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Marburg Von der Kneipe auf die Bühne
Marburg Von der Kneipe auf die Bühne
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07:01 30.04.2018
Auf das Dart-Event freuen sich (von links) Harry Schmidt, Yvonne Schmidt, Yannic Altmaier, Carola Nendel, Sven Michel und Henrik Nendel. Quelle: Simone Schwalm
Marburg

Ein Fußballstadion­ ist nichts dagegen: Der ganze­ Saal grölt und singt rhythmische Schlachtgesänge. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, wenn der Kommentator, der Speaker, ins Mikrofon brüllt: „One hundred and eighty!“ Das heißt zwar nichts anderes als ein simples „180!“, aber der Ausruf zeigt die höchste Punktzahl an, die ein Spieler mit drei Pfeilen werfen kann. Die alljährliche Darts-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace – „Ally Pally“ –  ist nicht nur ein sportlicher Höhepunkt für Dart-Fans, sie ist vor allem auch Party von kreativ kostümierten feierfreudigen Zuschauern.

Im „Ally Pally“ war der Marburger Henrik Nendel zwar noch nicht, dafür aber beim PDC World Cup 2016 in Frankfurt, die Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation, eine von zwei Welt-Dartverbänden. Jeweils die zwei besten Spieler aus 32 Nationen vertraten als Teams ihr Land.

Unter ihnen waren auch Dartlegende Phil Taylor für England, inzwischen 16-facher Weltmeister, und Raymond van Barneveld für die Niederlande – die Dart-Größen, die am 6. Mai nach Marburg kommen. „Wenn die einlaufen, das geht einfach ab, das ist Party!“ Nendel bekommt leuchtende Augen, als er sich an den Auftritt der beiden erinnert.

"Bei uns stand immer der Spaß im Vordergrund"

Der 30-Jährige freut sich schon riesig auf das Dart-Event in der Georg-Gaßmann-Halle, für das er schnellstens Karten besorgt hat. „Das ist einfach toll, Taylor und Barneveld live zu sehen“, strahlt der Marburger. Yannic Altmaier teilt diese Bewunderung und Faszination. „Ich habe Phil Taylor einmal live in Düsseldorf bei einem professionellen Turnier gesehen. Als er reinkam, habe ich erst richtig gemerkt, was er für Dart eigentlich bedeutet.“ Der 25-Jährige ergänzt: „Taylor und Barneveld haben das Dartspielen professionalisiert und es raus aus der Kneipe auf die Bühne geholt.“

Auch Nendel und Altmaier­ sind begeisterte Dart-Spieler.­ Sie haben damit allerdings nicht in der Kneipe angefangen, sondern vor acht Jahren in einem Gemeinschaftskeller in der Leipziger Straße am Richtsberg. „Wir haben uns einmal pro Woche dort getroffen“, erinnert sich Harald „Harry“ Schmidt, der von Anfang an dabei war.

Ab 2008 fanden sich Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder in dem Keller ein, um gemeinsam E-Dart zu spielen, also Pfeilewerfen auf einen Automaten – im Gegensatz zum Steeldart, das Taylor und Barneveld so populär gemacht haben. „Beim Steeldart wird mit Pfeilen, die Stahlspitzen haben, auf eine Kork-Scheibe geworfen, beim E-Dart haben die Pfeile eine Soft-Spitze aus Kunststoff und man wirft auf eine elektronische Scheibe“, erklären die Dart-Freunde.

„Bei uns stand immer der Spaß, das Gesellige im Vordergrund, anfangs war das auch ein reiner Männerabend ohne sportliche Ambitionen“, sagt Schmidt. Dass sie sich für das gesellige Beisammensein Dart ausgesucht haben, liegt für den 51-Jährigen auf der Hand: „Es war platzmäßig einfach naheliegend.“

Als sie merkten, dass sie „gar nicht so schlecht spielen“, nahmen sie ein Jahr später an ihrem ersten Spiel in der C-Liga teil, das sie direkt gewannen.  Etwa 2010 gesellten sich unter anderem Nendel und Altmaier sowie Schmidts Töchter Yvonne und Carola sowie sein Neffe Sven Michel dazu. „Das Zusammenkommen an einem festen Termin war einfach toll – eine richtige Dart-Familie“, sagt Altmaier. Und auch der sportliche Ehrgeiz stieg.

