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Der Mann, ein simpler Jagdcomputer

Caveman im Bürgerhaus Cappel Der Mann, ein simpler Jagdcomputer

Knapp 400 Besucher sahen am Freitag und Samstag im Bürgerhaus Cappel das Ein-Mann-Stück „Caveman“, das in den 90er Jahren zum Broadway-Hit wurde.

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Eine Venus im Arm: Tom (Holger Dexne) erklärt die Tücken des Beziehungsgeflechts zwischen Mann und Frau.Foto: Theater Mogul

Marburg. Dunkelheit im Saal. Dschungelmusik ertönt. Man fragt sich, welche Farbe der Lendenschurz des Neandertalers wohl haben wird, der gleich auf die Bühne gestampft kommt. Dieser Gedanke dürfte sich in den Köpfen der Besucher umgetrieben haben, die die weltberühmte Comedyshow „Caveman“ (Höhlenmensch) sahen.

Und da war er, der steinzeitliche Höhlenmensch. Doch was ist das? Jeans, T-Shirt, Morgenmantel am Leib? Viel verwirrender: Das Geschöpf kann sprechen und streitet via Handy mit einer gewissen Heike. Man erfährt, dass der Mann namens Tom von Heike aus der gemeinsamen Mietwohnung geschmissen wurde und nun um Wiedereinlass bettelt.

Der Einstieg in das Stück ist originell und skurrill zugleich. Nachdem Tom, der vom Schauspieler Holger Dexne verkörpert wird, sich damit abgefunden hat, dass er die Nacht unter den Sternen verbringen muss, nimmt die Show an Fahrt auf: „Was gucken Sie denn so komisch? Haben Sie sich noch nie mit Ihrer Frau gestritten? Ich sag Ihnen mal was …“, wendet sich Tom an das Publikum. Es ist der Startschuss für Toms Reflexion über den Geschlechterkrieg.

In einer Mischung aus Selbsttherapie und Stand-up Comedy geht es bei „Caveman“ darum, Männer und Frauen klischeehaft darzustellen und die Parallelen in Verhaltensmustern zwischen der Steinzeit und der Gegenwart zu ziehen. So erfährt man, dass die Frau in ihrem Verhalten immer noch eine Sammlerin ist. Der Mann hingegen sei ein schlichter Jagdcomputer, der sich lediglich auf ein Ziel fokussieren könne.

Das Stück wurde erstmals 1991 am Broadway in New York aufgeführt. Seit 1995 wird es am wohl berühmtesten Theater der Welt ununterbrochen gespielt. Hierzulande ist das Stück seit 2000 in einer Inszenierung von Esther Schweins zu sehen.

Einer Frage wird leider zu wenig Platz eingeräumt: Tom erwähnt die Krise der Männlichkeit seit dem langsamen Zerfall der patriarchalischen Gesellschaftsstruktur im 20. Jahrhundert. Eine richtige und wichtige Beobachtung, deren Vertiefung dem Programm gut getan hätte. Was bedeutet es, heutzutage ein Mann zu sein?

„Mein Vater war 68er. Also als Vorbild kaum zu gebrauchen, was ich vor allem an meiner orientierungslosen Jugend gemerkt hab. Die Vorbilder der Kindheit, Cowboys und Ritter, sind auch nicht mehr nützlich“, sinniert Tom. Wie also soll er sich verhalten gegenüber Frauen? Empathie, Machismo oder eine Mixtur? Die Antwort muss jeder Mann für sich selbst finden. Trotz der kommunikativen Barrieren zwischen den Geschlechtern lautet die Botschaft des Abends: Es kann funktionieren.

„Ich denke, jeder Mann erkennt sich in Tom ein Stück wieder. Es ist für mich eine Riesenherausforderung, alleine auf der Bühne zu stehen und das Publikum zwei Stunden mitzunehmen. Deswegen habe ich die Rolle angenommen“, sagt Dexne.

Die Herausforderung hat er eindeutig gemeistert. Hervorzuheben ist Dexnes Pantomime. Auch bei stumpfen Pointen ist der 38-Jährige in der Lage, das Publikum durch Gestik und Mimik zu begeistern.

von Benjamin Kaiser

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