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Marburg Das Neue entdecken im Altbekannten
Marburg Das Neue entdecken im Altbekannten
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17:41 01.01.2014
Mit vollem Körpereinsatz und sichtbarer Spielfreude überzeugten Saxofonist Mulo Francel und seine Mitspieler David Gazarov, Sven Faller und Robert Kainar. Quelle: Michael Arndt
Biedenkopf

Weltklasse-Saxofonist Mulo Francel hat bei den Eckelshausener Musiktagen eine große Fan-Gemeinde. Bereits dreimal war er mit „Quadro Nuevo“ im Hinterland zu Gast. Und sorgte jedes Mal für ausverkaufte Säle. Doch am Montag begleiteten ihn nicht Andreas Hinterseher, Evelyn Huber und Didi Lowka nach Biedenkopf, sondern drei andere Freunde. Mit ihnen musiziert Francel seit zwei Jahren die von ihm komponierte Musik im klassischen Jazz-Stil der 50er und 60er Jahre. Und natürlich gibt es das Ganze unter dem Titel „Escape“ auch auf CD.

Auszüge daraus spielte das Quartett am Montag vor 200 Zuhörern im Biedenkopfer Rathaussaal, die sich zwei Stunden lang begeistern ließen, nicht nur von Francels lust- und fantasievollem Spiel, sondern auch von der varianten- und überraschungsreichen Improvisationskunst des Pianisten David Gazarov, des Bassisten Sven Faller und des Drummers Robert Kainar.

Für Francel and Friends bedeutet „Escape“ nicht „Flucht“, sondern „Ausbruch“ - ein Ausbruch „aus der Komfortzone urbaner Konsum- und Vergnügungsangebote“, wie es der Schöpfer des Programms beschreibt. Das Neue entdecken im Altbekannten - es gelingt den Vieren in jedem Stück, das seine Wurzeln hat in lateinamerikanischen Rhythmen, aber auch in den Melodien Italiens oder des Orients. Und manchmal sogar mit impressionistischen Farben malt - wie in dem Blues, der dem Programm den Titel gegeben hat.

Die ausgelassene Fröhlichkeit des Quartetts steckt an, reißt das Publikum immer wieder zu spontanem Beifall hin: Lohn für die staunenswerte Virtuosität, mit der Francel Saxofon und Bassklarinette singen und swingen lässt, Gazarov und Faller ihre Finger über Tasten und Saiten fliegen lassen und Kainar sein Schlagzeug-Feuerwerk abbrennt. Alle Vier lieben aber auch die zarten, oft sehnsuchtsvoll-melancholisch gefärbten Nuancen. Und da halten die Zuhörer dann den Atem an, trauen sich kaum zu applaudieren.

Ein Stück fällt aus dem Rahmen. Es stammt nicht von Francel. Und es ist ein Solo des Pianisten. Gazarov spielt Oscar Petersons Gospel-Klassiker „Hymn to Freedom“ - mit einer glühenden Inbrunst und pianistischem Bravour, für die es nur ein Prädikat geben kann: kongenial.

von Michael Arndt

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