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Marburg Der erste Elektrobus könnte schon 2020 fahren
Marburg Der erste Elektrobus könnte schon 2020 fahren
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00:18 03.09.2018
Die Marburger Stadtwerke entwickeln Strategie für die Erneuerung ihrer Busflotte in Richtung Elektromobilität. Quelle: Stadtwerke Marburg
Marburg

Seit Sommer 2017 warten Stadtwerke Marburg und die Stadt bereits auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium, die die Möglichkeiten der E-Mobilität für den Öffentlichen Nahverkehr erörtern soll. Die Vorstellung der Studie wurde immer wieder verschoben.

„Dass die Stadtwerke wegen dieser Verzögerung mit der Veröffentlichung ihres Strategiepapiers warten, obwohl es fertig ist, ­wäre einem transparenten Umgang den Stadtverordneten und der Öffentlichkeit gegenüber bei diesem wichtigen Thema nicht angemessen“, sagt Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies (SPD). Entscheiden müsse letzten Endes die Stadtverordnetenversammlung.

Mangelnde Reichweite bei derzeitigen Modellen

Der Vorschlag der Arbeitsgruppe ist ein Mix aus einer Umrüstung auf die Euro-VI-Norm, Erdgasfahrzeugen und der Modernisierung der Busflotte durch elektrisch betriebene Fahrzeuge. Nach Einschätzung der Arbeitsgruppe ist der Aufbau eines Oberleitungsbus-Systems nur bei einer entsprechenden Förderung erfolgversprechend.

Andererseits: „Die aktuell angebotenen reinen Batteriebusse leiden unter dem Problem einer mangelhaften Reichweite, um wirtschaftlich vertretbar eingesetzt werden zu können, oder die eingebauten Batterien machen das Fahrzeug so schwer, dass ein ­verkehrswirtschaftlich sinnvoller Einsatz derzeit nicht denkbar ist.“ Einsatzstrecken seien nur dann Erfolg versprechend, wenn Möglichkeiten der Unterwegs-Ladung gegeben seien. Heißt: Die Fahr­pläne müssten entsprechende Aufenthaltszeiten an den Haltestellen bieten.

Steigungsstrecken stehen im Fokus der Planungen

Zum Testen, schlägt die Arbeitsgruppe vor, sollte die Beschaffung von Solobussen, die für die Jahre 2019 bis 2021 turnusmäßig an der Reihe wäre, auf das Jahr 2020 konzentriert werden. Auf der Linie 3 zwischen Cappel und dem Waldtal sollte ein Testbetrieb mit batterie­elektrischen Fahrzeugen eingerichtet werden.

Das Konzept dafür lautet: ­„Ladung nach jedem Umlauf“. Anders formuliert: An einer der beiden Endhaltestellen ­würde die Batterie jeweils nachge­laden.

Ab 2022 solle dann ein weiterer Schub in Richtung Elektrifizierung gegangen werden. Voraussetzung ist der Aufbau 
 einer entsprechenden Leitungs-Infrastruktur. Favorisiert wird im Moment, vor allem die Steigungsstrecken von der Innenstadt zu den Lahnbergen mit ­einem Oberleitungssystem auszustatten und in der Kernstadt auf batteriebetriebene Fahrzeuge zu setzen. Die Arbeitsgruppe warnt aber auch, dass die batteriebetriebenen Fahrzeug absehbar nicht die Leistungsfähigkeit eines Dieselfahrzeugs oder eines Erdgasfahrzeugs erreicht.

Arbeitsgruppen-Leiter Christoph Rau überreicht das Strategie­papier an Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (rechts). Foto: Sarah Möller / Stadtwerke Marburg

„Daher sollte bei der Ersatzbeschaffung für die ÖPNV-Flotte weiterhin der Verbrennungsmotor mit Erdgas berücksichtigt werden“, empfiehlt die Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Christoph Rau, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Consult, dem Verkehrsbetrieb der Stadtwerke.

Sollte der Modernisierungsplan der Arbeitsgruppe so wie vorgeschlagen umgesetzt werden, würde sich der Stickoxid-Ausstoß der Stadtwerke-Flotte auf nur neun Prozent des derzeitigen Wertes verringern. Anders formuliert: Die Stadtwerke-Busse würden ab 2030 Jahr für Jahr 40 Tonnen Stickoxide weniger produzieren.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke befasst sich in der kommenden Woche zum ersten Mal mit dem rund 80-seitigen Papier. „Aufgrund des Umfangs und der zentralen Bedeutung wird sich der Aufsichtsrat in seiner Novembersitzung erneut mit dem Papier befassen und dann vermutlich zu einer Beschlussfassung gelangen“, prognostiziert Spies. Vorher soll das Stadtparlament über das Strategie­papier beraten.

von Till Conrad