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Marburg Der Nikolaus hat noch einen Termin frei
Marburg Der Nikolaus hat noch einen Termin frei
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10:28 06.12.2018
Oliver Hahn im Nikolauskostüm in der Marburger Oberstadt. Am Samstag, 15. Dezember, macht er sich wieder auf den Weg. Quelle: Privatfoto
Marburg

Seit 2014 streift sich Oliver Hahn jedes Jahr rund um den 6. Dezember das Bischofsgewand über, setzt sich den großen roten Hut (Mitra )auf und legt einen langen weißen Rauschebart an. Mit Bischofsstab in der Hand und einem großen Jutesack über der Schulter macht er sich dann auf seinen Weg durch Marburg. „Es macht mir großen Spaß, den Kindern, ihren Eltern aber auch den vielen anderen Menschen in der Stadt eine Freude zu bereiten“, sagt Hahn. Außerdem ist es ihm wichtig, die Tradition aufrechtzuerhalten. „Ich fände es schade, wenn das verloren geht“, sagt der 43-Jährige. Großen Wert legt er deshalb auch darauf, dass er nicht als „Coca-Cola-Weihnachtsmann“, sondern als der „richtige Nikolaus“ unterwegs ist.

Hahn, der auch als Stadtverordneter im Stadtparlament ­tätig ist, hat die Nikolausaktion mit dem CDU-Ortsverband Nordstadt ins Leben gerufen. Er kann sich noch an die Besuche des Nikolaus in seinen Kindertagen erinnern. Damals sei auch der Knecht-Ruprecht mit einer Rute dabei gewesen. Auf dessen Begleitung verzichtet Hahn bewusst. „Je nachdem, wie alt die Kinder sind, macht sie das Kostüm schon ehrfürchtig genug.“
Vereine können sich für Nikolaus-Besuch bewerben

An dem bekannten „Nikolaus-Smalltalk“ dürfte sich seitdem nicht viel geändert haben. Um mit den Kindern auf Augenhöhe zu kommen, geht Hahn in die Knie und fragt zunächst, ob sie wissen, wer er ist. „Die meisten kennen den Nikolaus, manchmal helfen die Eltern ein wenig nach. Und dann frage ich natürlich auch, ob sie artig waren“, sagt Hahn. Für die Kinder hat der Nikolaus einen Schokololli dabei, für die Erwachsenen Filz-Schlüsselanhänger – ohne Parteiwerbung, darum gehe es bei der Aktion nicht. „Es ist schön zu sehen, wie viel Spaß die Leute haben.

In der Bahnhofstraße­ hupen die Autofahrer, wenn ich vorbeilaufe. Viele Menschen kommen auf mich zu, wenn sie mich im Kostüm sehen.“ Mit zwei bis drei Begleitern aus dem CDU-Ortsverband wird sich der Marburger Nikolaus – in diesem Jahr zum fünften Mal – am Samstag, 15. Dezember, wieder auf den Weg machen. Los geht es ab etwa 11 Uhr am Schützenplatz. Über die Bahnhofstraße wird die Gruppe um Hahn zum Weihnachtsmarkt und den Wochenmarkt an der Elisabethkirche, den Steinweg hinauf zum Marktplatz gehen.

  • Am heutigen Nikolaustag (Donnerstag 6. Dezember) hat Oliver Hahn in der Zeit von 16 bis 17 Uhr einen Termin frei. Gemeinnützige Vereine aus der Region, die in dieser Zeit gerne einen – natürlich kostenfreien – Besuch vom Nikolaus hätten, können sich bis 12.30 Uhr per E-Mail an online@op-marburg.de bei der Oberhessischen Presse melden. Bitte den Namen des Vereins und eine Telefonnummer angeben. Der Gewinner wird ausgelost.

von Philipp Lauer

Hintergrund

„Wer sich zur Weihnachtszeit als Nikolaus engagieren lässt, sollte im Hinterkopf behalten, welche Einkunftsart an die Tätigkeit geknüpft ist. Dies gilt natürlich auch für Weihnachtsengel und andere Weihnachtsboten,“ sagt Professor Matthias Hiller von der SRH Fernhochschule. Unterschieden werden dabei Einkünfte aus Gewerbebetrieb, Einkünfte aus selbstständiger Arbeit oder nicht selbstständiger Arbeit. Die Zuordnung sei relevant, da Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb zusätzlich der Gewerbesteuer unterliegen. Bei der Einordnung gelte  zu beachten: Der Weihnachtsmann übt die Tätigkeit zwar persönlich aus und hat nur einen geringen Kapitaleinsatz in Form von Mantel, Schuhe, Bart und Sack. Allerdings benötigt der Nikolaus in der ­

Regel keine besonderen Fachkenntnisse für diese Tätigkeit. Die Tätigkeit des Weihnachtsmanns entspreche jedoch nicht den sogenannten Katalogberufen (freien Berufen) des § 18 Einkommensteuergesetz. Ebenso sei diese nicht als künstlerisch einzustufen, da keine eigene schöpferische Begabung vorliegt. Denn der Weihnachtsmann trage lediglich ein Kostüm. Zudem habe er den Weihnachtsmann nicht selbst erfunden und führt auch keine künstlerische Darbietung auf. Neben der ertragsteuerlichen Einordnung müssen unternehmerisch ­tätige Weihnachtsmänner auf umsatzsteuerliche Besonderheiten beachten, sagt Hiller.

„Für Weihnachtsmänner ist damit nicht nur das Geschenkeverteilen eine schweißtreibende Beschäftigung, auch die steuerlichen Aspekte können dies sein. Damit die glänzenden Kinderaugen nicht der einzige Lohn bleiben, sollten sich Weihnachtsmann und Co. auch mit der Steuereinordnung befassen. Ab dem 24. Dezember ist dafür dann wieder ein gutes Jahr Zeit.“