Goisern hat - so scheint‘s - sein Wohnzimmer mitgebracht: Drei rote Stehleuchten und zwei große, helle Papierleuchten, ein großes Drachen-Poster auf dem roten Vorhang im Hintergrund machen die Bühne irgendwie gemütlich.

Den Fans - fast alle Ü-40 - kann‘s nur recht sein. Wenn sich Hubert von Goisern wohl fühlt, wird‘s ein gutes Konzert. Am Montag hat er sich offensichtlich sauwohl gefühlt - so würde es der Oberösterreicher wohl ausdrücken.

Hubert von Goisern ist 59 Jahre alt, doch die sieht man ihm nicht an. Schon immer ist er schier rastlos unterwegs in der Welt: In jungen Jahren war er lange in Südafrika, in Kanada und auf den Philippinen, von Mitte der 80er Jahre an zog er mit Wolfgang von Wien und ihren „Alpinkatzen“ durch die Klubs. Nach dem Aus für die Band zog es ihn nach Tibet und Afrika, mit neuer Band tourte er seit 2007 fast ununterbrochen durch Europa.

Und überall, wo er war und ist, atmet er Musik, bedient sich bei Rock und Reggae, Folk und Polka und natürlich bei den Volksweisen seiner Heimat. Dies alles verbindet er souverän zu einem sehr eigenständigen Mix, der ihn berühmt gemacht hat - mal temporeich und rockig mal lyrisch und ruhig, fast immer mit alpinem Einschlag. Und dazwischen immer wieder großartige Jodler. Die wollte er nicht allein den Volksmusik-Schlagerleuten überlassen - was für ein Glück.

Was er singt ist in hessischen Gefilden fast egal, seinen oberösterreichischen Dialekt versteht hier kaum ein Mensch. Er könnte auch russisch oder chinesisch singen, so fremd klingt sein Deutsch. Leider, denn der charmante Geschichtenerzähler hat viel zu sagen - doch dafür bräuchte man ein Textbuch. Doch wie er singt, pfeift und jodelt ist einfach großartig.

Hubert von Goisern ist unglaublich vielseitig: Er spielt Gitarre, Keyboard, Ziehharmonika und Harmonika, Maultrommel, läutet Kuhglocken und spielt nebenbei noch ein merkwürdiges, zitherähnliches Instrument. Zudem schreibt er einfach tolle Songs - wie die Antikapitalismushymne „Brenna tuat‘s guat“ (das Geld), „Koa Hiatamadl“, „Goisern“ oder „Indianer“ von der aktuellen CD „Entweder und oder“. Und Janis Joplins Klassiker „Mercedes Benz“ streut er ein, im Goisern-Gewand: „Geh Herrgott, schenkts ma an Mecedes Benz“.

Begleitet wird er von drei jungen, hochtalentierten Musikern, die ihn anbeten, für die die Tour mit Österreichs Weltmusiker ein Karriere-Highlight ist: Schlagzeuger Alex Pohn und Bassist Hartmut Schartlmüller sorgen für das nötige Fundament auf dem sich Goisern und der virtuose Gitarrist Severin Trogbacher austoben können.

Zweieinhalb Stunden lang hat Hubert von Goisern in der seit 2006 mal wieder unbestuhlten Stadthalle ein mitreißendes Konzert geboten. In der unbestuhlten Halle zu spielen - das war Goiserns großer Wunsch, sagt Konzertveranstalter Hans Emmert. Und man fragt sich, warum nicht mehr Veranstalter diese Halle so nutzen, auch wenn sich am Ende so mancher Goisern-Fan nach einem Stuhl gesehnt haben dürfte.

von Uwe Badouin

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