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Das Unheil lauert im Kleingedruckten

Theater Marburg Das Unheil lauert im Kleingedruckten

Tief wie die Abgründe der menschlichen Seele ist das Theatererlebnis, das Matthias Faltz in seiner ersten Regiearbeit dem Marburger Publikum bietet. Für seinen „Black Rider“ erntete der neue Intendant am Samstagabend donnernden Premierenapplaus.

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Die Zuschauerränge als Bühne eröffnen neue Darstellungsformen. Im Vordergrund sind die Schauspieler Oda Zuschneid (links) und Oliver Schulz zu sehen.

Quelle: Ramon Haindl

Marburg. Die Ansage ist deutlich: Hier wird ganz großes Theater gemacht! Wie ginge das besser, als das Nutzungskonzept des Stadthallensaals auf den Kopf zu stellen, die Zuschauer auf ein Podest in den Bühnenkasten zu pferchen und auf der schiefen Saalebene unter Einbeziehung des Rangs zu spielen?

Auf dem Weg zu ihren Plätzen durchschreiten die Zuschauer jenen entkernten Raum, in dem sie gewöhnlich zehn Minuten vor Vorstellungsbeginn bequem sitzen, die Hälse nach Bekannten recken und noch ein wenig Programmheftlektüre betreiben, bis das Licht verlischt und sich der Vorhang hebt. Stattdessen sinistre Geisterbahnatmosphäre beim Gang durch die Nebenflure und beim Betreten der Bühne, hektisch begleitet von Sebastian Muskallas Megaphondurchsagen. Wer endlich sitzt, ahnt: So ziemlich alles, was du über den „Freischütz“ weißt, solltest du für die nächsten 80, 90 Minuten vergessen!

Simpel genug ist die Schauergeschichte, Liebe, Tod und Teufel bilden die tragenden Elemente des „Black Rider“: Durch die Hand des Geliebten stirbt am Ende Försters Käthchen, weil der Schwiegersohn in spe einen Pakt mit dem Bösen geschlossen hatte. Der machte ihn vorübergehend vom brotlosen Künstler zum waidgewandten Waffenvirtuosen - im Kleingedruckten des finsteren Vertrags jedoch findet sich jene unheilbringende Klausel, nach der über die Wahl des letzten Ziels der Munitionslieferant entscheidet.

Matthias Faltz hat mit dieser großen Produktion einen eindrucksvollen Einstand als Regisseur gegeben, nicht weniger als einen derartigen Paukenschlag hatte das Marburger Publikum von ihm erwartet.
„The Black Rider - The Casting of the Magic Bullets“ ist am morgigen Dienstag sowie am Sonntag und Montag, 26. und 27. September zu sehen, Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Termine im Oktober: 9.10., 20.10..

von Carsten Beckmann

Mehr dazu in der Printausgabe der OP am Montag.

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