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Marburg Der Biber ist zurück in Marburg
Marburg Der Biber ist zurück in Marburg
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00:16 26.02.2019
Ein Biber knabbert im Märkisch-Oderland die Rinde von Weidenästen ab. Quelle: Patrick Pleul
Marburg

Der unter strengem Schutz stehende Nager hat in den zurückliegenden Jahren vielerorts in Hessen wieder Quartier bezogen, unter anderem in Gießen, Wetzlar, am Diemelsee, in Frankenberg, im Schwalm-Eder-Kreis und im ­Vogelsberg.  Darüber berichtet Michaela Weickelt (Foto: Thorsten Richter).

Sie ist für Marburg-Biedenkopf die Biber-Beauftragte des Naturschutzbundes (Nabu).

Nach Nabu-Zählungen leben 488 Biber in Hessen (Stand 2017). Und Marburg gehört nun auch wieder zu den Biber-Städten. Es sei eine wirklich „tolle Nachricht“, dass der Biber zurück ist, findet der hiesige Nabu-Vorsitzende Eberhard Lübbeke. „Da es sich um ein Biber-Pärchen handelt, hoffen wir auf eine ­Biber-Familie.“ Ob es mit dem Nachwuchs geklappt hat, wird sich im Laufe der kommenden Monate zeigen. Ende April, Anfang Mai kommen Biber-Junge zur Welt. Meist sind es zwei bis drei.

Verborgen in der Biberburg

Das Biber-Pärchen hat sich gut versteckt an der Lahn einen Bau errichtet. Eine nähere Ortsbeschreibung geben die Naturschützer bewusst nicht. So dürfte der bis zu 1,20 Meter große und bis zu 30 Kilo schwere ­Nager ein Chance haben, am ohnehin dicht besiedelten und rege genutzten Fluss eine dauerhafte Heimat zu finden. Er zieht es nämlich vor, zu den Menschen Abstand zu halten.

Deshalb hoffen die Nabu-Artenschützer sehr, dass der Neubürger mit dem flossenartigen Schwanz und den dicken braun-gelben Zähnen ungestört bleibt von neugierigen Biber-Touristen oder von Spaziergängern mit Hunden. Vor allem Letztere sollten sich aus Gründen des Natur- und Artenschutzes dringend von Ufergehölzen fernhalten, appellieren Weickelt und Lübbeke. Biber könnten vor allem von Hunden, die dem Fressfeind Wolf ähnlich seien, vertrieben werden.

„Der Biber kann so viel für Mensch und Landschaft tun“, sagt Eberhard Lübbeke. Er ­renaturiere Flusslandschaften­ und Auen kostenlos, wo der Staat sonst tief in die Tasche greifen müsse. So bildeten sich auch Flächen zum Hochwasserschutz. Wo durch den Biber kleine Teiche entstünden und sich Abbrüche im Bachbett bildeten, da siedelten sich auch viele weitere schützenswerte Arten wie Libellen, Schmetterlinge und Lurche an. So sei der ­Biber ein großer Gewinn für ein Stück „Wildnis daheim“, sagt Lübbeke.

Was der Biber so treibt

Doch wie macht der schwimmende Pflanzenfresser mit den flossenartigen Hinterfüßen das alles überhaupt? Für seine Dammbauten ist der Biber ja bekannt. Er staut damit Bäche, legt künstliche Teiche an, flutet Auen und leitet schon mal ganze Bäche um. Das Holz, das er für seine Bauwerke benötigt, beschafft sich der Nager mit den kleinen Augen und der dicken ­Nase durch den Einsatz seiner gewaltigen Vorderzähnen. Er fällt Bäume mit einem Durchmesser von bis zu 80 Zentimetern, indem er den Stamm sanduhrförmig abschält, wie hier an der Lahn in Marburg (Foto: Thorsten Richter).

