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Burgherr wird zum Bestsellerautor

Gerhard Wagner erklärt Redewendungen Burgherr wird zum Bestsellerautor

2001 hat Gerhard Wagner, den die Marburger nur als Gerd kennen, die Unistadt und „sein“ KFZ verlassen, um Burgherr zu werden. Heute ist er auch noch Bestsellerautor.

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Gerhard Wagner mit seinen drei Bestsellern.Foto: Uwe Badouin

Marburg. Gerhard Wagner residiert seit elf Jahren hoch oben über dem Rhein auf der berühmten Marksburg, der einzig erhaltenen mittelalterlichen Höhenburg am Rhein. Als Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung ist er dort automatisch Burgherr. Das wird von ihm erwartet.

Anders als viele andere Männer in seinem Alter - er geht auf die 60 zu - hat er nicht zugenommen. Im Gegenteil: Er ist sogar muskulöser geworden in dieser Zeit. Kein Wunder: Jede Kiste, jeden Einkauf muss er über viele Treppen hinauf schleppen in die Marksburg. Ein Burgherr hat es auch im 21. Jahrhundert nicht ganz so bequem.

Neben seinem Beruf - Wagner organisiert die 1899 gegründete Deutsche Burgenvereinigung - hat er Zeit gefunden, zu schreiben: 2010 erschien sein erstes Buch „Schwein gehabt“ mit Redewendungen aus dem Mittelalter. Bei Führungen durch die Marksburg werden immer Redewendungen wie „Jemandem die Leviten lesen“, „Auf den Leim gehen“ oder „Holzauge, sei wachsam“ verwendet. „Immer wieder haben Besucher nach einem Buch gefragt, in dem sie diese alten, bekannten Redewendungen nachlesen könnten“, sagt Wagner. Es gab keins. Also hat er sich hingesetzt und „Schwein gehabt“ geschrieben. Nomen est omen: Zwei Jahre später hat er gut 100000 Exemplare verkauft. Das Buch geht weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Und weil es so erfolgreich war und bis heute ist, wollte der Regionalia-Verlag mehr.

Es folgte 2011 „Wer‘s glaubt wird selig“. Auch die Redewendungen aus der Bibel erwiesen sich als Renner: Mehr als 20000 Exemplare wurden bisher verkauft. Wagner muss also nicht „in Sack und Asche gehen“ oder „sich Asche aufs Haupt streuen“.

Seit Kurzem auf dem Markt ist der dritte Streich: Redewendungen aus der Antike: Ob die auch ein Renner werden, „das wissen die Götter!“, so der Titel. Aber man muss nicht groß „orakeln“, dass sich die Sisyphusarbeit auch diesmal wieder gelohnt hat. Denn die Bücher zum Schnäppchenpreis von 4,95 Euro sind zugleich unterhaltende und bildende Schnäppchen.

Jeder kennt diese alten Redewendungen, gebraucht sie bisweilen im Alltag. Doch woher kommen sie, welchen Hintergrund haben sie. Wagner hat sie alle recherchiert - von „Abblitzen lassen“ bis auf „keinen grünen Zweig kommen“ (Mittelalter), von „In Abrahamns Schoß“ bis „In den letzten Zügen liegen“ (Bibel), von „eine Achillesferse haben“ bis „Das ist der Zankapfel“ (Antike).

Ob Gerhard Wagner, der in Marburg Germanistik und Geschichte studierte und das KFZ mitgründete, noch ein viertes Buch schreiben wird, lässt er offen. Derzeit wohl eher nicht, denn über den Beruf und das Schreiben sei seine Familie etwas kurz gekommen, sagte er.

Gerhard Wagner: „Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters“, „Wer‘s glaubt, wird selig! Redewendungen aus der Bibel“, „Das wissen die Götter! Redewendungen aus der Antike“, Regionalia-Verlag, je 4,95 Euro.

von Uwe Badouin

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