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Marburg Das wird am 3. Oktober in Marburg geboten
Marburg Das wird am 3. Oktober in Marburg geboten
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08:00 03.10.2018
Vor zwei Jahren feierten Stadt und Ausländerbeirat erstmals gemeinsam den Tag der kulturellen Vielfalt – unter anderem mit Tänzen auf dem Stadthallenvorplatz. Fotos: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Bisher war es so“, erinnert der Oberbürgermeister, „dass der Ausländerbeirat parallel zur eher betulichen Feierstunde im Rathaus sein Fest der kulturellen Vielfalt machte“. Das hat sich geändert: „Seit zwei Jahren feiern wir gemeinsam mit der Stadt“, freut sich Goharik Gareyan-Petrosyan vom Ausländerbeirat. Vor 14 Jahren zunächst als Feier für Migranten angelegt, wobei „die Kommune deutschlandweit eine Vorreiterrolle spielte“, soll es nun „ein Fest für uns alle“ sein, ein „bewusstes Signal gegen Rechtsextremismus und gegen Spaltung“.

Und noch etwas wird gefeiert am 3. Oktober: 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Eisenach. „Es war eine der ersten deutsch-deutschen Partnerschaften“, sagt Lisa Bast (Bereich Städtepartnerschaft). „Die Eisenacher wollen mit einer großen Delegation kommen.“

Musik, Märchen und mannigfaltige Kulinarik

Zwei Feste und ein Jubiläum an einem Tag – rund ums Rathaus wird es bunt. In Kooperation mit Gero Braach vom Kulturladen KFZ und Pia Tana Gattinger von „Kultur und Kulturen“ sowie unterstützt vom Marburger Konzertverein werden sich das Erwin-Piscator-Haus, der vorgelagerte Bereich der Biegen- und die komplette Savignystraße in einen Marktplatz zahlreicher interkultureller und deutscher Vereine, Künstler und Organisationen wandeln. Musik, Märchen, mannigfaltige Kulinarik und so manches Museumsstück füllen das Mammutprogramm mit Leben, erstmalig gemanagt vom städtischen Kulturamt.

„Es machen immer mehr mit“, stellt Spies fest. Sie alle ziehen an einem Strang, „um die Stadtgesellschaft zusammenzuholen, um einen Raum zu finden für das, was Marburg ausmacht: Offen zu sein, egal wo jemand herkommt oder hingeht“. Dabei legt Spies besonderen Wert darauf, nationale Symbole wie den Tag der Deutschen Einheit und das Singen der Nationalhymne, auch das Hissen der Deutschlandfahne „ein Stück weit aus der Tradition“ zurück in die Gesellschaft zu holen. Dabei schwebe ihm ein gelassener Umgang mit der Nationalität vor, „ganz so, wie es uns bei der WM 2006 begeisterte“.

Bei der Festvorbereitung haben sie sich im Kulturamt gefragt: „Was ist deutsch?“, erzählt Ariadne Hohndorf. „Dabei wollten wir Stereotype überwinden.“ Klar, als Grimm-Stadt nehme man automatisch die Märchenkultur mit ins Programm, auch dürften Blasmusik und Bratwurst nicht fehlen. Darüber hinaus glänzt das Veranstaltungsangebot mit Höhepunkten aus den unterschiedlichsten Kulturbereichen.

Orchester spielt zur Eröffnung Europahymne

Schon die Eröffnungsfeier um 12 Uhr im Erwin-Piscator-Haus wird von einem musikalischen Leckerbissen begleitet: Die Junge Marburger Philharmonie spielt Auszüge aus Beethovens neunter Symphonie, der Europahymne, „auch als Zeichen, sich nicht abzugrenzen“, sagt der OB. Den vollen Konzertgenuss gibt‘s dann am Abend, den man aber auch mit der Sondervorführung von „Good Bye, Lenin“ im Capitol-Kino ausklingen lassen könnte.

Zuvor jedoch geht die klassische Feierstunde, bei der auch der Integrationspreis vergeben wird, ab 13 Uhr über ins lebhafte Straßenfest. Im KFZ-Tiefhof geht‘s unter anderem zur „Marboogie Jam Session“ und auf die Bunte Bühne, im Kulturladen treffen sich Gießener „River Tales“ und Marburger „Lahnkultur“ in einer Street-Art-Ausstellung.

In der Savignystraße zeigen die Stadtkapelle Wetter und „Lechuga“, wie verschieden und bisweilen exotisch sich Blasmusik interpretieren lässt; ein „interkultureller Kleiderschrank“ lockt, in eine andere Haut zu schlüpfen; Menschenkicker fordern zum Spiel auf, und wer nicht weiß, was bei einem „Speed Dating“ passiert, das nicht die übliche Partnersuche im Sinn hat, der besucht den Ausländerbeirat im Aktionsraum. Buden- und Bubble-Zauber, Tanzmäuse, Kurzfilme, Vorträge, Workshops, Lesungen und ein Erzählcafé mit Zeitzeugenberichten aus den Anfängen der Städtepartnerschaft runden das Angebot ab.

Schier endlos scheinen die Möglichkeiten, sich interkulturell zu erfreuen, doch Spies bringt es auf den Punkt: „Wir wollen ein großes Marburg-Fest machen für einen Tag.“

von Sabine Jackl