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Marburg Der alte Mann und der Blues
Marburg Der alte Mann und der Blues
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16:50 17.09.2015
Der Brite Chris Farlowe (links) wurde von dem Gitarristen Norman Beaker und dessen Band begleitet. Quelle: Jouka Röhm
Marburg

Die Norman Beaker Band machte den Anfang – natürlich mit einem Blues. Und dann schlurfte „The Voice“ Chris Farlowe auf die Bühne. Der 74-Jährige Brite mit dem einen großen Hit kann in Deutschland immer noch auf eine treue Fangemeinde zählen.

So auch am Mittwochabend im KFZ. Viele waren gekommen, um Farlowes größten Erfolg, das Rolling-Stones-Cover „Out of Time“ von 1966 zu hören. Doch erst einmal gab’s den Blues: Farlowe begann mit langsamen und gefühlvollen Bluesnummern, sang mit seiner unverwechselbar rauchig-sonoren Stimme von den üblichen Blues-Themen: Arbeit weg, Frau weg, generell nichts zu lachen.

Geschichten aus seinem eigenen Leben

Dass es aber doch etwas zu lachen gibt, wenn Farlowe den Blues-Barden gibt, liegt an seinen Texten. Wenn der Sänger mit der Hornbrille und dem schlohweißen Haar mit ironisch-trauriger Miene davon singt, dass man ihm seinen Mercedes weggenommen hat und im Swimmingpool kein Wasser mehr drin ist, dann bringt er sein Publikum zielsicher zum Lachen.

Gleichzeitig ist es fast so, als erzähle er Geschichten aus seinem eigenen Leben. Ehemalige Weggefährten wie die Stones, Led Zeppelin oder James Brown machten schließlich Karriere, während Farlowe auch noch im hohen Alter durch kleine Klubs tourt. Aber der Sänger – in weißen Mokassins und schwarzer Jogginghose auf der Bühne – hat trotzdem Spaß an der Sache, flirtet mit dem Publikum, treibt Späße mit der Band.

Und auch wenn er zwischendurch singt „I don’t wanna sing the Blues anymore“, tut er es am Ende doch, und zwar den ganzen Abend lang und mit viel Inbrunst. Zum Abschluss des ersten Sets gibt’s für das Publikum den Hit der Small Faces „All or nothing“.

Nach der Pause geht der Londoner dann zum Rock’n’Roll über, singt neben vielen Eigenkompositionen auch Stücke von James Brown oder – auf Wunsch aus der ersten Reihe – den Song „The guitar don’t lie“ von seinem Gitarristen Norman Beaker. Und ganz zum Schluss kommt er dann: Der Song, auf den alle gewartet haben, „Out of time“, den Farlowe in den 1960er-Jahren einst über die Aufnahme der Stones sang und damit berühmt wurde.

„Wahnsinn, was der auf der Bühne für eine Show abzieht, und das mit 74“, lautete eine begeisterte Stimme aus dem Publikum, das Farlowe in den gut zweieinhalb Stunden zurück in die Musik der 60er- und 70er-Jahre nahm. Aber ein großer Künstler wie Farlowe ist eben auch im Jahre 2015 noch nicht „Out of time“.

von Jouka Röhm