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Marburg Protestzug gegen Sexismus und Homophobie
Marburg Protestzug gegen Sexismus und Homophobie
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22:23 27.04.2018
„Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“: Die gestrige Anti-
Homophobie-Demo verlief durch die Oberstadt bis zum Hauptbahnhof. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Seifenblasen, Konfetti-Regen, Regenbogen-Fahnen, dazu laute Musik, die aus Lautsprechern auf einem Fahrrad schallt. So zogen am Freitag rund 150 Menschen vom Gerhard-Jahn-Platz aus Richtung Oberstadt, über den Marktplatz, vorbei an der Elisabethkirche bis zum Hauptbahnhof.

Zwischendurch stoppte der Zug mehrmals und Sprecher mehrerer Gruppen verkündeten wiederholt: „In Marburg ist kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus!“ Dagegen protestierten sie für sexuelle Selbstbestimmung, Akzeptanz und eine tolerante ­Gemeinschaft.

Das Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und Religiösen Fundamentalismus“ hatte zu der Demonstration aufgerufen, um gegen die „reaktionäre und antifeministische Tagung“ der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) zu protestieren. Die APS veranstaltet von gestern bis zum heutigen Samstag ihre Jahrestagung zum Thema „Vorbilder“ im ­Tabor-Konferenzzentrum am Ortenberg.

Solidarität für diskriminierte Minderheiten

Das Marburger Bündnis kritisiert an der „Organisation evangelikaler Prägung“ vor allem ­deren „Homo- und Trans-Feindlichkeit“ und an den geladenen Rednern der Tagung deren „menschenverachtende Ideologie“.

Ihre Solidarität für diskriminierte Minderheiten bekundeten etwa Vertreter des Autonomen Frauen- und Lesbenreferats, des Schwulenreferats, des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses, der Fachschaft „Roter Faden“ des Fachbereichs für evangelische Theologie sowie der Evangelischen Studierenden-Gemeinden Gießen, Marburg und Kassel.

Die Sprecher der Demo erinnerten an das Jahr 2009: Damals entzündete sich in der Universitätsstadt Kritik an einer ähnlichen ­APS-Veranstaltung.

Rund 1 000 Demonstranten ­protestierten damals rund um das Hörsaalgebäude gegen den Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, bei dem umstrittene Referenten aus der sogenannten Homo-Heiler-Szene auftraten.

Spontan-Demo mit 25 Menschen

2017 wurden in Marburg während der Privatisierungs-Debatte rund um den Lokschuppen am Ortenberg erneut Homophobie-Vorwürfe erhoben – gegen den vorübergehend am ­Gebäudekauf interessierten Verein „Christus Treff“ (CT), der schon 2009 als ein evangelikales Zentrum für 
Anti-Homosexualität in den Fokus speziell des linkspolitischen Lagers geriet. Auch daran erinnerten die Sprecher.

Die CT-Spitze wies die ­Kritik in den vergangenen Jahren mehrfach zurück: „Die Unterstellungen zu Homophobie und Transgenderfeindlichkeit sowie zum angeblichen Absolutheits- und Missionsanspruch sind und bleiben falsch“, hieß es auf ­OP-Anfrage. Doch die Bündnis-
Vertreter fordern weiter­hin Auf­klärung der Vernetzung zur APS.

Nach dem Demonstrations-Zug durch die Stadt zogen noch etwa 25 Menschen als Spontan-Demo mit Rufen wie „Alerta, Alerta, Antisexista“ weiter zum Tabor-Konferenzzentrum. Die Polizei begleitete die Aktion mit mehreren Beamten.

von Simone Schwalm
 und Björn Wisker