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Chor und Werk reißen Publikum mit

Kurhessische Kantorei Chor und Werk reißen Publikum mit

Der Andrang am Sonntag war so groß, dass das Konzert erst mit einer zehnminütigen Verzögerung beginnen konnte. Aber das Warten auf Händels Karmeliter Vesper sollte sich lohnen.

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Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum dirigiert die große Kurhessische Kantorei und das Main-Barockorchester aus Frankfurt bei Händels großer Karmeliter Vesper.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Kurhessische Kantorei Marburg unter der Leitung des Landeskirchenmusikdirektors Uwe Maibaum überzeugte mit großer Stimmkraft. Auch der Sopran verlor durch die Zweiteilung nicht an Kraft. Bei den versetzten Einsätzen der nicht nur für Laienchöre äußerst schwierigen Karmeliter Vesper war die fünfteilige Aufteilung des Chores sehr schön deutlich zu erkennen, wie etwa bei der Psalmvertonung „Dixit Dominus“, deren Aufzeichnung als das älteste überlieferte Handschrift Händels gilt. Engagiert und konzentriert sangen die Sänger und Sängerinnen und erfüllten die Lutherische Pfarr­kirche mit großartigem Klang.

Die Karmeliter-Vesper setzt sich zusammen aus verschiede­nen Werken, die Georg Friedrich Händel als 22-Jähriger 1707 während seiner Italien-Reise in Rom komponiert hat. Der römisch-katholische Karmeliter-Orden entstand um das Jahr 1150 in Israel als „Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel“. Teile der Vesper, die am Sonntag aufgeführt wurde, wurden zusammen in der berühmten römischen Kirche Santa Maria in Monte Santo zum Hochfest der Heiligen Mutter von Karmel aufgeführt. Die beiden Auftragswerke „Laudate Pueri“ und „Nisi Dominus“ wurden bei diesem Fest sogar uraufgeführt.

Auffällig war die an manchen Stellen veränderte Besetzung. So übernahm Bass-Sänger Ekke­hard Abele die Antiphone „Haec est Regina virginum“, die eigentlich für Sopran solo vorgesehen ist. Die Aufteilung der Strophen des „Salve Regina“, das sich die beiden Sopranistinnen Christine Wolff und Simone Schwank teilten, unterstrich die unterschiedlichen Affekte, die von ernst über lebhaft zu lieblich wechselten.

Der Spagat zwischen den Emotionen reicht von der sanften, liebevollen Ansprache an die Jungfrau Maria bis zur ausgesprochenen Kampfbereitschaft. Diese Emotionen prägen die Karmeliter-Vesper. Dies verdeutlichte sich besonders, als nach dem fantastisch gregorianisch gesungenen „Magnifikat - Lobgesang Mariens“ die kraftvolle Motette „Saeviat tellus“ folgte. Hier übernahmen die beiden Sopranistinnen die lebhaften, kräftigen Teile. Bei den ruhigeren Teilen intonierte Tenor Andreas Post mit viel Gefühl. Seine sonst sehr kräftige Stimme klang hier sehr angenehm und warm.

Unterstrichen wurden die wunderbaren gesanglichen Leistungen des Abends durch das tolle Spiel des Main-Barockorchesters aus Frankfurt, das sich auf Interpretation alter Musik mit Originalinstrumenten spezialisiert hat.

Durch die reduzierte Begleitung bei den Solo-Arien waren die Solisten wie die Altistin Bettina Ranch auch ohne Mikrophon gut zu verstehen. Allerdings stand im Programmheft nur die deutsche Übersetzung der Texte, wodurch es gerade zu Beginn des Konzertes etwas schwer war, dem Programm zu folgen.

Am Ende gab es stürmischen Applaus und Standing Ova­tions vom Publikum für ein mitreißendes Konzert. Eine Sammlung für die Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werkes erbrachte 1900 Euro.

von Mareike Bader

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