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Marburg Busse halten nicht immer „barrierefrei“
Marburg Busse halten nicht immer „barrierefrei“
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08:00 12.02.2019
Wenn Busse wie hier an der barrierefreien Haltestelle „Radestraße“ nicht an der dafür vorgesehenen Stelle halten, ist ein barrierefreies Ein- und Aussteigen nicht möglich.  Quelle: Freya Altmüller
Marburg

Die Buslinie 1 Richtung Wehrda ist die erste, die an diesem Freitagnachmittag an der Haltestelle „Bachweg“ nach der sechsten Schulstunde stoppt. Während ein großer Schwung Schüler einsteigt, vergeht mehr als eine Minute. Rund 130 Meter, bis zur Einfahrt zum Parkplatz am Georg-Gaßmann-Stadion stehen die Autos hinter dem Bus Schlange.

Es ist der einzige kleine Stau, den die OP an diesem Tag beobachtet. Normalerweise haben viele Schüler freitags nach der sechsten Stunde Schluss, sagen mehrere Interviewpartner im Gespräch. Diesmal sei es aber nicht so voll, erklärt eine Schülerin, die an der Bushaltestelle „Radestraße“ in der Schwanallee wartet. Normalerweise sei freitags so viel los, dass der Platz an der Haltestelle schon sehr knapp werde, sagt die 10-Jährige.

Morgens öfter Stau

In der Schwanallee gibt es noch Busbuchten, in der Leopold-Lucas-Straße hingegen wurden die Haltestellen auf die Straße verlegt, weil sie nur so barrierefrei ausgebaut werden konnten. „Ich glaube, die Autofahrer stört das, weil sie warten müssen, aber für uns ist es schon wirklich leichter hier“, sagt der 12-jährige Johann. Endlich sei auf dem Bussteig genug Platz für alle wartenden Fahrgäste. Auch eine Handvoll anderer Kinder sind im OP-Gespräch dieser Meinung.

Einige Schüler berichten, dass sie aufgrund der Busse Stau beobachten würden. So zum Beispiel Lena Bardare. „Morgens und nach der sechsten Stunde ist schon öfters Stau“, so die 15-Jährige.

Auch eine Schülerin der Elisabethschule kann das bestätigen. Sie hat dem Elternbeiratsvorsitzenden Ralf Schneider Rückmeldung gegeben, bei dem die OP nachfragte. Die Situation habe sich verschlechtert, so die Schülerin. Eine andere hingegen sagt, ihr sei keine wesentliche Verkehrsbehinderung aufgefallen. Eine weitere Stimme aus dem Elternbeirat sagt: „Stau ist zu bestimmten Zeiten immer, ich kann nicht beurteilen, ob das mehr geworden ist.“ Daniel von Stackelberg, Schulelternsprecher des Gymnasiums Philippinum teilt auf OP-Nachfrage mit: „Bisher sind bei uns vom Schulelternbeirat keinerlei Beschwerden oder positive Meldungen über die neu gestaltete Bushaltestelle eingegangen.“ Auch Diana Pukys, Elternbeiratsvorsitzende der Kaufmännischen Schulen, konnte dazu nichts sagen.

Anfahrt nicht dicht genug

Die Eindrücke sind also verschieden. Das größere Problem mit den barrierefreien Haltestellen (die OP berichtete) scheint aber ein anderes zu sein. Nicht immer werden die Haltestellen so angefahren, dass sie tatsächlich auch barrierefrei sind. Denn beim Ein- und Aussteigen darf die zu überwindende Lücke maximal fünf Zentimeter betragen.

Der 12-jährige Johann erzählt, dass die Busse manchmal gar nicht an der Haltestelle stehen würden – sondern einige Meter davon entfernt. Wenn an der Haltestelle bereits ein Bus stehe und dahinter einige Autos warteten, öffne der Fahrer im hinteren Bus schlichtweg die Türen und warte, dass die Fahrgäste zu ihm kommen. Auch die OP beobachtet an diesem Freitagnachmittag immer wieder, wie Busse nicht nahe genug an den Bordstein heranfahren.
An der „Radestraße“ folgen die Busse kurz aufeinander. Mit mehreren Bussen in der Bucht kann nicht jeder dort halten, wo es eigentlich vorgesehen ist. Und so stehen immer wieder Busse an abgesenkten Bordsteinen vor Einfahrten, sodass es große Lücken zu überwinden gilt.

von Freya Altmüller