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Marburg Das große Schunkeln
Marburg Das große Schunkeln
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17:52 30.09.2014
Stefan Düppers und Stefan Haus stellten ihre neue CD „Kopfkino“ vor.Foto: Wangler
Marburg

Liedermacher halten es für gewöhnlich minimalistisch. Man beschränkt sich auf Gitarre und Gesang, vor allem Text und emotionale Tiefe prägen den Charakter. Manchmal wird auch eine ganze Band dazugenommen, um mehr Rock auf die Bühne zu bringen.

Die Marburger Liedermacher Haus & Düppers holten sich die Unterstützung einiger fähiger Musiker: Stephan Becker souverän am Kontrabass, Patrick Leipold kraftvoll am Schlagzeug, Gernot Dechert gefühlvoll am Saxophon und Philipp Kalabis mit Soli an E-Gitarre und Mundharmonika waren eine Freude. Die Liedermacher selbst zupften ihre Akustikgitarren oder spielten Piano. Gedichtvorträge von Ellen Stork ergänzten das Programm.

Anlass des Konzertes war das im Juli produzierte neue Album „Kopfkino“, das sie nun zum ersten Mal vor Publikum spielten. Ein CD-Release-Konzert mit einer etwas eigenwilligen Note: Stefan Haus und Stefan Düppers installierten auf der Bühne der Waggonhalle eine Leinwand, die so manches Lichtspielhaus in den Schatten stellen konnte. Während fast 100 Gäste auf den Auftritt der Liedermacher warteten, präsentierten sich diese zunächst per Diashow.

Dieses Potpourri an Fotografien sollte wohl die kurze Biographie der Band skizzieren, die vor zwei Jahren ihr erstes Album „2012“ herausbrachte - aber es irritierte auch mit Nostalgie und Pathos am eigenen Werk. In der Waggonhalle erstrahlten in cineastischer Größe die samtweich gezeichneten Porträtfotos der Künstler. Leider wurde die Leinwand mit dem ersten Song nicht eingezogen, sondern weiter genutzt: Bei jedem Lied glänzten Fotografien im Bühnenhintergrund, versehen mit Songtitel und Refrainzeilen - so konnte auch der Letzte nicht übersehen, welches Lied gerade gespielt und welches Gefühl angespielt wurde. Haus und Düppers sind hauptberuflich Lehrer, vielleicht ist die didaktische Absicht mit ihnen durchgebrannt?

In ihren neuen Liedern erzählen Haus & Düppers von Geschichten aus ihrem persönlichen Umfeld, kraftvoll und leidenschaftlich auf die Bühne gebracht, oft zweistimmig gesungen - ein sehr solider Auftritt. Songs wie „Weiterziehen“ oder „Ganz oben“ haben Anklänge an den Idyllensänger Reinhard Mey, weniger kritisch und politisch als ein Wolf Biermann oder Konstantin Wecker.

Allein mit „Wenn der Wind sich dreht“ greifen die Liedermacher ein politisches Thema auf und reflektieren die historische Wende von 1989. Beeindruckend sind dabei die wirkungsvoll in den Song eingesetzten Audioaufnahmen von Erich Honecker - eine lohnenswerte Geschichtsstunde.

Doch oft steckt im Liedgut von Haus & Düppers ein schunkeliger Wohlfühlgeist, der sentimental überladen bisweilen an Schlager erinnert. Die Texte spiegeln häufig Befindlichkeiten. Manchmal zeigen sie eine Sehnsucht nach dem Zauberhaften, etwa in „Kinderaugen“: „Könnt ich die Welt mit deinen Augen sehen / Ich würde mich verzaubern lassen / Muss sie nicht verstehen“. Die CD „Kopfkino“ ist zweifellos eingängig und gut zum Mitsummen.

von Ben Wangler

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