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Bursch: "Die Rechte der Männer gehen unter"

Gleichberechtigung Bursch: "Die Rechte der Männer gehen unter"

Dr. Peter Bursch beklagt, dass es im Aquamar keine Männer-Saunatage gibt, und ist der Ansicht, dass sein Geschlecht in vielen Bereichen benachteiligt ist. Eine Geschichte zur Gender-Realität.

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Der Marburger Dr. Peter Bursch wünscht sich im Sport- und Freizeitbad Aquamar einen „Männertag“ in der Sauna. Er ist davon überzeugt, dass er nicht der einzige Saunagänger mit diesem Wunsch ist.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern beschäftigt Dr. Peter Bursch schon sehr lange. Der ehemalige Unternehmer ist der Ansicht, dass Männer in vielen Bereichen weniger gleichberechtigt sind. Er findet: „Die Gender-Diskussion ist sehr einseitig.“ Für ihn gehen die Rechte der Männer unter.

Seine Einschätzung macht der verheiratete Familienvater im Gespräch mit der OP an verschiedenen Alltagsbeispielen deutlich, die ihn im Laufe seiner 59 Lebensjahre beschäftigten. Der Artikel über gendergerechte Sprache in dieser Zeitung habe dann einfach das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht.

Dr. Peter Bursch im OP-Gespräch. Foto: Weigel

Dr. Peter Bursch im OP-Gespräch.

Quelle: Nadine Weigel

Als Reaktion auf den Artikel hat Bursch einen Leserbrief verfasst. „Männer und Frauen sind nicht gleich; und in Marburg auch nicht -berechtigt“, lautet darin seine These. Als Beispiel nennt er die Saunaabteilung im Sport- und Freizeitbad Aquamar, „eine öffentliche Stelle, bei der die Gleichberechtigung ­irgendwie nicht funktioniert“.

Er begründet das damit, dass es zwar getrennte Frauen- und Männerumkleiden gäbe, jedoch lediglich einen „Frauentag“ sowie gemischte Sauna, aber keinen „Männertag“. Für Bursch wäre dies wichtig, denn: „Wenn ich alleine als Mann in die gemischte Sauna gehe, mache ich mich angreifbar: Habe ich eine Frau angeschaut und fühlt sich diese belästigt? Habe ich mich ungeschickt bewegt und eine­ Frau berührt – und das wird dann als „Angriff“ gewertet? Ich will das alles nicht und daher wäre auch ein Männertag angesagt.“

Stadt: Stellungnahme derzeit nicht möglich

Mit diesem Anliegen hat sich Bursch bereits im Dezember 2013 bis Ende 2017 wiederholt schriftlich an die Stadt gewandt. Rolf Klinge, Fachdienstleiter der städtischen Bäder, bestätigte auf OP-Anfrage, dass es bezüglich des Themas Männersauna bereits wiederholt Schriftverkehr mit Bursch gegeben hat. Eine weitere Stellungnahme sei zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht möglich.  

Bursch überlegte zwischenzeitlich, wie er beweisen solle, dass sich noch mehr Saunagänger einen „Männertag“ wünschen. Der 59-Jährige dachte darüber nach, eine Umfrage beziehungsweise Unterschriftenaktion zu starten. Ob er dies tatsächlich in Angriff nehmen soll, darüber hat er noch nicht entschieden.

Nach der Veröffentlichung seines Leserbriefes jedenfalls habe er Zustimmung von einigen Lesern bekommen – und zwar überwiegend von Frauen. Auch seine Ehefrau verstehe seine Befürchtungen. Daher geht Bursch bevorzugt mit ihr gemeinsam in die gemischte Sauna, denn dann bestehe weniger die Gefahr, eines sexuellen Übergriffs beschuldigt zu werden.

"Die Zuvorkommenheit ist tot"

Dies sei ihm zwar noch nicht passiert, aber es gäbe andere Situationen, in denen er sich einem ständigen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt fühle. Etwa als er mit seinen Töchtern im Kindesalter mal in die Schwimmbad-Umkleide ging, um ihnen zu helfen. Da wurde er zum Beispiel als „Spanner“ beschimpft. Oder in seiner Position als Unternehmer: Für Gespräche mit Mitarbeiterinnen habe er immer eine zweite Frau mit in den Raum geholt. Das Problem fängt für ihn aber bereits bei simplen Handlungen an, beispielsweise­ beim Türaufhalten: Nicht nur einmal habe er von Frauen den Spruch gehört: „Ich kann die Tür auch selbst aufmachen.“

Laut Dr. Peter Bursch möchte­ er dies keiner Frau abstreiten, für ihn sind solche Gesten wie in den Mantel helfen oder die Tür aufhalten „einfach höfliche, freundliche Umgangsformen“, aber: „Die Zuvorkommenheit ist tot.“ Wenn schon nicht sein Anliegen nach einem Männertag in der Sauna erfüllt werden könnte, wäre es zumindest sein Wunsch, dass zuvorkommende Umgangsformen nicht sexistisch aufgefasst werden.

von Simone Schwalm

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