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Marburg Das Syndikat hat Marburg im Griff
Marburg Das Syndikat hat Marburg im Griff
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20:31 18.04.2016
Criminale-Auftakt in der OP-Druckerei.: OP-Geschäftsführerin Ileri Meier (von links), die Autorinnen und Autoren Daniel Carinsson, Christina Bacher, Elke Pistor, Christiane Dieckerhoff, Angela Eßer, Regina Schleheck und OP-Vertriebsleiter Dr. Steffen Ehrmann freuen sich über den gelungen Start. Foto: Tobias Hirsch Quelle: Foto: Tobias Hirsch
Marburg

Frau Loth hat einen Traum. Nur einmal will sie Heldin sein, sich nur einmal groß mit Foto auf der Titelseite der Oberhessischen Presse sehen.

Morgen für Morgen bringt sie den Abonnenten ihre OP. Frau Loth ist Zeitungsausträgerin, sorgt dafür, dass die Abonnenten morgens wissen, was im Landkreis passiert ist. Ihr Revier ist das Südviertel. Dort passiert nicht viel, meint Frau Loth. Bis sie dann doch die Chance sieht, auf die Titelseite der OP zu kommen.

Wie sie das schafft, wird an dieser Stelle nicht verraten. Das kann man nachlesen in Christiane Dieckerhoffs witzigem Kurzkrimi „Frau Loths Traum“, der neben 25 weiteren Geschichten in der Criminale-Anthologie „SoKo Marburg-Biedenkopf. Kriminelle Kurzgeschichten zwischen Lahn und Ohm“ abgedruckt ist.

Gestern Abend las die im nördlichen Ruhrgebiet lebende Autorin ihren Kurzkrimi vor rund 100 Gästen bei der criminale-Auftaktveranstaltung „SCO(OP)! Ein Abend unter Helden“ in der Druckerei der Oberhessischen Presse. Große Papierrollen und die Offset-Rotation der OP bildeten den Rahmen für die erste Anthologie-Lesung. Moderiert wurde der Abend von der Herausgeberin Christina Bacher. Sie gab gemeinsam mit den Autorinnen Regina Schleheck und Christiane Dieckerhoff einen ersten Einblick in die Criminale-Anthologie, die vor wenigen Tagen rechtzeitig zum Start des Krimi-Treffens des Syndikats erschienen ist. Gekonnt musikalisch umrahmt wurde die Lesung von der „Wodka Swinging Lemon Gang & Friends“ mit Jazzstandards.

Der zweite Kurzkrimi des Abends ist von Regina Schleheck aus Leverkusen: „Schöne Zeit und Nudelsalat“ hat die preisgekrönte Autorin, im Hauptberuf Lehrerin, im Auftrag von pro familia geschrieben. Mit dem Krimi eröffnete sie die Auftaktlesung: Ein Mädchen wird schwanger, der junge Vater lässt sie sitzen, die Familien der Jugendlichen mischen sich ein und die beste Freundin ist stocksauer. Alltag bei pro familia. Dann ziehen die beiden Mädchen zusammen, bilden eine kleine Familie, die gerade so über die Runden kommt. Alles scheint gut zu werden.

„Schöne Zeit und Nudelsalat“ liest sich über weite Strecken wie ein klassisches Jugenddrama über pubertäre Wirrungen, ist aber letztlich doch ist auch ein Krimi: Am Ende liegt ein junger Mann tot im See.

Der Tod wird die heimischen Krimifans in der kommenden Woche noch oft begleiten - zum Glück nur literarisch. Zum ersten Mal ist die Criminale in Marburg zu Gast. Veranstaltet wird sie seit 30 Jahren vom „Syndikat“ - das ist eine Vereinigung deutschsprachiger Krimiautorinnen und -autoren. Die Criminale ist das europaweit größte Treffen ihrer Art. Erwartet werden nach Angaben von Christina Bacher bis Sonntag rund 300 Autoren, Vertreter von Verlagen, Kriminalisten, Profiler und Psychologen.

„Genauso wie die OP - nämlich das 150. - feiert auch die Criminale dieses Jahr Jubiläum - ihren 30. Auftritt. Vor diesem Hintergrund ist uns die Entscheidung leicht gefallen, Medienpartner der Marburger Criminale zu werden und selbst eine Partnerschaft für einen Krimi der Anthologie zu übernehmen“, sagte OP-Geschäftsführerin Ileri Meier zur Begrüßung.

Christina Bacher, die auch zahlreiche Kolleginnen bei der ersten Anthologie-Lesung begrüßte, freut sich: „Endlich geht es los. Die Vorfreude ist groß.“ Die heute in Köln lebende Autorin hat gut 15 Jahre in Marburg gewohnt und gearbeitet und hier ihren Mann kennengelernt. Bei der Arbeit für die Anthologie habe sie auch den Landkreis lieben gelernt, sagte sie.

Auf dem Programm der criminale stehen rund 60 Veranstaltungen, darunter zahlreiche Anthologie-Lesungen an den jeweiligen „Tatorten“, wie gestern Abend etwa auch in der Tanzschule Henseling beim „Tanztee in den Tod“. Daneben gibt es Vorträge, Schreibworkshops, Ausstellungen und Podiumsrunden. Höhepunkte sind die Benefizgala mit Elisabeth Herrmann morgen Abend ab 19.30 Uhr in der Lutherischen Pfarrkirche und die Verleihung der Friedrich-Glauser-Preise am Samstag ab 20 Uhr im Cineplex.

Das Dienstags-Programm finden Sie im Kulturkalender der Dienstagsausgabe.

von Uwe Badouin

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