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Marburg Den Onlinemarkt fest im Blick
Marburg Den Onlinemarkt fest im Blick
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12:29 02.03.2018
Den Onlineshop pflegen und hegen – das ist eine Aufgabe von vielen für den Onlinekaufmann. Den neuen Beruf stellt Betriebswirt Sascha Viereck von der Kaphingst Online GmbH vor. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Schon längst ist der Onlinehandel fester Bestandteil der Geschäftswelt, in der Firmen sich mit digitalen Schaufenstern vorteilhaft im Netz präsentieren möchten - Zeit wird’s, dass es dazu auch ein passendes Berufsbild gibt, findet Sascha Viereck, Betriebsleiter der Kaphingst Online GmbH in Sarnau. Er gibt Einblicke in einen Beruf der Zukunft.

Kauf und Verkauf im Internet, Vertragsabschlüsse, Onlinemarketing, ganze Produktpaletten digital aufbereiten und pflegen - all das und mehr fällt künftig in den Aufgabenbereich des Onlinekaufmanns. Der wird quasi die Schnittstelle anderer kaufmännischer Berufe, vom Einzel-, Groß-, und Außenhandelskaufmann, bis zum Marketing-, Büro- und IT-Kaufmann. „Es ist von allem etwas dabei“, so Viereck.

Der Kaufmann im E-Commerce hat alles, was im Netz mit dem Handel zu tun hat, im Blick. Er erstellt Onlineshops, plant die Produktpräsentation, überblickt Prozesse im Unternehmen, kümmert sich um das Marketing, übernimmt die digitale Kundenkommunikation und erstellt Onlineverträge. Vom perfekten Produktfoto bis zum Abschluss des digitalen Vertrags - alles geht künftig über den Tisch des Onlinekaufmanns. Der neue Beruf gehe „sehr in die Tiefe“, sagt Viereck.

Neben dem firmeneigenen Kanal verfolgt der Kaufmann für E-Commerce auch andere Onlinevertriebskanäle im Netz, vergleicht Angebote auf dem Markt, erstellt Webanalysen über Kaufkraft und Kaufverhalten, ermittelt Preise und übernimmt Teile des Produktmanagements. „Der Onlinekaufmann hat quasi eine Marktbeobachtungsfunktion“, sagt Viereck. Darüber hinaus ist er ebenso bewandert im Vertragswesen, wie im Content-Management: der Onlinekaufmann weiß, wie Homepage und Shop aufgebaut sein sollten, um sich von anderen abzuheben und vom Kunden auch gefunden zu werden.

Entsprechende Texte suchmaschinenoptimiert schreiben, mit Schlüsselworten versehen und Streuverlust vermeiden zählt ebenso zum Fachwissen. Der Kaufmann ist für die Onlinepräsenz des Unternehmens zuständig, auch in den sozialen Netzwerken. Weniger ins Gewicht fallen „klassische“ kaufmännische Aufgaben - mit dem eigentlichen Vertrieb habe er weniger zu tun, „der Onlinekaufmann wird auch nicht ständig am Telefon sitzen und beraten“, sagt Viereck.

Ab dem kommenden Berufsschuljahr, also ab August, soll es den neuen Ausbildungsberuf für E-Commerce-Kaufleute geben - „für uns ist es der Beruf der Zukunft schlechthin“, freut sich Betriebswirt Viereck schon jetzt.

Plan: Marburg soll erster Standort in Hessen werden

Die Kaphingst Online GmbH hat schon jetzt zwei Ausbildungsstellen ausgeschrieben und hofft „auf Nachahmer und Synergieeffekte für die Region“. Im E-Commerce ist das Unternehmen seit 2005 am Markt tätig, wolle daher „Vorreiter“ sein und den neuen Beruf voranbringen. Und am liebsten noch mehr - der große Traum war es, Marburg als allerersten Ausbildungsstandort in Hessen für den Onlinekaufmann zu etablieren. Das Land sieht bislang nur einen Standort vor.

Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens erstellte das Unternehmen einen Arbeitskreis, brachte Betriebe, IHK und Berufsschulen an einen Tisch. Für den Beruf hatten die Kaufmännischen Schulen bereits Interesse bekundet und sich beim Land beworben. Noch läuft die Bewerbungsfrist. Viereck geht aber nicht davon aus, dass das Vorhaben im ersten Anlauf klappt.

Er rechnet damit, dass Frankfurt den Zuschlag als sogenannter „A-Standort“ erhält. Die Entscheidung soll im März folgen. Sollte das Interesse an dem neuen Ausbildungsberuf steigen, womit Viereck fest rechnet, könnte Marburg in Zukunft als „B-Standort“ nachziehen.

von Ina Tannert