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Marburg Der Diktator aus dem Computer
Marburg Der Diktator aus dem Computer
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17:08 24.04.2014
Eine schöne neue Welt? Morgan Freeman (links) als Joseph Tagger, Cillian Murphy als Anderson Buchanan und Rebecca Hall als Evelyn Caster bewundern die Maschine in die das Gehirn und Bewusstsein des Forschers Will Caster (Johnny Depp) eingepflanzt wurde. Foto: Peter Mountain/Tobis Film Quelle: Tobis Film
Marburg

Seit Beginn der Filmgeschichte geistern künstliche Wesen über die Leinwände. Angefangen vom mythenumrankten „Golem“ der Stummfilmzeit über diverse „Frankenstein“-Monster bis zu den eleganten, computergenerierten Geschöpfen in James Camerons „Avatar“. Zuletzt zeigte Regisseur Spike Jonze in seiner wunderbaren Science-Fiction-Romanze „Her“, dass man sich in eine Computer-Stimme sogar verlieben kann.

Der Hightech-Thriller „Transcendence“ fällt im Vergleich dazu wenig originell aus. Der renommierte Kameramann und Oscarpreisträger Wally Pfister („The Dark Knight“, „Inception“) entwirft in seinem Regiedebüt die bedrohliche Vision einer Zukunft, in der es möglich ist, menschliches Bewusstsein mit künstlicher Intelligenz zu verbinden. Dabei funktioniert der von Regisseur Christopher Nolan produzierte Film sehr vorhersehbar nach einem altbekannten Muster: Die Geister, die wir riefen, werden wir nicht mehr los.

Erzählt wird die Geschichte des hochbegabten Wissenschaftlers Dr. Will Caster (Johnny Depp), der zusammen mit seiner Ehefrau Evelyn (Rebecca Hall) und seinem Freund Max (Paul Bettany) einen Supercomputer entwickelt hat. Als Will bei einem Attentat von radikalen Technologiefeinden schwer verletzt wird, beschließt Evelyn, die Hirnströme ihres sterbenden Will mit dem Computer zu verbinden.

Das Experiment funktioniert, und es entsteht eine skrupellose Intelligenzmaschine, die sich in Windeseile daran macht, die Welt zu beherrschen. Da hat Wills bedächtiger Mentor Joseph Tagger (Morgan Freeman) dann alle Hände voll zu tun, diesen bösen Geist wieder zurück in die Flasche zu stopfen. Ganz altmodisch mit schwerem Gerät wie Panzerfäusten und Scharfschützen.

Wirkliche Spannung entwickelt sich in dieser Konstellation über zwei Stunden kaum. Dies liegt zum einen an den hölzernen Dialogen, die über Gemeinplätze nicht hinauskommen. Da vermischt sich öde Techniksprache mit etwas grünem Ökopathos.

Auch der Hauptdarsteller bleibt viel zu blass. Hollywood-Exzentriker Johnny Depp gibt die erste halbe Stunde lang einen kreuzbraven Bücherwurm, der seine Frau über alles liebt, Sonnenblumen züchtet und einen altmodischen Plattenspieler bedient. Ein Quentchen Spleen, Anarchie oder Wahnwitz im Stile von Captain Sparrow aus „Fluch der Karibik“ hätte dieser Figur nicht geschadet. Dann stirbt der Doktor, und wir sehen nur noch das finstere Konterfei des Maschinen-Menschen auf flackernden Monitoren. Seine Evelyn liebt ihn sehr lange auch noch auf der Festplatte.

Aber für eine Reflexion über Verlust, Einsamkeit und technologische Surrogate, wie sie Jonze in „Her“ gelang, fehlt dem Film über künstliche Intelligenz die erzählerische Intelligenz. Da steuert er lieber zielstrebig mit Versatzstücken aus dem Baukasten des Katastrophenfilms auf sein wenig überraschendes Finale zu. Gespickt ist der Showdown mit ein paar putzigen Zombies. Da sieht der vermeintlich ultramoderne Cyber-Thriller dann plötzlich ganz alt aus.

Der Film läuft im Cineplex.

von Johannes von der Gathen

Meinungen von Besuchern der OP-Vorpremiere

„Sehr philosophisch. Richtig gut gemacht, sehr spannend, wirft viele Fragen auf.“

Franziska Fischer (18) aus Niederwalgern

„Gute Ansätze, interessante Ideen, mehr aber auch nicht.“Sergej Waschenko aus Marburg

„Ein wirklich bedenkenswerter Erklärungsversuch des ,Göttlichen‘.“

Martina Kutsch (48) aus Wetter

„Äußerst interessantes Konzept, allerdings etwa albern ausgeführt. Insgesamt dennoch sehr sehenswert.“Katharina Müller aus Marburg

„Sehr spannend gemacht. Und immer muss man mitdenken. Es ist alles dabei: Action, Liebe usw.“Kimberley Lotz (19) aus Fronhausen

„Regt zum Denken an, sehr spannend. Echt Klasse.“Lisa Schneider (19) aus Niederweimar

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