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Der Hauptmann von Köpenick ruft nach Amöneburg

Schlossfestspiele 2013 Der Hauptmann von Köpenick ruft nach Amöneburg

Die Schlossfestspiele Rauischholzhausen sind Geschichte, die Zukunft gehört den Schlossfestspielen Amöneburg: Am 19. Juni 2013 hat dort "Der Hauptmann von Köpenick" Premiere.

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Regisseur Peter Radestock (von links), Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und Christian Schmidt von Depro freuen sich auf die Schlossfestspiele Amöneburg.

Quelle: Uwe Badouin

Amöneburg. Carl Zuckmayers Komödienklassiker „Der Hauptmann von Köpenick“ von 1931 soll im Sommer 2013 tausende Theaterfreunde auf „den Berg“ locken, wie Amöneburg im Volksmund genannt wird. Gestern Vormittag stellten Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg, Christian Schmidt vom Veranstalter Depro Concert und Regisseur Peter Radestock ihre Pläne für die „Schlossfestspiele Amöneburg 2013“ vor.

„Der Hauptmann von Köpenick“ ist ein Klassiker, der ein breites Publikum erreichen soll. Populär wurde die Komödie vor allem durch die Verfilmung mit Heinz Rühmann von 1956. Premiere ist am 19. Juni. Bis zum 6. Juli stehen 15 Aufführungen auf dem Programm. Am 7. Juli ist zum Abschluss der Festspiele ein Konzert geplant.

Die Tribünen auf dem Festplatz direkt an der Burgruine fassen 680 Zuschauer, 80 mehr als in Rauischholzhausen, betonte Christian Schmidt von Depro Concert. Die Veranstalter hoffen, wie zuletzt 2011 mit dem „Phantom der Oper“ im Schlosspark Rauischholzhausen, auf ausverkaufte Vorstellungen. Damals lag die Auslastung bei phänomenalen 100 Prozent. „So etwas habe ich in meiner langen Theaterlaufbahn noch nie erlebt“, sagte Radestock gestern.

2011 hatte das Gemündener Veranstaltungsunternehmen Depro Concert die Tradition der vom Hessischen Landestheater Marburg aufgebauten Schlossfestspiele Rauischholzhausen mit dem „Phantom der Oper“ fortgesetzt. Dann kam das Aus: Für 2012 sperrte die Gießener Justus-Liebig-Universität das Schloss wegen einer Tagung, für 2013 wegen Sanierungsarbeiten.

„Ich hatte danach mit der Sache schon abgeschlossen“, sagte Radestock, der künstlerische Leiter der Festspiele. Dann kam eine Flut von E-Mails mit der Aufforderung, weiterzumachen. Depro und Radestock schauten sich um nach neuen Spielorten - in der Schwalm, im Schloss Romrod, in Schweinsberg. Jeder Ort hatte einen oder mehrere Haken. Dann kam Michael Richter-Plettenberg: „Als die Chance bestand, die Schlossfestspiele nach Amöneburg zu holen, haben wir zugegriffen. Es wäre dumm gewesen, wenn wir es nicht getan hätten.“

Die Reaktionen in der historischen Kleinstadt auf dem Berg geben ihm recht. Die Amöneburger begreifen die Schlossfestspiele als Chance für den Tourismus. „Wir freuen uns darauf, wir gehen Geschäften entgegen“, sagten Petra Krohn und Ulrich Schulist vom Restaurant Dombäcker auch stellvertretend für ihre Kollegen aus anderen Restaurants. Sie alle wollen die Schlossfestspiele zu einem Erfolg machen und das Theaterfestival in Amöneburg fest etablieren.

Auch der Veranstalter Depro hat ein großes Interesse an einer guten Gastronomie, will gemeinsam mit Hotels und Restaurants Ideen für die Festspiele entwickeln. „In Rauischholzhausen wurde vor allem die gastronomische Versorgung bemängelt. Viele Besucher reisen von weit her an, wollen vorher gut essen. Das gehört zu einem schönen Theatererlebnis dazu“, erklärte Christian Schmidt.

Ein Verkehrskonzept für das Theaterspektakel wird in den kommenden Monaten abgestimmt. Parkplätze seien kein Problem, betonten gestern Bürgermeister Richter-Plettenberg und Schmidt. Depro wird Shuttle-Busse einrichten.

Regisseur Radestock hat unterdessen schon mit den Planungen begonnen. „Das Ensemble steht weitgehend“, sagte er. Die Bühne übernimmt Axel Pfefferkorn, die Dramaturgie Annelene Scherbaum. Mit beiden hat er am Hessischen Landestheater gearbeitet.

Nur die Hauptrolle des Hauptmann von Köpenick muss er sich wohl verkneifen. Sie ist ihm zwar auf den Leib geschrieben, doch die Regie und Organisation wird ihn mehr als ausfüllen.

Für die heimischen Theaterfreunde gibt es damit im Sommer 2013 zwei attraktive Angebote: Zeitgleich mit dem „Hauptmann“ zeigt das Hessische Landestheater Marburg seine Open-Air-Produktion von Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ (20. Juni bis 7. Juli) auf dem Marburger Marktplatz.

Der Vorverkauf für die Schlossfestspiele Amöneburg hat gestern begonnen. Karten gibt es im Internet unter www.depro-concert.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Im Blickpunkt:

Schornsteinfeger?und Regisseur Peter Radestock (67) wurde in den letzten Kriegstagen in dem kleinen Ort Hochweitzschen nahe Leipzig geboren. Er begann 1958 erst eine Schornsteinfegerausbildung, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Jahre später studierte er in Leipzig Schauspiel und als Meisterschüler in Rostock Regie. 1991 kam er nach Marburg ans Landestheater – war Oberspielleiter und Schauspieler. Er hat eine unglaubliche Bühnenerfahrung, hat als Regisseur mehr als 100 Stücke inszeniert – und nur ein einziges zweimal: die Komödie „Das Ende vom Anfang“. Denn der Komödiant Radestock liebt gute Komödien. 2007 ging er in Rente, seither macht er eigene Projekte – seine „kleine ­Komödie“ und die Schlossfestspiele.

von Uwe Badouin

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