 

Das Marburger Biber-Pärchen hat im Lahngebiet gut getarnt einen solchen Damm errichtet. Er schützt den Wohnbau der Riesen-Nager. Nur tauchend können sie ihn erreichen. Darin leben die Tiere mit ihrem Nachwuchs und ernähren sich im Winter von ihren Holzvorräten. Bevorzugt Weidenzweige, die die Nager im Wasser rund um den Bau ansammeln.

Biberfakten

  •  Biber können bis zu 14 Jahre alte werden.
  •  Nach dem südamerikanischen Wasserschwein ist der Biber das zweitgrößte Nagetier der Erde: Er kann bis zu 1,30 Meter lang werden. Der schwerste Biber, der gewogen wurde, brachte es auf 30 Kilo.
  •  Biber sind nacht- und dämmerungsaktiv. Den Tag verbringen sie in ihren Bauten.
  •  Biber können bis zu fünf Minuten tauchen.
  •  Die Riesennager besiedeln ein Gebiet, das sich von einem bis zu sieben Kilometern am Gewässer entlang erstrecken kann. Dabei sind Biber anpassungsfähig: Sie besiedeln größere Flüsse und Seen ebenso wie Bäche, Gräben und Teiche.
  •  Ihre Dämme können Längen von 20 bis 30 Metern erreichen. Es gibt sogar mehr als 100 Meter lange Dämme, für die Biber tonnenweise Material verbauen. Die Dämme sind meist unter einem Meter hoch, wenn nötig erreichen sie jedoch eine Höhe von bis zu drei Metern.

Quelle: „Artenvielfalt im Biberrevier“, Broschüre des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

Doch warum wurden die possierlichen Flussbewohner eigentlich vor rund  330 Jahren in Hessen ausgerottet? „Sie wurden wegen ihres weichen Fells gejagt. Oder auch wegen eines Sekrets, das sie absondern. Das so genannte Bibergeil enthält Salizylsäure, ähnlich wie Aspirin. Das wurde früher als Universalheilmittel eingesetzt“, erklärt Michaela Weickelt. Hinzu­ kam, dass die Kirche den Biber aufgrund seines schuppigen Schwanzes als Fisch einstufte. So landete das Fleisch des Nagers denn auch in Kochtöpfen und Bratpfannen.

Biber-Segen oder Biber-Plage?

In Hessen wird der Biber seit den 1980er-Jahren ganz allmählich wieder heimisch. „18 Biber wurden damals im Spessart wiederangesiedelt“, berichtet Michaela Weickelt.

Während seine Ansiedlung hierzulande gefeiert wird, hat in anderen Bundesländern die Diskussion um die Jagd auf den wasserliebenden Nager schon wieder begonnen. In Brandenburg und Bayern etwa gelten die dort inzwischen weit verbreiteten Dämmebauer als Plage. Das liegt daran, dass sich zwischen den Tieren in ihrem ufernahen Lebensraum und der Land- sowie Forstwirtschaft durchaus Konflikte ergeben.

Deshalb fordere der Nabu auch so genannte Gewässerentwicklungsstreifen, sagt Marburgs Nabu-Vorsitzender Lübbeke (Foto: Thorsten Richter). „Wo der Biber sich niederlässt, sollten die Kommunen möglichst die Flächen aufkaufen, damit er keine Landwirte oder andere Menschen mit Nutzungsinteressen stört.“

Dass sich Mensch und Biber in Marburg in die Quere kommen könnten, halten die Artenschützer vom Nabu indes für unwahrscheinlich. „Er hat sich einen Platz gesucht, wo er weitgehend ungestört sein kann“, sagt Michaela Weickelt. Und Eberhard Lübbeke wünscht sich, dass der Biber bleibt und die Lahn bei Marburg dauerhaft besiedelt. „Er ist ein nachhaltiger Flussrenaturierer, der noch dazu kostenlos arbeitet“, freut sich der Nabu-Vorsitzende über den neuen „Mitbürger“. Der Marburger Biber gilt im Moment als der Einzige im Landkreis. Für seine Ansiedlung kämen neben Lahn und Ohm auch kleinere Bäche infrage, sagt Michaela Weickelt.

von Carina Becker-Werner