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Marburg Wenn die Katze an der Tür klingelt
Marburg Wenn die Katze an der Tür klingelt
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00:17 21.02.2019
Christina Jochum zeigt verschiedene Prototypen der Katzenklingel und hält eine selbst gestaltete „Produktverpackung“ in den Händen.  Quelle: Freya Altmüller
Marburg

„Mir ist aufgefallen, dass unsere Katze sich bei uns abgeschaut hat, wie wir die Tür öffnen“, sagt Christina Jochum. Denn das Tier springe gegen die Türklinke. Daher habe sie sich gefragt: „Lernen Katzen nur ­autodidaktisch oder kann man ihnen etwas beibringen?“ Ihre Idee: Katzen sollen lernen, eine Klingel zu betätigen, wenn sie ins Haus wollen. Katzenklappen sollen damit überflüssig werden.

Bereits zum zweiten Mal nimmt die 14-Jährige an „Schüler experimentieren“, dem Wettbewerb von „Jugend forscht“ für unter-15-Jährige teil. Im vergangenen Jahr wurde sie im Landeswettbewerb hochgestuft, durfte trotz ihres Alters in der Sparte „Jugend forscht“ teilnehmen und wurde in ihrem Fachbereich Dritte – als eine der jüngsten Teilnehmerinnen. Sie stellte damals eine Idee vor, wie Wohnraum bei Bedarf ganz einfach in Parkmöglichkeiten, Lager- oder Veranstaltungsräume verwandelt werden kann.

Für ihr neues Projekt, die ­Katzenklingel, entwickelte die Schülerin verschiedene Prototypen. Eine Druck-Klingel, gegen die die Katze ihren Kopf hätte drücken müssen, weckte nicht wirklich das Interesse des Haustiers. Als Nächstes probierte Christina einen Joystick aus. An dem rieb ihre Katze gerne ihren Kopf. Aber das Aussehen der Klingel gefiel der 14-Jährigen noch nicht. Daher baute­ sie eine Art Lichtschalter, der mit Schaumstoff bedeckt ist.

Als Prototyp wird ein Aufputzschalter verwendet

Nicht nur mit ihrer eigenen Katze, auch mit rund zehn Tieren im Tierheim übte Christina. Sobald sich ein Tier an dem Schalter rieb, öffnete sie die Tür und gab ihm ein Leckerli. „Katzen machen so etwas im Gegensatz zu Hunden nur, wenn sie einen Sinn darin sehen“, sagt die Schülerin.

In einen sogenannten Aufputzschalter (der auf dem Putz liegt statt in der Wand) baute sie die Platine einer Funkklingel ein. Die musste sie dafür kleiner schneiden und die Kabel neu verbinden. Der Schalter steckt in einer Halterung, die mit einem Schaumstoffsticker gegen Haustür oder Fenster geklebt ist.

Drückt sich die Katze dagegen, wird der Stromkreis geschlossen und eine Art Babyphone klingelt. Davon könnten bei Bedarf auch mehrere im Haus verteilt werden, sagt Christina. „Und wenn man nicht möchte, dass es nachts klingelt, kann man die Klingel abnehmen.“ Bei einem Umzug lasse sich der Schalter zudem rückstandslos entfernen.

Pull-out-Projekt: Begabtenförderung in der Mittelstufe

Katzenklappen sorgen für Wärmeverlust und Einbruchgefahr. Modelle mit Zutrittskontrolle über einen Mikrochip kosten meist um die 100 Euro. Die Katzenklingel hingegen könne sie für 25 Euro verkaufen, sagt die Schülerin.
„Wir versuchen, stärker anwendungsorientiert zu forschen“, sagt Dr. Stefan Purkl von der Elisabethschule, der unter anderem das Projekt ­betreut. Bei dem Wettbewerb hätten Schüler auch die Chance, mit Unternehmern in Kontakt zu kommen und ihre Erfindungen zur Marktreife zu entwickeln.

Eine Klingel gebe es bisher noch nicht auf dem Markt, sagt Christina, nur einen Sensor, der bei jeder Bewegung auslöse. Sechs Wochen hat die 14-Jährige an der Klingel gearbeitet, ebenso wie ihre Mitschüler an der Elisabethschule. „Das läuft bei uns über unser Pull-out-Projekt zur Begabtenförderung in der Mittelstufe“, sagt Lehrerin Astrid Höhle.

In der Zeit würden besonders begabte Schüler nicht am Unterricht teilnehmen, sondern an ihren Projekten arbeiten. Damit würden sie dann je nach Fachrichtung an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen. Von der Elisabethschule werden beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ noch fünf weitere Arbeiten präsentiert.

Das Landschulheim Steinmühle ist ebenfalls mit sechs Arbeiten vertreten, die Zahnklinik der Philipps-Universität mit vier. Denn auch Studierende im ersten Semester können teilnehmen. Nicht alle präsentieren heute­ in Klein-Linden, einige sind dem Regionalwettbewerb „Hessen Nord“ in Niestetal bei Kassel am 23. Februar zugeteilt.

von Freya Altmüller