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Der Herzschlag des irischen Tanzes

Danceperados in Marburg Der Herzschlag des irischen Tanzes

Tanzen, bis der Boden glüht: Die „Danceperados“ präsentierten am Freitag eine mitreißende Show im Erwin-Piscator-Haus. 950 Zuschauer waren restlos begeistert.

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Die „Danceperados“ begeisterten mit Stepptanz und Gesang.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der irische Stepptanz ging direkt ins Blut, sein Stakkato trug wie ein fortwährender Herzschlag durch den Abend. Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer steppten, was das Zeug hielt. Immer war ihr Tanz makellos synchron, variantenreich und von überschäumender Lebendigkeit geprägt. Die durchweg junge Truppe schien über unendlich viel Energie zu verfügen, dabei strahlten alle trotz der Anstrengung die ganze Zeit und versprühten Lebensfreude pur.

Choreograf Michael Donnellan hat ein Feuerwerk an Ideen auf die Bühne gebracht. Die Tänzer bewegten sich in immer neuen Formationen: Mal waren flotte Gruppentänze und Reigen zu sehen, mal traten nur die Männer oder nur die Frauen auf. Es gab eine Polka und einen Besentanz, meist kamen die metallbeschlagenen Schuhe zum Einsatz. Manchmal tanzten die Künstler aber auch auf weichen Schläppchen und klatschten den Rhythmus mit den Händen dazu.

Zum stimmigen Gesamteindruck trugen die häufig wechselnden, nie überladen wirkenden Kostüme bei. Auch das Bühnenbild und die Lightshow waren angenehm zurückhaltend. Im Hintergrund wurden Fotos von Alen MacWeeney an die Wand projiziert, die irische Landschaften und das Leben der irischen Travellers zeigten.

Einblick in das Leben der "Travellers"

Ergänzt wurde das Tanzprogramm durch viel traditionelle irische Folk-Musik; und die kam nicht vom Band, sondern wurde live gespielt. Die Gruppe rund um Sängerin Geraldine MacGowan spielte stets perfekt zusammen und verstand es, mit ihrem engagierten Spiel das Publikum mitzureißen. Dabei kamen auch original irische Instrumente zum Einsatz wie die Bodhran, eine mit Fell bespannte Rahmentrommel.

Zusätzlich gab es viele spannende Informationen rund um das Leben der „travelling people of Irland“. Die irischen Travellers sind die Nomaden Irlands, sie sind eine abgeschottete Minderheit mit ungewöhnlichen Bräuchen und Ritualen. Tanz, Gesang, Geschichten und Musik spielen eine zentrale Rolle im Leben der Travellers.

In der Show wurde auch ein historischer Rückblick gezeigt, der die Zeit des autonomen und freien Lebens der Travellers wieder lebendig werden ließ. Die irischen Nomaden zogen seit Jahrhunderten mit ihren Pferdewagen über die Grüne Insel und lebten vom Scherenschleifen, Kesselflicken und Pferdezüchten. Heute führen die Travellers ein Leben im gesellschaftlichen Abseits. Sie wurden auf Rastplätze abgedrängt, ihre Berufe sind in der modernen Zeit nicht länger gefragt.

Am Schluss der rund zweistündigen Show der „Danceperados“ erklang der mitreißende Song „Freedom is just another name“, und die Stimmung war auf dem Höhepunkt. Die Tänzerinnen und Tänzer steppten wie wild, die Bühne bebte und die Zuschauer klatschten begeistert mit. Erst nach zwei Zugaben durften die Künstler den Saal verlassen.

von Bettina Preussner

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