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Marburg Der Mann mit dem mörderischen Schreibtalent
Marburg Der Mann mit dem mörderischen Schreibtalent
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20:38 24.07.2011
Mit seinem ersten Drehbuch für den Tatort „Und die Musi spielt dazu“ hat sich Orkun Ertener einen Namen in der Szene gemacht. Bis heute schreibt er Tatort-Drehbücher. Quelle: BR

Köln. Orkun Ertener ist verliebt. Sprachverliebt. Wenn er spricht, dann wählt er seine Worte mit größter Sorgfalt. Was er sagt, ist durchdacht, auf das Wesentliche reduziert, mit erschreckender Einfachheit auf den Punkt gebracht.

Manchmal, da zögert er, bevor er Antwort auf eine Frage gibt. Dann lehnt er sich in seinem Stuhl zurück, zieht noch einmal an seiner Zigarette, trinkt einen Schluck Wasser, schweigt. Erst wenn er die treffenden Worte gewählt hat, beginnt er zu reden.

Ruhig und in einer tiefen, fast schon einschwörenden Stimmlage. Orkun Ertener weiß um die faszinierende Wirkung seiner Sprachgewalt. Er schafft es, Emotionen eine Bühne zu geben, durch seine Fantasie komplett neue Welten entstehen zu lasen.

Orkun Ertener hat seine Wörterliebe zum Beruf gemacht. Seit 1991 arbeitet er als freier Drehbuchautor, hat sich einen Namen in der Krimi-Szene erschrieben. Der 46-Jährige lebt und arbeitet in Köln. Seine ersten Drehbücher verfasste er jedoch in einer Studenten-WG in Simtshausen. Das Leben in der Wohngemeinschaft – bei dieser Erinnerung muss der Drehbuchautor noch immer lächeln.

Locker, ungezwungen, voller ambitionierter Ziele sei es gewesen. „Ich bedauere heute meine Tochter, was die Studienzeit angeht. Wir hatten nicht so einen stringenten Lebensplan, wir hatten einfach mehr Zeit“, reflektiert der Sohn eines Türken und einer Deutsch-Italienerin.

Auch wenn Orkun Ertener nicht mehr oft nach Marburg kommt – den Kontakt zu seinen ehemaligen Mitbewohnern hat er gehalten. Bis heute. „Die eine habe ich sogar geheiratet“, erzählt er lachend.

Noch in der Studienzeit wurde seine Tochter geboren. Und mit der neuen Verantwortung wuchs auch der Druck, Geld zu verdienen. Die Bewerbung um ein Stipendium der Münchner „Drehbuchwerkstatt“ wurde für Ertener zum Türöffner. Das Stipendium bekam ein anderer, die Aufträge aber nahm Orkun Ertener mit nach Hause. Der Bayrische Rundfunk klopfte an, bot dem jungen Schreiberdie Mitarbeit an einer Tatort-Produktion an. Ein Ritterschlag für den Studenten.

„Das ist und war das einzig wirklich erfolgreiche Format, das in Deutschland wöchentlich mehrere Millionen Zuschauer zählt. Orkun Ertener machte sich an die Arbeit.

Und er machte seine Arbeit gut. Bis heute hat er für neun Tatorte die Drehbücher geschrieben, ist gerade dabei, Ideen für einen Folge des Münster-Tatorts zu sammeln. Das Münsterländer Ermittler-Duo ist selbst für den erfahrenen Drehbuchautor eine Herausforderung. Immerhin sind die Charaktere bereits geformt, erwarten die Zuschauer einen gewissen Humor.

„Bei dem Auftrag muss ich in einem festen Rahmen arbeiten“, erklärt Ertener. Und Rahmen, die würde der Vater dreier Kinder am liebsten sprengen.

Das ist auch der Grund, weshalb er sich nicht mehr nur auf das Schreiben beschränkt, sondern immer öfter auch als Produzent agiert. „Das ist der Versuch, eine neue Arbeits- und Denkweise zu etablieren. Es geht darum, die kreative Kontrolle zu erhöhen.“

von Marie Lisa Schulz

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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