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Marburg Stadtparlament will Parkdeck an alter UB
Marburg Stadtparlament will Parkdeck an alter UB
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10:00 22.12.2018
Wie geht es weiter mit dem Parkplatz an der alten Unibibliothek? Das Parlament fordert den Bau eines Parkdecks. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Sowohl bei der Abstimmung über den Feuerwehrbedarfsplan als auch beim Thema O-Bus-Studie hatte das Parlament in der letzten Sitzung vor Weihnachten noch Einstimmigkeit demonstriert. Doch ab kurz nach halb zehn Uhr abends war es dann am vergangenen Freitag mit der versöhnlichen Vorweihnachtsstimmung vorbei.

Dabei hatte Roger Pfalz (CDU) noch beantragt, das als letztes anstehende Thema unter Verweis auf die nach der Haushaltseinbringung durch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) fortgeschrittene Stunde nicht mehr zur Aussprache kommen zu lassen. Und auch Dietmar Göttling zeigte sich für die antragstellende Grünen-Fraktion aus „weihnachtlichen Gründen“ dazu prinzipiell bereit. Aber Henning Köster (Marburger Linke) legte sein Veto ein, auch weil die vorab für das Debatten-Ende festgelegte Uhrzeit von 21 Uhr noch nicht erreicht war.

Und so nahm dann also eine weitere der unzähligen Verkehrs- und Parkplatzdebatten des Stadtparlaments ihren Lauf. Anlass waren zwei Grünen-Anträge rund um Parken in Marburg. Darin forderten sie einerseits einen Stopp der Ausbauplanungen für das Parkhaus am Pilgrimstein und andererseits die Wiederaufnahme der Verhandlungen des Magistrats mit der Universität, den Stadtwerken und Hessen Mobil, um endlich die Realisierung eines Parkdecks am alten UB-Parkplatz voranzutreiben.

Köster sieht keine Begründung für mehr Parkplätze

Vor allem Letzteres trieb Hennig Köster zu einer vehementen Gegenrede. „Gehören die Grünen jetzt zur Koalition?“, fragte­ Köster. Auch von den Grünen werde jetzt das Mantra „Immer mehr Parkplätze in Marburg“ gesungen, kritisierte der Linken-Abgeordnete. Für zusätzliche Parkplätze in Marburg ­gebe es aber keine Begründung. In Sachen Verkehrswende fühle sich die „Marburger Linke“ jetzt auch von den Grünen verlassen. „Bisher dachten wir, die Grünen bleiben der Stange“, sagte Köster. Kösters Rede stieß auf Widerspruch bei zahlreichen Rednern.

„Wir sind noch nicht im Jahr 2030, und das Beamen ist noch nicht erfunden. Wieso verkennen Sie die Realität?“, fragte Shaker Hussein (SPD). Die Idee des Baus eines Parkdecks an der alten Uni-Bibliothek diene schließlich sogar dazu, die Marburger Innenstadt von Verkehr zu entlasten, sagte Hussein.

Und Karsten Mc Govern (Grüne) ergänzte: „Zu einer lebendigen Stadt wie Marburg gehört auch die Frage, wie man sie ­erreichen kann“. Aus Sicht der Grünen mache es zwar keinen Sinn, das Parkhaus am Pilgrimstein zu erweitern. Aber der Bau eines Parkdecks sowie eines ­Mobilitätsknotens Marburg Mitte mit möglichem Haltepunkt an der Bahnstrecke sei stattdessen sinnvoll. Denn selbst wenn es in ein paar Jahren E-Autos geben werde, dann würden immer noch Parkhäuser benötigt und der Verkehr solle nicht in die ­Innenstadt gelenkt werden.

Suntheim-Pichler gibt Ex-Bürgermeister Kahle die Schuld

Mc Governs Redebeitrag war der Startpunkt für eine Erweiterung der Debatte in Bezug auf die generelle Verkehrssituation. So warf Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) den Grünen vor, sie trügen aufgrund des Verhaltens ihres ehemaligen Bürgermeisters Dr. Franz Kahle die Schuld daran, dass das ­Pilgrimstein-Parkhaus noch nicht erweitert worden sei.

Dr. Fabio Longo (SPD) betonte, dass die Idee des Mobilitätsknotenpunkts und des UB-Parkdecks vom ehemaligen Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) stamme. Bisher sei der Plan daran gescheitert, dass das Land Hessen und die Uni Marburg nicht zugestimmt hätten. „Wir sind gespannt, ob das Grundstück jetzt zur Verfügung gestellt wird“, sagte Longo. Bis auf die Marburger Linke stimmten alle Parteien dem Grünen-Antrag bezüglich Parkdeck und Mobilitätsknoten zu. Für den Stopp der Pilgrimstein-Planung stimmten nur die Grünen, die Marburger Linke und der Pirat, was keine Mehrheit ergab.

von Manfred Hitzeroth