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Marburg Der gläserne Mensch in seiner Zelle
Marburg Der gläserne Mensch in seiner Zelle
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21:39 07.03.2013
Für „Einladung zur Enthauptung“ schlüpfen die Darsteller in viele Rollen. Foto: Hessisches Landestheater Marburg
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Transparenz ist Gesetz in der Welt, in der Cincinnatus C. lebt. Alles Echte, Wahrhaftige und Undurchschaubare gilt als Kapitalverbrechen und muss vernichtet werden. Und so wird Cincinnatus wegen Opazität - Undurchsichtigkeit für seine Mitmenschen - angeklagt und zum Tode verurteilt.

In seiner Zelle auf die Vollstreckung des Urteils wartend, der Folter der Ungewissheit, der quälenden Angst sowie der Willkür und Macht seiner Mitmenschen ausgeliefert, beginnt er schließlich, sich jeder Kontaktaufnahme zu verweigern. Denn Wärter, Mitgefangene und seine marode Familie liefern ihm durch ihre bemerkenswert grausame Höflichkeit ein groteskes und unerträgliches Possenspiel. Letztlich wünscht sich Cincinnatus auf seinem Weg zur Hinrichtung nur noch eines: „alleine zu sein“. Doch auch dies wird ihm verwehrt.

Elemente aus Satire und Mysterienspiel

Nabokovs Roman entfaltet eine zeitlos politische Implikation über das Phänomen des „gläsernen Menschen“, der, in seiner Unbefangenheit beeinträchtigt, das Recht auf Selbstbestimmung nicht mehr für sich beanspruchen kann. 1934 unter Pseudonym veröffentlicht, bedient sich Vladimir Nabokov in seinem Roman „Einladung zur Enthauptung“ einer Vielzahl dem Theater nicht un- oder anverwandter Genres und Mittel. Neben Satire, Groteske und Farce weist der Roman deutliche Züge der Buffonade und des Mysterienspiels auf.

Regisseurin und Schauspielerin Oda Zuschneid, die zuletzt als Stella Kowalski in „Endstation Sehnsucht“ auf der Bühne zu sehen war und als Mackie Messer in „Die Dreigroschenoper“ beeindruckte, inszeniert nun die deutschsprachige Erstaufführung von Nabokovs „Einladung zur Enthauptung“. Gemeinsam mit Dramaturgin Eva Bormann hat Zuschneid die Bühnenfassung der bitteren Satire geschrieben.

Zuschneid arbeitet gezielt mit Elementen der Buffonade und des Mysterienspiels. Durch Kostüm- und Figurentausch, Varieté-Einlagen, unablässige Statuswechsel, scheinbar fehlerhafte Auftritte oder missinterpretierte Regieanweisungen wird das zutiefst groteske Schauspiel, das die Figur des Cincinnatus umgibt, veranschaulicht. Die Kostüme von Ausstatterin Julia Plickat gewährleisten durch minimale Veränderungen den von der Regie geforderten Kostüm- und Figurentausch.

Auch eine akustisches Erlebnis

Mit ihrer Bühne zitiert Plickat das von Nabokov im Roman forcierte unüberschaubare Raumkonzept: Eine in Schieflage geratene Fläche, mit einer Vielzahl von Klappen sowie einem eingefassten Fensterband, das als Beobachterposten und Blick in die ihm vorenthaltene Freiheit Cincinnatus‘ dient. Michael Lohmann hat durch Soundeffekte und mit musikalischen Motiven aus Werken von Dimitri Schostakowitsch eine zusätzliche Ebene erarbeitet, die die im Roman beschriebenen akustischen Elemente wie Schlüsselklimpern oder Geräusche aus der Wand ersetzt.

Neben den Schauspielern Annette Müller, Timo Hastenpflug, Johannes Hubert und Christine Reinhardt, die zuletzt in Tennessee Williams‘ „Endstation Sehnsucht“ gemeinsam auf der Bühne standen, wird Thomas Streibig die „Einladung zur Enthauptung“-Besetzung komplettieren.

Schauspielerin Annette Müller wird in der Rolle des Gefangenen Cincinnatus C. zu sehen sein. Streibig, Hastenpflug, Hubert und Reinhardt sind jeweils in zwei bis fünf Rollen als Wärter, Gefängnisinsassen und Co. zu sehen.

Die Premiere beginnt am Samstag, 9. März um 19.30 Uhr in der Black Box im Theater am Schwanhof. Weitere Vorstellungen gibt es am 19. und 22. März sowie am 6. April.

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