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Marburg Bye, bye, Bundesgartenschau
Marburg Bye, bye, Bundesgartenschau
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21:17 14.10.2018
Erst Mega-Gartenschau, dann zentrales Wohn- und Freizeitviertel: Mit einer möglichen Austragung der Bundesgartenschau 2029 waren viele Ideen verbunden. Zu einer Bewerbung kam es nie. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Die Entscheidung für ein Vorziehen der Bundesgartenschau (Buga) im Oberen Mittelrheintal von 2031 auf 2029 soll am kommenden Montag fallen. Dann wäre das Gebiet zwischen Rüdesheim und Koblenz Ersatzort für München, das zuvor schon den Zuschlag erhielt, dann aber absprang.

Sollte der Zweckverband des Welterbe-Gebiets – ein Zusammenschluss der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie der betroffenen Landkreise und Gemeinden – in der Versammlung nächste Woche für das Jahr 2029 stimmen, wäre Marburg wohl endgültig aus dem Rennen.

Dabei machte sich der Magistrat, unterstützt von Bürgerbeteiligungsveranstaltungen vor mehr als vier Jahren auf den Weg, die Buga nach Mittelhessen zu holen. Hintergründiges Ziel: Langfristig, über die Millioneninvestitionen im Zuge einer entsprechenden Großveranstaltung ein neues Innenstadtviertel zwischen Lahn und Ortenberg, rund um das Philfak-Gelände ein Wohn- und Freizeitgebiet entstehen zu lassen. Direkt damit verbunden war die Idee eines Stadtautobahn-Tunnels.

Jedoch ist bis heute nicht mal eine vor bereits drei Jahren vom Stadtparlament besch­lossene Buga-und-B3-Tunnel-­Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Grund dafür ist unter anderem eine Uneinigkeit zwischen Kommune und Bundes- und Landesministerien über eine mögliche Teilkostenüber­nahme der Millionenprojekte. Laut Landesverkehrsministerium sei Hessen Mobil im Hinblick auf eine etwaige Landesförderung mit einer Analyse beauftragt worden, ob eine Stadtautobahn-Einhausung als Lärm­sanierung möglich ist. Ergebnis: „Die Wirkung wäre zu gering“ – daher gebe es kein Geld vom Land.

B3-Tunnel laut Magistrat weiter „sinnvolles Ziel“

„Die Idee, die Buga nach Marburg zu holen, war mit dem Ziel verknüpft, durch eine Untertunnelung oder Einhausung mehr Grünflächen und mehr Lebensqualität für die Menschen in die Stadtmitte zu holen“, hieß es zuletzt von der Stadtverwaltung auf OP-Anfrage. Über eine Bundesgartenschau ohne dieses Element müsse parlamentarisch neu beraten werden.

Die lokalen Agendagruppen kritisierten die Stadtspitze für Versäumnisse – auch was die Anmeldung eines B3-Tunnels im Bundesverkehrswegeplan 2030 angeht – und zweifelten am tatsächlichen Umsetzungsinteresse der Stadt. Der Magistrat wies die Kritik zurück, das Thema B3-Tunnel sei ein „langfristig für die Stadtentwicklung sinnvolles Ziel“ und die Kommune werde dieses „wieder aufrufen, sobald die Flächen des Philfak-Geländes zur Umnutzung anstehen“.

Ein Zeitpunkt, der aber nach den Aussagen von Philipps-Universitäts-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne, der angekündigten langfristigen Weiternutzung der Flächen, unklarer denn je ist.

Die nächsten Buga-Austragungsorte sind Heilbronn im nächsten Jahr, Erfurt im Jahr 2021, Mannhein im Jahr 2023 und zwei Jahre später Rostock.
Die darauf folgende Mittelrheintal-Buga soll sich laut der Pläne auf den von vielen Burgen flankierten 67 Kilometern zwischen Koblenz im Norden und Bingen sowie Rüdesheim im Süden entlang des Rheintals erstrecken.

von Björn Wisker