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Der Herr der Spiele

Marburg Der Herr der Spiele

Spielefans in ganz Deutschland kennen Dr. Bernward Thole. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag mit Familie und Freunden – und ganz ohne Reden. Lobhudeleien mag er nämlich nicht.

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Stets umgeben von Spielen: Dr. Bernward Thole in seinem neuen Reich in der Spielebrücke.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Bernward Thole trifft man am ehesten in seinem Reich, umgeben von tausenden Spielen. Bis 2007 war es das Deutsche Spielearchiv in der Oberstadt, jetzt ist es das Domizil der Spielebrücke in der Ketzerbach. Für ihn schließt sich damit ein Kreis: 1958 kam er als junger Student aus Fulda nach Marburg und wohnte in einer kleinen Studentenbude in der Ketzerbach.

Thole studierte Deutsch und Latein für das Lehramt, entschied sich – „nachdem ich alle Schulsysteme abgeklappert hatte“ – aber für die Universitätslaufbahn. Er promovierte in Marburg in Theaterwissenschaften, die kurz darauf aufgelöst wurden.

Schon an der Uni, wo er als Studienberater abertausende Studierende beriet, trat seine ausgeprägte Sammelleidenschaft zu Tage: Für die Medienwissenschaften baute er im Laufe von Jahrzehnten eine Videothek mit gut 18.000 Spielfilmen auf.

Daneben frönte er einer weiteren Leidenschaft: dem Spiel. Nicht dem Zocken in Spielhöllen oder Casinos, sondern traditionellen und modernen Spielen aller Art. Für Thole sind Spiele eine Völker und Generationen verbindende Kulturleistung. Die fördert er als Autor von Spielerezensionen unter anderem in der OP, als Vortragsreisender, als Wissenschaftler und seit 1985 als Gründer des Deutschen Spiele-Archivs, das er 2010 nach Nürnberg abgeben musste, weil die Finanzierung in Marburg nicht mehr gesichert war. Thole hatte zusammen mit seinen Mitarbeitern ein Archiv mit mehr als 30.000 Spielen und 15.000 Fachbüchern aufgebaut.

Doch die Marburger müssen nicht auf Spiele verzichten. Thole, der den renommierten Preis „Spiel des Jahres“ mit ins Leben rief, gründete inzwischen die „Spielebrücke“, einen Verein, der mit Spielen Brücken zwischen Generationen und Kulturen schlagen will. Das ist Tholes Traum. Der Verein hat inzwischen wieder einen großen Schatz: Mehr als 5.000 Spiele lagern in den Regalen in der Ketzerbach 21 1/2 .

Trotz seiner großen Lebenserfahrung und mancher Rückschläge kann sich Thole immer noch ärgern, etwa über das Marburger Finanzamt, das dem neuen Verein die Gemeinnützigkeit nicht zuerkennen wolle, weil Spiele kein Kulturgut seien. „Damit stehen die Finanzbeamten ziemlich allein in der Welt“, meint Thole, der Ehrenmitglied der Spieleautoren-Zunft ist, die Goldene Ehrennadel der Stadt Marburg trägt und den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhielt.

Wenn Thole heute feiert, sind seine drei Kinder und seine drei Enkelkinder dabei. Seine Frau ist seit vielen Jahren auf ständige Pflege angewiesen.

von Uwe Badouin

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