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Das Objekt zwischen Mensch und Welt

Philipps-Universität Marburg Das Objekt zwischen Mensch und Welt

Spätestens seit Donnerstag vergangener Woche stehen die Medienwissenschaften in Marburg vor einem einschneidenden Generationswechsel.

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Professor Karl Prümm (vorn rechts, neben Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel) wurde am Donnerstag in der Aula der Alten Universität in den Ruhestand verabschiedet.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. War vor einem Jahr bereits Professor Heinz B. Heller in den akademischen Ruhestand gegangen, folgte ihm jetzt sein langjähriger Kollege Professor Karl Prümm nach: Vor mehreren hundert Gästen nahm Prümm in der Aula der Alten Universität seinen Abschied von der Hochschularbeit.

Bevor Prümm selbst zum Thema „Die Kamera im Bild – Inszenierungen der kinematographischen Aufnahmeapparatur im Film“ seine letzte Vorlesung hielt, würdigte zunächst Professor Joachim Herrgen, Dekan des Fachbereichs Germanistik und Kunstwissenschaften, das Wirken des scheidenden Hochschullehrers.

Herrgen rief seinen Zuhörern in Erinnerung, dass Prümm 32 Semester lang die Entwicklung der Medienwissenschaften entscheidend geprägt habe und neue innovative Studiengänge mitentwickelt habe, für die aufgrund ihrer Attraktivität schnell Zulassungsbeschränkungen erlassen werden mussten. Auch Prümms Arbeit als Forscher ließ der Dekan nicht unerwähnt und sprach in diesem Zusammenhang insbesondere von der Auseinandersetzung mit der ästhetisch-historischen Dimension des Wechsels von der Literatur zum Film.

Der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Medienwissenschaft, Professor Andreas Dörner, charakterisierte den Emeritus als Menschen, der „keinen Häuserkampf im universitären Handgemenge gescheut“ habe. Daneben attestierte Dörner Prümm einen „präzisen analytischen Blick und eine hohe ästhetische Sensibilität.“

Gleich zu Anfang seiner Abschiedsvorlesung verwahrte sich Prümm gegen den Verdacht, aufgrund des von ihm gewählten Themas „sein Steckenpferd totreiten und weinend nach Hause gehen“ zu wollen.

Vielmehr ging und geht es Prümm darum, das „Medium Film von der Kamera her zu denken“. Welche Folgen es hat, wenn die Kamera als Objekt zwischen den Menschen und die Welt tritt, analysierte Prümm und warf dabei die Frage auf, ob das Filmbild ein Spiegel der Realität oder ein Fenster zu einer anderen Realität sei. Betrachter der ersten, frühen Filme der Lumiere-Ära hätten, so Prümm zum einen die Präzision des Bewegtbildes bestaunt, zum anderen aber auch beim Zusehen Dinge wahrgenommen, die ihrer Aufmerksamkeit beim realen Sehen entgangen waren. Als „Entdeckung des Besonderen im Beiläufigen“ bezeichnete Prümm dieses Phänomen.

Wie wichtig das Zusammenspiel zwischen dem Blick der Kamera, dem Blick des Kameramanns und jenem des Regisseurs für die Wirkung eines Films sein kann, verdeutlichte Prümm unter anderem anhand der Eingangssequenz von Christian Petzolds Film „Die innere Sicherheit“.

Mit seinen Gästen, unter denen sich unter anderem der aktuelle Träger des Marburger Kamerapreises, Jost Vacano, befand, feierte Prümm im Anschluss an die Vorlesung im Kreuzgang der Alten Universität, bevor sich am Freitag das Kolloquium „Vexierbilder – Zur Ambivalenz der Moderne im Weimarer Kino“ an Prümms akademischen Abschied anschloss. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte der Medienwissenschaftler, dass das Verfahren für die Berufung seines Nachfolgers auf einem guten, fortgeschrittenen Weg sei – fest steht der Nachfolger indes noch nicht. Was dagegen fest steht, ist Prümms weitere Tätigkeit für den Kamerapreis. Und das eine oder andere Mal dürfte man den umtriebigen Wissenschaftler wohl auch künftig noch im Institut antreffen, denn jemand wie Karl Prümm nimmt die Einladung eines Kollegen wie Joachim Herrgen wörtlich, der sagte: Emeriti haben nicht mehr die Pflicht, aber durchaus das Recht, weiter zu forschen!“

von Carsten Beckmann

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