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Marburg Das Phantom der Oper in Marburg
Marburg Das Phantom der Oper in Marburg
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17:13 21.02.2018
Die weite Opernwelt auf der Bühne des Erwin-Piscator-Hauses: Das Phantom der Oper war zu Gast. Quelle: Melanie Weiershäuser
Marburg

Am vergangenen Samstag war die deutschsprachige Produktion, unterstützt durch ein 18-köpfiges Orchester, zu Gast in Marburg und erfreute die Zuhörer im Großen Saal des Erwin-Piscator-Hauses.
Von der Geschichte, die auf dem Roman von Gaston Alfred Louis Leroux basiert, hat wohl jeder schon einmal gehört: In der hochfrequentierten ­Pariser Oper im Jahre 1877 zeigt das einfache Chormädchen Christine erstmalig ihre gesanglichen Fähigkeiten und zieht sogleich die Aufmerksamkeit von ­Raoul, einem Freund aus Kindertagen, auf sich.

Jedoch ist auch das unheilvolle Phantom der Oper, das in den Gewölben des ­Schauspielhauses sein ­Unwesen treibt, besessen von seiner Liebe zu Christine und entführt diese in die labyrinthartigen Katakomben unterhalb der Oper. Raoul begibt sich auf die Suche nach Christine und letztendlich lässt das Phantom in einem Moment wahrer Liebe Gnade walten und ermöglicht den Liebenden ein glückliches Ende.

In vielerlei Hinsicht hob sich die Produktion von bisherigen Inszenierungen der emotionalen Geschichte ab: Leidenschaft, Abenteuer und vor allem schräger Humor wurden mit emo­tionalen Musical-Melodien verbunden, in die Deborah Sasson und Jochen Sautter immer wieder überraschende Opernzitate einbauten.

Andere Opern interpretiert

So interpretierte Sasson in kraftvoller, facettenreicher Sopranstimme neben gefühlvollen Liedern aus der eigenen Feder auch „Habanera“ aus „Carmen“ oder „Libiamo“ aus „La Traviata“. Johann Strauß’ Tritsch-Tratsch-Polka wurde überraschend für den farbenfrohen Maskenball verwendet und auch Bachs „Toccata“ fand ihren Weg in die Inszenierung.

Neben mitreißendem Gesang von Axel Olzinger in der ­Rolle des Phantoms sowie Jochen Sautter in der Rolle des Raoul ließen humorvolle Anekdoten und schräge Dialoge zwischen den exzentrischen Operndirektoren viel Raum für Heiterkeit und erfrischend selbstironische Komik.

"Wir leben für den Applaus"

Für Abwechslungsreichtum sorgten auch interaktive Videoanimationen und moderne 3D-Grafiktechniken, die die Pariser Oper auf die Marburger Bühne brachten. Unterstützt durch liebevoll detaillierte Kulissen entführten Darsteller die Zuschauer mal in die düstere Welt der Pariser Katakomben, mal in den prunkvollen Saal des Opernhauses.

„Es war uns wichtig, das Publikum wirklich mit in die Pariser Oper zu nehmen“, erzählte Sasson. „Die Animationen basieren alle auf Fotografien der echten Pariser Oper. Die virtuelle Technik wirkt nicht nur beeindruckend, sondern ist für Tournee-Umzüge auch sehr praktisch, weil sie so flexibel einsetzbar ist.“ Auch Olzinger zeigte sich von der Inszenierung begeistert: „Es klingt vielleicht banal, aber wir leben für den Applaus. Jedes Publikum hat eine perfekte Vorstellung verdient und das motiviert uns für jede neue Aufführung.“ Ebendieser Applaus ließ nach dem Finale des Musicals nicht lange auf sich warten und so verabschiedete sich das Ensemble zu langanhaltenden stehenden Ovationen.

von Julia Mädrich