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Marburg „Das ist mehr als eine Heimkehr"
Marburg „Das ist mehr als eine Heimkehr"
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00:17 17.03.2019
Der bisherige Kommandeur Andreas Marlow (von links), Generalleutnant Johann Langenegger und der neue Kommandeur Andreas Hannemann nach dem Wechsel. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Der 57-jährige Brigadegeneral Andreas Hannemann führt die Division Schnelle Kräfte (DSK). Gestern übertrug ihm Generalleutnant Johann Langenegger bei einem Appell in der Herrenwaldkaserne das Kommando. Langenegger ist Kommandeur Einsatz und stellvertretender Inspekteur des Heeres.

Für „den Neuen“ war die Kommandoübernahme trotz widrigen Wetters etwas sehr Besonderes. Schließlich begann seine Laufbahn bei der Bundeswehr 1981 mit der Ausbildung zum Fallschirmjäger.

Später kommandierte Hannemann unter anderem die Luftlandebrigade 26 „Saarland“. Vor seinem Wechsel an die Spitze der DSK war Hannemann Kommandeur des Ausbildungszentrums Infanterie in Hammelburg.

„Dieses neue Kommando ist für mich mehr als eine Heimkehr“, antwortete Hannemann gestern auf eine entsprechende Frage der OP zu seinen Wurzeln als Fallschirmjäger. Er fühle sich sehr gut auf seinem neuen Dienstposten.

Hannemann wird sich in den nächsten Wochen mit der ­Truppe an ihren verschiedenen Standorten vertraut machen. Erste große Herausforderung in seiner Zeit als Divisionskommandeur wird die Aufstellung der European Battlegroup gemeinsam mit niederländischen Streitkräften sein.

Dem neuen Kommandeur fällt die Aufgabe zu, sie ab dem zweiten Halbjahr einsatzbereit zu melden.

Hannemann freut sich auf die Zeit in Stadtallendorf; er hat ­seine Wurzeln in Lüneburg, wird aber seinen Zweitwohnsitz in die Region verlegen. „Dabei werde ich sicherlich auch neue Kontakte knüpfen.“

Brigadegeneral Andreas Hannemann ist seit gestern der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte  (DSK) mit Sitz in Stadtallendorf. Hannemann löste den langjährigen Kommandeur Generalmajor Andreas Marlow ab.(Fotos: Nadine Weigel)

Beim Übergabeappell stand zu Beginn noch jemand anderes im Mittelpunkt, der stellvertretende Divisionskommandeur Brigadegeneral Gert Gawellek, der ebenfalls versetzt wird; wohin ist nicht bekannt.

Gawellek war zugleich General der Heeresflieger und Kommandeur der Divisionstruppen. Er hatte diese Aufgabe im Februar 2016 übernommen. Beim Appell fehlte er wegen einer Erkrankung. In Abwesenheit würdigte ihn der scheidende Divisionskommandeur Andreas Marlow.

Gawellek sei die fordernden Aufgaben „mit der ihm eigenen „preußisch-pflichtbewussten“ Art angegangen. Nachfolger als stellvertretender Divisions­kommandeur wird Oberst im Generalstab Andreas Pfeiffer. Er ist Heeresflieger und aktiver Pilot.

„Ein Fallschirmjäger und ein Heeresflieger an der Spitze, besser geht es nicht für die Division“, kommentierte Marlow seine Nachfolge. Neben Pfeiffer ist der niederländische Brigadegeneral Hans Hoogstraten weiterhin der zweite stellvertretende Divisionskommandeur.

Passend zur engen internationalen Zusammenarbeit kommandierte Hoogstraten den Übergabeappell.

Generalleutnant Johann Langenegger vollzog den eigentlichen Kommandowechsel an der Divisionsspitze bei strömen­dem Regen vor angetretenen Soldaten aus verschiedenen Einheiten des ­Großverbandes.

Er erinnerte daran, dass auf den Tag genau vor 22 Jahren, am 14. März 1997, Bundeswehr­soldaten deutsche Staatsbürger aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Tirana herausgeholt hatten – in der Gegenwart eine Kernaufgabe der DSK mit ihrem Leitspruch „einsatzbereit, jederzeit, weltbereit“.

Langenegger erinnerte an die veränderte sicherheitspolitische Lage weltweit, an die zahllosen Konflikte wie beispielsweise auch die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim durch Russland. „Diese Bundeswehr ist gefordert wie nie zuvor in ihrer 63-jährigen Geschichte“, sagte Langenegger.

Ausdrücklich würdigte er die Leistungen des scheidenden Kommandeurs Marlow, um dann die Brücke zu seinem Nachfolger Hannemann zu schlagen. Der habe vor allem „Truppe geführt“ und unter anderem auch Erfahrungen beim deutsch-niederländi­schen Korps gesammelt, was ihn zusätzlich für seine neue Aufgabe qualifiziere.

Für die hessische Landesregierung sprach Dr. Stefan Heck (CDU), Staatssekretär im Innenministerium. Heck unterstrich vor allem die große Bedeutung, die die Bundeswehr mit der DSK an der Spitze für Stadtallendorf und die gesamte Region hat.

„Die Landesregierung wird mit Nachdruck einen Beitrag dafür leisten, den Standort Stadtallendorf zu stärken“, betonte Heck. Bekanntlich wächst die DSK am Standort Stadtallendorf derzeit, eine neue Fernmelde­kompanie ist gerade aufgestellt 
worden.

Die Entscheidung über die Hessen-Kaserne steht in diesem Jahr an. Brigadegeneral Hannemann wünschte er unter anderem, „dass die Region für ihn auch ein Stück Heimat wird“.

Generalmajor Marlows letzter Satz als Divisionskommandeur lautete: „Ich melde mich ab.“ Zuvor hatte er noch einmal eine sehr tiefgründige Rede gehalten.

In seiner Zeit als Kommandeur seien rund 3 000 Soldaten im Einsatz gewesen. Als einschneidende, ihn bewegende Momente bezeichnete er den Tod von zwei niederländischen und zwei Bundeswehrsoldaten in Mali in den Jahren 2016 und 2017.

Marlow erinnerte daran, dass es zum Beruf eines Soldaten gehöre, sein eigenes Leben in die Waagschale zu werfen.

Aber es habe auch viel Schönes gegeben in seiner Zeit als Divisionskommandeur. Die Multinationalität bei der DSK ist ihm besonders positiv in Erinnerung und auch deren Wert. „Nationale Alleingänge wird in Europa keiner mehr schaffen können“, betonte er.

Marlow ging auf die techni­schen Probleme bei den neuen Hubschraubern bei den Heeres­fliegerregimentern der ­Division ein. Defizite seien Zug um Zug aufgearbeitet worden. „An den Menschen in den Regimentern hat es nie gelegen“, strich Marlow in diesem Zusammenhang heraus.

Noch einmal stellte er sich vor seine Soldaten, als er das zur Division gehörende Kommando Spezialkräfte (KSK) besonders würdigte. Der Verband war wegen bekanntgewordener rechtsextremer ­Vorfälle zuletzt im Februar öffentlich in die Kritik geraten.

Eine pauschale Verurteilung wegen Vergehen einzelner hätten die Soldaten nicht verdient. „Auf das KSK kann sich Deutschland verlassen“, betonte Marlow. Dann lobte er ein letztes Mal das ­enge Verhältnis zwischen Zivilbevölkerung und Bundeswehr in Stadtallendorf. Das Verhältnis sei „grandios“. Soldaten seien hier nicht nur Mitbewohner, sondern Freunde.

von Michael Rinde