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Marburg Bodybuilding: Deutscher Meister aus Marburg
Marburg Bodybuilding: Deutscher Meister aus Marburg
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00:16 04.12.2018
David Janaszek in seinem Element: Wenn der Bodybuilder auf der Wettkampfbühne steht, muss er seinen gestählten Körper bestmöglich in Szene setzen. Quelle: Privatfoto
Marburg

1,81 Meter groß, in Topform 81 Kilogramm schwer. Körperfettanteil: etwa vier Prozent. David Janaszek besteht zum Großteil aus Muskelbergen, was man ihm aber nicht ansieht, wenn er gekleidet vor einem steht – auf der Bühne allerdings schon. Denn da hat der 22-Jährige außer einer Posing-Hose nichts an, wenn er sich von neun Kampfrichtern hinsichtlich der Qualität (Definition), Masse und Proportionen seiner Muskeln und deren Präsentation bewerten lässt.

„Im Herbst vergangenen Jahres stand ich das erste Mal auf einer Bühne“, erzählt Janaszek, der gebürtig aus Bad Berleburg stammt und in Marburg Sport und Geografie auf Lehramt studiert. Anfang November wurde er in Bochum Deutscher Meister in der Klasse „Junioren Classic“, im Vorjahr war er Vierter geworden.

Der DM-Titel: ein Ziel, dass der Student unbedingt erreichen wollte, denn: „Bodybuilding ist zu aufwendig, um es nur aus Spaß zu betreiben“, betont Janaszek und plaudert aus dem Nähkästchen: etwa, dass er nach dem Sieg erst einmal im China-Restaurant über das Buffet herfiel. Kein Wunder, denn sein Körper schrie förmlich nach Verwertbarem.

Wettkampfdiät bedeutet die schlimmste Zeit

Während er in der Phase des Muskelaufbaus vier- bis fünfmal pro Woche schwerere Lasten stemmt und mehr Kalorien zu sich nimmt, als sein Körper verbraucht, macht der 22-Jährige 16 bis 18 Wochen vor seinen Wettkämpfen „die schlimmste Zeit“ (Janaszek) durch. Sie heißt: Wettkampfdiät. „Das ist ein regelrechter Kampf gegen den eigenen Körper“, veranschaulicht Janaszek. Sechs- bis siebenmal pro Tag isst der Bodybuilder dann: Fleisch, Eier, Gemüse, Kartoffeln, Reis. „Da wiege ich jedes Reiskorn ab“, erzählt Janaszek, der sich im Supermarkt auch schon auf einmal mit 30 Kilogramm Hähnchenbrust eingedeckt hat.

So gibt er in der Vorbereitung gut und gerne 100 Euro pro Woche für seine Ernährung aus – auch weil etwa noch teure Vitaminpräparate hinzukommen. Planung und Kosten sind aber nur die eine Seite. Eine halbe bis dreiviertel Stunde benötigt er morgens, um sein Essen vorzubereiten. „Die Tupperdose habe ich tagsüber immer dabei.“ Schließlich muss er alle zwei Stunden etwas essen.

Ein Problem sei dieser Aufwand nicht, schließlich habe er sich schon immer bewusst ernährt. „Und ich ernähre mich ja auch nicht ungesund: Ich verzichte auf tierische Fette, trinke sehr viel und esse viel Gemüse.“
Von einem „sehr strukturierten Tagesablauf“ spricht Janaszek in der Diätphase: mehrmals täglich Kraft- und Ausdauertraining, Studium, Nebenjob im Fitnessstudio, schlafen. Acht bis zehn Stunden sollten es schon sein, um dem Körper die nötige Erholung zu gönnen. Als Deutscher Meister hätte Janaszek auch an der Qualifikation für die WM in Ecuador teilnehmen können – doch die ist im Dezember. Er hätte sich nach den „Deutschen“ also weiter schinden müssen. „Mein Körper hat aber gesagt: bis hierher und nicht weiter.“

Ellbogenbruch beendet Freeride-Karriere

Für den gebürtigen Bad Berleburger gibt es ohnehin vorrangige Ziele. Im kommenden Jahr möchte er sich zunächst auf die Uni konzentrieren. „Danach will ich Fleisch draufpacken.“ Also an Gewicht zulegen. „Vier Kilogramm mehr sind realistisch, noch acht Kilo mehr wären in der Männerklasse möglich“, meint der Sportler, der 2020 die Europameisterschaft in Spanien anpeilt und dann bei den Männern auf einen weiteren Erfolg hofft. Das „ultimative Ziel“, irgendwann in einer Profiliga zu starten, um mit dem Bodybuilding Geld zu verdienen, sei „sehr utopisch“, denn: „Das ist ein kleiner, auserwählter Kreis“, weiß Janaszek – und schiebt hinterher: „Man kann zwar nicht das ganze Leben planen, aber als Leistungssportler sollte man Ziele haben.“

Die hatte Janaszek auch früher schon, als er noch mit dem Fahrrad als Freerider im Wittgensteiner Land unterwegs war und sich im Winter mit Krafttraining fit hielt. 2014, nach einem Ellbogenbruch, stieg er endgültig um und besuchte zunächst Bodybuilding-Messen und -Wettkämpfe.

Woran der Reiz im Stählen des Körpers besteht? „Das Training macht mir viel Spaß. Mir schwirrt immer im Kopf herum, dass da draußen noch jemand härter trainiert. Wenn ich so viel Zeit in mein Studium investieren würde wie ins Training, hätte ich längst einen Doktortitel“, flachst der 22-Jährige, der von Trainer Stanislav Belov aus Mannheim unterstützt wird.

Janaszek: Doping in dieser Gewichtsklasse nicht nötig

Menschen mit Vorurteilen begegnet der Student immer wieder – und auch das Thema Doping ist eines, mit dem er und seinesgleichen immer wieder konfrontiert werden. „Ich würde es nicht riskieren“, sagt Janaszek und führt aus: „Bei den Wettkämpfen wird stichprobenartig getestet. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist viel zu hoch.“ Zumal Strafen (zum Beispiel Sperren) nach dem Anti-Doping-Gesetz „extrem hoch“ seien und die Einnahme unerlaubter Substanzen in seiner Gewichtsklasse gar nicht notwendig. Außerdem, so Janaszek, sei Doping alles andere als ein Bodybuilding-spezifisches Problem. „In den meisten anderen Sportarten wird mehr gedopt als beim Bodybuilding“, meint der 22-Jährige.

von Marcello Di Cicco