„Das Üben macht’s. Wie man steht, den Pfeil hält oder wirft, das ist ganz individuell“, sagt Yvonne Schmidt. „Daher müssen auch die Pfeile ganz individuell sein.“ Die Dart-Freunde packen ihre Pfeile aus. Michel erklärt: „Die Pfeile sind unterteilt in Spitze, Barrel, Schaft und Flight.“ Die Spitze etwa könne unterschiedlich lang sein, das darauffolgende Stück, das Barrel, in Gewicht, Material, Form und Griffprofil variieren. Auch den Schaft gibt es in unterschiedlichen Längen, der Flight, das Ende des Pfeils, ist variabel in Form, Größe und Material. „Man sollte daher unbedingt in einem Fachgeschäft die verschiedenen Möglichkeiten testen – um herauszufinden, womit man am besten werfen kann.“

Heiratsantrag nach dem Spiel in „Aldi‘s Biergarten“

Die Dart-Freunde haben es herausgefunden – und stiegen zwischenzeitlich als „Berg Leipzig“ bis in die A-Liga auf, nahmen unter anderem an einer Deutschen Meisterschaft teil und hatten bis zu drei Mannschaften parallel.  „Wir hatten immer Spaß – egal, ob wir gewonnen oder verloren haben“, sagt Schmidts Tochter Carola, die inzwischen mit Nendel verheiratet ist. Sogar ihren Heiratsantrag hat sie nach einem Dart-Spiel in „Aldis Biergarten“ bekommen. „Es war einfach perfekt: Alle, die uns wichtig sind, waren da“, sagt der 30-Jährige. „Aldis Biergarten“ war während der aktiven Zeit der Dart-Freunde ihre Heimkneipe, und sie erinnern sich gern an die Zeit zurück.

Zwischenzeitlich wohnten die Schmidts, Nendel und Altmaier sogar gemeinsam in einem Haus – mit Dartautomaten im Wohnzimmer und im Keller. Ihr Markenzeichen: eine gelbe Gießkanne, aus der sie Apfelwein-Cola tranken und die sie auch zu allen Auswärtsspielen mitnahmen. Ihr Maskottchen: der Dart-Teufel. Aktuell pausieren sie als aktive Mannschaft. Aber wer weiß: Nachdem sie Taylor und Barneveld live in Marburg gesehen haben, packt vielleicht auch die Dart-Familie wieder das Wettbewerbs-Fieber. Und wie zur Bestätigung tönt dreimal ihr Schlachtruf durch den kleinen Raum im „Treffpunkt“, an dessen Stirnseite zwei Dart-Automaten hängen: „Wer sind wir?“ – „Berg Leipzig!“

Möglich gemacht hat das Dart-Event Albrecht „Aldi“ Ende, Inhaber von „Aldi‘s Stadl“ und Biergarten, über McDart-Chef Ralf „Radi“ Rademacher. Der Veranstalter des Events gibt eine Vorschau auf das Programm rund um den Auftritt von „The Power“ Taylor und des 5-fachen Dart-Weltmeisters Barneveld. „Um 11 Uhr ist bereits Einlass – die Zuschauer, die verkleidet sind, werden tischweise prämiert – es winken Brauereifahrten“

Stimmung wie im "Ally Pally"

Außerdem stehen den Besuchern E-Dart-Automaten zur Verfügung. „Sie können gerne auch ihre eigenen Pfeile mitbringen“, sagt Ende. Das könnte sich lohnen, denn ab etwa 12 Uhr startet ein Highscore-Wettbewerb, bei dem die Spieler einen Bühnenauftritt gewinnen können, während dem sie gegen den deutschen Dartspieler Tomas „Shorty“ Seyler antreten, Dart-Turnier-Kommentator beim Fernsehsender Sport1. Ebenfalls wird Uwe Bein, Fußball-Weltmeister von 1990, auf der Bühne darten.

Ihren ganz großen Auftritt haben 16 Spieler, wenn acht von ihnen gegen Taylor und acht gegen Barneveld antreten dürfen. „Das sind diejenigen, die bei den Dart-Turnieren in Aldis‘s Stadl, beim Sparkassen- und Begro-Turnier gewonnen haben und bei der Tombola gezogen wurden oder über Domino Friseur & Shop eine Wildcard ersteigert haben“, fasst Ende zusammen.
Musikalisch wird das Event durch ein Showprogramm von Willi Girmes gestaltet – „bekannt aus dem Mega-Park von Mallorca“, sagt Ende. Zudem werde es ein DJ-Programm geben. Ende ist sich sicher: „Die Besucher können sich freuen auf eine Megaparty­ mit Stimmung wie im „Ally Pally“ in England!“

von Simone Schwalm

Verlosung

Die OP verlost 1 x 2 VIP-Karten und 3 x 2 Eintrittskarten für das Dart-Event am 6. Mai.
Um zu gewinnen, beantworten Sie folgende Frage: Wie oft war Phil Taylor Weltmeister im Dart? Schicken Sie bis Mittwoch, 2. Mai, eine E-Mail mit der richtigen Lösung an marburg@op-marburg.de. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Ihre Karten werden an der Tageskasse hinterlegt. Um sie zu erhalten, müssen die Gewinner ihre Benachrichtigung mitbringen und sich ausweisen.