Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Das Genie beim Häuten der Barbe
Marburg Das Genie beim Häuten der Barbe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:48 16.10.2013
Die Ausstellung „Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell“ in Darmstadt spürt allen Facetten des Universalgenies Georg Büchner nach. Fotos: dpa Quelle: Daniel Reinhardt
Darmstadt

Was hat diese Szene in der Hessischen Landesausstellung „Georg Büchner. Revolutionär mit Feder und Skalpell“ zu suchen? Die Schau markiert den Höhepunkt des Büchnerjahres. Sie zeigt den am 17. Oktober vor 200 Jahren Geborenen nicht nur als Verfasser der politischen Flugschrift „Der Hessische Landbote“ und als Protagonisten der Vormärz-Bewegung sowie als Autor von bis heute brisanten Dramen wie „Dantons Tod“ und „Woyzeck“, sondern auch als Wissenschaftler. Seine Doktorarbeit verfasste Büchner über das Nervensystem der Barbe, er war stets umgeben von Tierpräparaten und Fischleichen. Damit diese nicht so schnell vergammelten, heizte er nicht und fror ständig. Nach seinem Tod fand man in seinem winzigen Kämmerlein das Sezierbesteck auf dem Schreibtisch liegen. Das Sterbezimmer ist für die Darmstädter Ausstellung nachgebaut worden.

Büchner wurde nur 23 Jahre alt, doch sein Erbe ist gewaltig: Wie auch Goethe war Büchner ein Universaltalent, das in Literatur, Philosophie, Geistesgeschichte, Naturwissenschaften und Politik gleichermaßen bewandert war und seinerseits Spuren hinterließ. Diesen spürt die Darmstädter Ausstellung auf 700 Quadratmetern mit mehr als 400 Objekten und einem Etat von zwei Millionen Euro nach. In einer Halle des modernen „Darmstadtium“-Baus wurden dafür eigens mehrere Etagen hochgezogen.

Gang durch den dunklen „Lenztunnel“

Für die Darmstädter Kindheit steht eine Krakelseite von Büchners letztem Schultag, auch Genies malen offenbar vor Langeweile Zahlen aus. Dokumente der Zeitgeschichte von der Leipziger Völkerschlacht bis zur französischen Revolution flankieren Manuskripte und Briefe. Eine originale Guillotine lässt die Besucher erschaudern.

Dem Kurator Ralf Keil gelingt es, die Gefühlswelt von Büchners Welt und Werk zu vermitteln. Der „Lenztunnel“ führt zum Beispiel durch einen dunklen Gang, an dessen Ende das hypnotisierende Bild eines Augenpaares eine Vorstellung von der Paranoia gibt, die Büchners Novellenprotagonisten beherrscht. Ein Erbsenberg erinnert an die einseitige Kost, die der Doktor seinem menschlichen Versuchsobjekt „Woyzeck“ verordnet. Einschlägige Zitate wie „Der freie Wille steht da vorne ganz offen“ aus dem Lustspiel „Leonce und Lena“ stehen exemplarisch für den Witz des Autors, und im „Erotischen Kabinett“ zeugen Spielkarten mit pikanten Zeichnungen in Kombination mit Büchner-Zitaten („Gute Nacht, Danton, die Schenkel der Demoiselle guillotinieren dich“) von der verruchten Seite des Schrift­stellers.

Ein besonderer Schatz ist eine Original-Locke des Autors, die den Kurator gar zur Gestaltung einer Zimmertapete inspiriert hat. Zu Büchners Zeiten war es üblich, Haarsträhnen als Zeichen der Zuneigung zu verschenken.

Die erst in diesem Jahr auf einem Gießener Dachboden aufgetauchte Bleistiftzeichnung Büchners von August Hoffmann wird in Darmstadt erstmals ausgestellt. Sie zeigt einen attraktiven Lockenkopf mit einem zarten Oberlippenbart, melancholischem Blick und Notenblatt in der Hand. Was hätte die Welt noch von ihm erwarten können?

Service: bis 16. Februar 2014; Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag von 10 bis 21 Uhr im Darmstadtium, Schlossgraben 1, Darmstadt.

von Nina May, dpa

Marburg Serie 50 Jahre Richtsberg - Die erste Zeit war "wirklich bitter"

Es ist das Jahr 1966, als viele Familien an den Richtsberg ziehen. Hier die Berichte zweier Familien, welche die Anfangszeit miterlebten.

28.09.2013

Ihre Heimkehr ist gleichzeitig Abschied. Maria Langstroff, Studentin aus Marburg und Bestseller-Autorin, kämpft um jeden einzelnen Lebenstag. Jetzt hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt: Sie ist für einen Tag nach Hause zurückgekehrt.

18.09.2013

Die 60er Jahre waren das Jahrzehnt des Mauerbaus, der großen Studentenproteste und der ersten Großen Koalition. Aber es war auch das Jahrzehnt, in dem landauf-landab sogenannte Trabantenstädte aus dem Boden gestampft wurden.

16.09.2013