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Landestheater wird revolutionär

„50 Jahre 68“ Landestheater wird revolutionär

Ab dem 24. Februar ­erinnert das Hessische Landestheater im Erwin-Piscator-Haus an die 68er. In Szene gesetzt wird die 
Revue von den „Revolu­tionsbeauftragten“ um ­Intendant Matthias Faltz.

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Hoch die Fäuste: Bei der Konzeptionsprobe stimmte Intendant Matthias Faltz die Darsteller und den „Revolutionschor“ auf die Revue „50 Jahre 68“ ein.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Die letzte Spielzeit des Intendanten Matthias Faltz am Hessischen Landestheater neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Noch aber warten einige Knaller auf das Theaterpublikum. Einer davon soll „50 Jahre 68“ werden.

Am Donnerstag präsentierte er den Darstellern und den vielen Mitarbeitern hinter den Kulissen die Ideen, die sich der künstlerische Stab für die Großproduktion – übrigens eine Uraufführung – hat einfallen lassen. „So eine große Konzeptionsprobe hatten wir noch nie“, sagt Faltz. 68 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Marburger Chören, Musiker und Schauspieler sollen an stürmische Zeiten erinnern, die die Gesellschaft verändert haben.

Chefdramaturg Franz Burkhard hat monatelang recherchiert und Material für die Revue zusammengetragen. „Wir wollten eigentlich von Marburg ausgehen, haben aber festgestellt: Marburg war gar nicht so wichtig“, erläutert Faltz. Berlin und Frankfurt waren Zentren der studentischen Bewegung. Und doch begann auch im beschaulichen Marburg, in dem damals 9000 Studierende gemeldet waren, der Widerstand gegen die Notstandsgesetze und unter dem Schlachtruf „Unter den Talaren, der Muff aus 1000 Jahren“ gegen den Bildungsnotstand.

Collage mit Musik, Kultur und Mode

Burkhard ist auf den „Club Voltaire“ gestoßen, das verrauchte Zentrum der SDS und hat Infos über „die legendäre Schlacht auf den Lahnbergen“ zusammengetragen, wo Studenten die Unieinrichtungen besetzten. Und natürlich ist der berühmte Politologe Wolfgang Abendroth zu nennen, der mit seinem Charisma Marburger Studenten faszinierte. Ansprechpartner für Burkhard waren auch Georg Fülberth, Frank Deppe und Wolfgang Hecker.

Der Fokus der Revue ist aber keineswegs nur auf Marburg oder Deutschland, sondern auf die ganze Welt gerichtet. Beleuchtet werden soll in Form einer bunten Collage nicht nur die Studentenbewegung, sondern auch Musik, Kultur und Mode.

Was passierte 1968? Ein kleiner, keineswegs vollständiger Überblick: Im April wird in den USA der Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet, vor allem in den USA aber bald auch in Europa demonstrieren Studenten gegen den Vietnamkrieg. Es ist der erste Krieg, dessen­ ­Gräuel im zunehmend verbreiteten Fernsehen übertragen werden. In Deutschland wird Rudi Dutschke angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Stück mit viel Musik von Heintje bis Jimi Hendrix

Gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR, die den Prager Frühling beenden, kommt es weltweit zu Protesten, in Paris errichten Studenten im Mai Barrikaden.

Es riecht nach Veränderung. Zeigen die Bilder früherer Demonstrationen die Studenten noch im Anzug mit Hemd und Krawatte, haben sie „zwei Jahre später alle lange Haare und Vollbart“, erklärt Burkhard.

Die Kommune 1 mit Uschi Obermeier, sexuelle Revolution, Hippies und ihre Mode, der Mini-Rock sind weitere Schlaglichter dieser Zeit. Studenten hören Jimi Hendrix, die Doors, die Beatles oder Bob Dylan, große Teile der Bevölkerung singen Heintjes „Mama“ oder „Heidschi Bumbeidschi“, Peter Alexanders „Der letzte Walzer“ oder Roy Blacks „Bleib bei mir“ mit.

Faltz will es witzig, frech und unterhaltsam

All das will Faltz mit seinem Team unter einen Hut bringen. Die musikalische Leitung hat Michael Lohmann, der mit einer kleinen Band und dem großen „Revolutionschor“ 13 Songs einstudieren wird, von Buffalo Springfield über Degenhardts „Im Jahr der Schweine“ bis zum „Ton Steine Scherben“-Abgesang „Der Traum ist aus“. Auch die „Internationale“ oder „We shall overcome“ nicht fehlen.

Für die Kostüme und die Bühne zeichnen einmal mehr Anni Lenk und Harm Naijer verantwortlich. Mit den beiden Kreativen arbeitet Faltz regelmäßig zusammen. Auf der Bühne stehen Lisa-Marie Gerld, Franziska Knetsch, Artur Molin, Stefan Piskorz, die Marburger Schauspiellegende Thomas Steibig und Julian Trostorf.

Für Intendant Matthias Faltz ist die Revue die vorletzte Regie am Hessischen Landestheater. Nur fünf Wochen bleiben ihm und seinem Team, um das Stück einzustudieren, das witzig, frech, unterhaltsam und mit ganz viel Musik die bewegte Zeit um 1968 aufleben lassen soll.

  • Premiere ist am Samstag, 24. Februar, um 19.30 Uhr im Erwin-Piscator-Haus. Weitere Aufführungen sind am 2., 23. und 24. März sowie am 19. und 20. April.

von Uwe Badouin

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