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Der Wettlauf zum Südpol

Theater in der Waggonhalle Der Wettlauf zum Südpol

Eine interessante Inszenierung bietet an diesem Wochenende die Theatergruppe Theater GegenStand. „Nur einer kann erster sein“ heißt das Stück, das mit nur zwei Schauspielern auskommt.

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Antje Kessler und Jochen Schäfer spielen in dem Zwei-Personen-Stück „Nur einer kann erster sein“.Foto: Nina Sonnabend

Marburg. Der Engländer Robert Falkon Scott, gespielt von Jochen Schäfer, macht sich mit Ponys und Motorschlitten, und trotz Warnung seiner Frau Kathleen, gespielt von Antje Kessler, auf die Reise zum Südpol. Gleichzeitig tritt der Norweger Roald Amundsen, ebenfalls gespielt von Jochen Schäfer, den Weg zum südlichsten Punkt der Welt an. Denn die Expedition der beiden ist ein Wettrennen - das vor 101 Jahren tatsächlich stattgefunden hat. Der Titel des Stücks wird schließlich Scotts bittere Erkenntnis, als er als Zweiter das Ziel erreicht.

Die Marburgerin Pruniella Fuchs hat das Theaterstück zur Geschichte geschrieben und für Theater GegenStand auf die Bühne gebracht. Die Story gliedert sich in „Spots“, wie Fuchs die einzelnen kleinen Szenen bezeichnet, in denen sie die Geschichte zählt. So erleben die Zuschauer bei der Premiere am Donnerstag Szenen, in denen der Hauptdarsteller am Bühnenrand steht und nur ein Wort spricht, ein Lied auf dem Klavier spielt oder kommentarlos das Erschießen seiner Ponys imitiert. Oder Szenen, in denen die Hauptdarstellerin einen Brief ihres Mannes liest oder das Neugeborene im Arm hält.

Das Licht ist bei jedem „Spot“ sparsam und pointiert eingesetzt. Immer wieder erklingt eine Spieluhr, und aus dem Hintergrund bringt sich Regisseurin Fuchs einige Male mit Gesangsparts ein. Einschübe wie der „Hundekillersong“, den Schäfer auf dem Klavier performt, wirken skurril, sorgen aber für Lacher im Publikum.

Noch etwas ist besonders an dieser Inszenierung: Schäfer ist blind. Wenn es zwischen den „Spots“ dunkel wird, positioniert Kessler ihren Spielpartner für die nächste Szene oder begleitet ihn von der Bühne.

„Nur durch Antjes umsichtige Arbeit konnte dieses Projekt so gut funktionieren“, sagt Fuchs, die sich schon länger mit dem Stoff auseinandersetzt. „Es ist eine absurde Geschichte, die auch ein Kurzdrama in zehn Minuten hätte werden können“, erzählt die Regisseurin. Aber dann wuchs das Interesse an dem Stoff und damit wuchs das Stück auf gut 110 Minuten. Zwar sei das Team übersichtlicher als üblich gewesen, Arbeit hätte das Projekt aber nicht weniger gekostet, meint Fuchs: „Für Jochen musste ich mir etwas überlegen, weil meine Methode ganz anders ist, als er es braucht: Ihm nützten meine Texte von der Schreibmaschine nichts.“

Wer selbst sehen - und hören - will, ob sich die Arbeit gelohnt hat, kann sich noch heute und morgen ab 20 Uhr in der Waggonhalle auf die Reise zum Südpol machen.

von Nina Sonnabend

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