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"Das Böse gehört zum Leben dazu"

John Burnside las im Marburger Rathaus "Das Böse gehört zum Leben dazu"

Locker, entspannt und unterhaltsam: John Burnside war am Mittwochabend zu Gast in Marburg

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John Burnside las im Marburger Rathaus.

Quelle: Achenbach

Marburg. Marburg. Das Vorurteil, dass Schotten geizig sind, hat John Burnside offenbar noch nicht gehört. Der vielfach international ausgezeichnete Autor aus Schottland geizte während der Lesung im Historischen Rathaussaal weder mit Worten noch mit Zeit für seine Fans. Er selbst las aus der englischen Fassung seines neuen Romans "In hellen Sommernächten", doch Zuhörer ohne Kenntnis der englischen Sprache brauchten sich keine Sorgen machen, denn Wolfgang Fenner steuerte zwei ausgewählte Stellen der deutschen Fassung bei.

"In hellen Sommernächten" ist ein düsterer Kriminalroman der am 5. März in Deutschland erschienen ist. Düster ist in diesem Roman nur die Thematik, wie Felicitas von Lovenberg während des anschließenden Gespräches mit Burnside bemerkte. Besonders die Schilderungen der Landschaft aus dem Blickwinkel der mittlerweile Ende 20-jährigen Erzählerin Liv malen das Bild der außergewöhnlichen Landschaft Norwegens mit einer solchen Intensität in die Vorstellung des Lesers, dass es nicht viel bedarf, um die Begeisterung des Autors für Norwegen zu erraten.

Die Idee für diesen Roman entstand vor mittlerweile 12 Jahren unter dem intensiven Eindruck der hell erleuchteten Nächte nahe des Polarkreises, als er gemeinsam mit der Familie einen ganzen Sommer in Norwegen verbrachte, sagte der 56-jährige Burnside.

Bis zur endgültigen Fassung dauerte es jedoch noch zehn Jahre, weil sich bei ihm nie das Gefühl eingestellt habe, dass "das Buch so richtig" sei. "So etwas war mir vorher noch nie passiert", berichtete Burnside lächelnd in einem Englisch mit schottischem Akzent. Ähnlich wie in seinen letzten beiden Romanen dreht sich die Handlung um das Thema des Verschwindens. Zwei junge Männer verschwinden gleich zu Beginn des Romans, den seine Protagonistin Liv rückblickend erzählt.

Es dauere eben seine Zeit, bis ihn ein gewisses Thema loslasse, erzählte der Autor. Manche Themen tauchten immer wieder auf, weil sie für ihn ganz persönlich einen großen Wert besäßen. Verschiedene Möglichkeiten der Wahrnehmung der Welt, "ways of seeing", habe nicht nur im Roman "In hellen Sommernächten" seine Schilderungen beeinflusst.

Nur weil er aber immer über düstere Themen schreibt, sei er noch lange kein düsterer Mensch, sagte der schottische Autor John Burnside einem Zuhörer nach der Lesung. Das Böse gehöre einfach zum Leben dazu.

von Sonja Achenbach

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