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Marburg Chorgesang weckt Glücksgefühle
Marburg Chorgesang weckt Glücksgefühle
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21:13 15.02.2012
Die Marburger Vokalisten mit Uwe Henkhaus (rechts) in Doppelfunktion als Sänger und Dirigent. Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Hinzu kamen der Chor der Absolventen und jetzigen Kursteilnehmer sowie der Chor aller Mitwirkenden, die das Konzert umrahmten.

Axel Pfeifer, selbst Absolvent der Marburger Chorleiterschule und seit 2006 deren Leiter, ging in seiner Begrüßung kurz auf die Geschichte der Schule ein. Sie wird vom Hessischen Sängerbund und dem Land Hessen getragen und hatte bisher fast 500 Absolventen.

Den Auftakt machte der Chor Sing a Song Staufenberg unter Hermann Wilhelmi, der drei Chöre leitet sowie als Klavier- und Orgelbegleiter auftritt. Der Chor gewann 2010 einen ersten Preis beim Chorwettbewerb Musica sacra in Bernbach.

30 Sängerinnen und Sänger wechselten gekonnt von der Einstimmigkeit zur Mehrstimmigkeit. Der Chor sang präzise in fugischen Passagen, fühlte sich bei rhythmischen Raffinessen und dynamischen Steigerungen hörbar wohl. Rheinbergers „Abendlied“, beim Bernbacher Wettbewerb prämiert, war am Sonntag der erste Glanzpunkt ohne Schwächen: Der Chor bestach durch ein herrlich-schwebendes Klangbild voller Klarheit in allen Stimmgruppen und bot beseelten Gesang mit feinen dynamischen Zwischenstufen.

Uwe Henkhaus gewann mit seinen Chören den Hessischen Chorwettbewerb, mehrfach den Hessischen Chorpreis und vertrat zweimal das Land Hessen beim Deutschen Chorwettbewerb in der Sparte Jazz. Er stellte kurz und prägnant die Werke vor, die er mit den Marburger Vokalisten, einem seiner sechs Chöre, aufführte. Die sechs Frauen und vier Männer sangen in perfekter Stimmenbalance, wobei punktuelle Ungenauigkeiten kaum auffielen.

Hohe Stimmen- und Gesangskultur gepaart mit Leichtigkeit und Transparenz erzeugten Glücksgefühle, die nur durch den zu schnellen und unsicheren Beginn in Bachs Motetten-Fuge „Alles was Odem hat“ gedämpft wurden. Mustergültig waren die Ausgewogenheit im Chorklang sowie pointierte Tempo- und Dynamikwechsel.

Auch Axel Pfeifer erläuterte die Werke. Er leitet zur Zeit sieben Chöre. Darunter Cantamus Gießen, mit dem er im September 2011 beim Hessischen Chorfestival in Oberursel einen ersten Preis in der Kategorie „Gemischter Chor A“ erzielte und einen Sonderpreis für zukunftsorientierte Chorarbeit erhielt.

Cantamus Gießen war am Sonntag der einzige Chor, der mit variabler Aufstellung für unterschiedliche Klangwirkungen sorgte und bei kleineren Werken auswendig sang. Beides sind Praktiken, die von den Chören viel zu selten genutzt werden.

Der Chor überzeugte mit schlichtem Gesang in stimmlicher Ausgewogenheit und feinen dynamischen Abstufungen, in denen kleine Schwächen in den Stimmen nicht nachhaltig störten. Es entwickelte sich ein austarierter Chorklang, hinzu kam eine hohe Sprachpräzision. Glanzpunkt war Whitacres „Sleep”: Ein Song mit sphärischen Klangelementen, die in einem entschwebenden Pianissimo gipfelten.

Zwischen den Chören präsentierten sich auf der Empore die Gesangslehrerin Fabiene Grüning mit ihrem hellem, klarem Sopran und der Leiter der Kasseler Chorleiterschule, Karl-Heinz Wenzel, dessen Tenor zu Geschmeidigkeit und Glanz fand. Mit Werken von Händel und Mendelssohn Bartholdy bewiesen sie sich als einfühlsame Solisten, die kongenial von Hermann Wilhelmi an der Orgel begleitet wurden.

von Helmut Rottmann