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Marburg BI stellt Bedingungen für Baugebiet Hasenkopf
Marburg BI stellt Bedingungen für Baugebiet Hasenkopf
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00:18 13.08.2018
Am Hasenkopf könnte Wohnraum für 900 Menschen entstehen. Quelle: Helga Pukall
Marburg

„Eine Bebauung des Hasenkopfs muss für Ockershausen, auch für Alt-Ockershausen, ein Gewinn werden“, sagt Renate Bastian, Alt-Ockershäuserin, Stadtverordnete der Marburger Linken und Mitglied der Bürgerinitiative Hasenkopf.
Laut Standortanalyse der Stadtverwaltung könnten am Hasenkopf 300 Wohnungen entstehen für etwa 900 Einwohner. Anders formuliert, die derzeitige Bevölkerungszahl von Ockershausen, die bei rund 1.500 Menschen liegt, würde um zwei Drittel anwachsen. „Das muss sozial und gesellschaftlich geplant werden“, sagt Bastian.

Schon zu Zeiten, als die Bundeswehr noch in der „Tannenberg-Kaserne“ war, galt der ­Hasenkopf als mögliches ­Erweiterungsgebiet für die ­Bundeswehr. Auch nach der Konversion der Liegenschaften und dem Entstehen des neuen Stadtteils „Stadtwald“. Seitdem ist der Hasenkopf immer wieder als Wohngebiet im Gespräch ­gewesen.

Griehl-Elhozayel: Anwohner sind die Experten

Für Dorothee Griehl-Elhozayel, Geschäftsführerin des ­Gemeinwesenprojekts IKJG im Stadtwald, ist eine echte Bürgerbeteiligung eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer dermaßen deutlichen Erweiterung. „Wir wollen Formate finden, in denen die Leute zu Wort kommen, die künftigen Nachbarn.“ Es gehe um die Frage, „wie wollen wir künftig im Stadtteil leben?“ Als Gemeinwesenprojekt hat die IKJG gerade in der aufsuchenden Sozialarbeit einige Erfahrung gesammelt und gestaltet das Stadtwald-Viertel dadurch maßgeblich mit. Die Anwohner seien­ die wahren Experten bei der Entwicklung neuer Wohn- und Nachbarschaftsformen.

Auch für Helga Pinkall ist die Frage der Beteiligung der Ockershäuser viel mehr als eine bloße Formalie. „Wir wollen wissen: Werden wir ernstgenommen als Anlieger in der Ausschreibung oder ist die Ausschreibung ausschließlich investorengerecht?“ Der Bürgerinitiative ist zunächst wichtig, dass die Verbindungen zwischen Alt-Ockershausen und dem Stadtwald/Hasenkopf erhalten bleiben, besser ausgebaut werden. „Wir wollen keine Satellitensiedlung auf dem Berg“, sagt Renate Bastian.

Eine Chance für das gesamte Viertel

Für Dorothee Griehl-Elhozayel ist eine mögliche Bebauung des Hasenkopfs eine Chance für das gesamte Viertel – wenn intelligent und integrativ gebaut wird: Die Bebauung müsse­ ­öffentliche Räume schaffen, fordert die BI, sie muss soziale ­Integration ermöglichen (manche sprechen von einer „sozialen Durchmischung“), und sie muss im besten Fall die Stigmatisierung aufheben, unter der das Image der Stadtwald-Sieglung leidet. Ein Schlüssel dazu ist die Frage, wie bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird – „es geht nicht nur um sozialen Wohnungsbau“, stellt Griehl-Elhozayel klar.

Ihr geht es um andere Fragen: Ist bei erschwinglichem Wohnraum tatsächlich nur ein Schlichtbau möglich oder gibt es Möglichkeiten, im Quartier Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen? Wie können moderne Mobilitätskonzepte, etwa ein carsharing-Angebot, in die Bebauung integriert werden? Wie können Gewerbe (etwa die Firma Sälzer mit ihren Erweiterungsplänen, Seite 23) und Wohnen miteinander vereinbart werden?

Die BI schlägt zur Klärung all dieser Fragen einen städtebaulichen Wettbewerb vor. So, hofft die BI, könnte ein neues Wohngebiet neue Chancen eröffnen. Und deswegen kommen die BI-Mitglieder zu dem Schluss: „An den Hasenkopf nicht hasenfüßig herangehen!“

von Till Conrad