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Marburg Das plagt die Ketzerbächer vor der Feier
Marburg Das plagt die Ketzerbächer vor der Feier
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00:17 02.07.2018
Ein Eindruck vom Ketzerbachfest 2009: Das Straßenfest wird diesen Samstag zum 159. Mal gefeiert – aber was werden in diesem Jahr die Gesprächsthemen an den Tischen sein? Die OP hat nachgeforscht. Quelle: privat
Marburg

Der Pendler- und Lieferverkehr zu den Behringwerken nerve viele Anwohner. Manche sind es seit Jahrzehnten gewohnt. Sie, die Staugeplagten zwischen Elisabethkirche und Bürgerhaus Marbach, würden die Auswirkungen der Sperrung der Weidenhäuser Brücke als „eine neue, verschärfte Normalität“ hinnehmen.

Die Diskussion um ein mögliches neues Wohngebiet am Oberen Rotenberg und die damit verbundene Verkehrsvermehrung verfolge man am Fuße der Marbach aufmerksam – so beschreiben Teddy Scharlau und Björn Busch, die beiden Vorsitzenden der Ketzerbachgesellschaft das, was Dutzende in der Gegend beschäftigt. „Das mit dem Wohnviertel wäre nochmal eine richtig herausfordernde Belastungsprobe für die Menschen, die hier wohnen“, sagt Scharlau.

Kritisch blickt man auch auf den Leerstand in mehreren Wohnhäusern rund um die Elisabethkirche (OP berichtete). „Hier wäre eigentlich noch viel mehr Leben, ein alltägliches Zusammenkommen aller Generationen möglich“, sagt Scharlau.

Programm

Die Band „Mr. Starlight“ spielt am Samstag ab 20 Uhr, das Fest auf der Ketzerbach selbst beginnt bereits am frühen Abend um 18 Uhr. Die Straße wird von Samstagmittag bis Sonntagmorgen nur einspurig befahrbar sein. Die Veranstalter, die Mitglieder der Ketzerbachgesellschaft rechnen mit Hunderten Gästen. Der Eintritt ist frei.     

Für mehr Leben, aber auch für deutlich mehr Radverkehr sorgt die neue Universitätsbibliothek am Pilgrimstein – es habe sich aber in Ketzerbach wie Elisabethstraße ein problematischer Radverkehr entwickelt, da „Fußgänger immer häufiger wegen anrasender Radfahrer zur Seite springen müssen“, wie Scharlau sagt.

Auch die generelle Verlagerung einiger Freizeitplätze beäugen die Anwohner skeptisch. Der Rasen vor dem Michelchen, der kleinen verborgenen Kapelle in der Karmelitergasse, werde immer wieder als Picknick- und Grillplatz benutzt. Dabei kämpft der Verein seit langem für eine Urnen- und Friedwaldfläche in dem Gebiet. Und auch der Alte­ Botanische Garten „droht zu einem Lagerplatz für Studenten zu werden“, sagt Scharlau.

„Studenten hin oder her: Es gibt nicht nur deren Interessen“, sagt er, der als Vereinsvorsitzender auch Vertreter einer der Marburger Studenten-Straßenzüge schlechthin ist. Und der seit Jahren daran arbeitet, trotz des ständigen Ein- und Auszugs von jungen Leuten rund um die Ketzerbach, die Menschen der Nordstadt zusammenbringen, sie gemeinsam Bier trinken, Wurst essen und Gespräche führen zu lassen. Das Ketzerbachfest, das mittlerweile 159. seiner Art, dient dafür jedes Jahr als Bühne.

So sah es beim Ketzerbachfest 1979 aus. Privatfoto

Nach dem langsam gestorbenen Tod des Marktfrühschoppens sei das Ketzerbachfest „das einzige Fest, das eine alte Tradition hochhält“, sagt Scharlau. Die Ketzerbach, das Herz der Nordstadt, sei trotz ihrer Verkehrsbelastung ein „attraktives ­Lebensquartier, das aber mit Aktivitäten gefüllt, am Leben gehalten werden muss. Gelingt das nicht, wird auch hier nur noch gewohnt“, sagt Scharlau.

Und deshalb wollen die Veranstalter speziell im nächsten Jahr, bei der dann 160. Auflage dem Fest neue Impulse geben. 
Kinder- und Familienprogramm, Erweiterung um einen Seniorennachmittag, Integration des Firmaneiplatzes: „Wir müssen beim Angebot mehr werden, wie die Ketzerbach beim Wohnen schon ist: Ständig kommt neues Blut, neue Gesichter“, sagt Scharlau.

„Es gibt hier viele positive Entwicklungen, es kommen stets Leute nach, die diesen Teil der Stadt bereichern. Wir wollen es schaffen, Tradition und Trends etwa beim Musikprogramm zu vermischen“, ergänzt Björn Busch, der vor allem die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr mit Wache für deren Nachbarschafts-Aktivitäten lobt.

von Björn Wisker