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Marburg Wehr: Neue BI für „Minimal-Eingriffe“
Marburg Wehr: Neue BI für „Minimal-Eingriffe“
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18:06 30.04.2018
Ortsbeirats-Kritik, Unterschriftenaktion, nun die Gründung einer Bürgerinitiative: Die Zukunft des „Grüner Wehrs“ steht weiterhin im Mittelpunkt der Debatten in der Universitätsstadt. Quelle: Felix Busjaeger
Marburg

„Wir fordern eine schonende und denkmal-gerechte Sanierung des ‚Grüner Wehrs‘ mit minimalistischer Fischaufstiegslösung auf der Seite ‚Am Grün‘“, heißt es von einem BI-Sprecher im OP-Gespräch. Die Pläne der Stadtverwaltung sehen den Fischaufstieg – samt einer Kanurutsche und Aussichtsplattform – bisher nicht auf der Südviertel-, sondern auf der Weidenhausen-
Seite der Lahn vor.
Die Bürgerinitiative will nach eigenen Angaben nicht gegen, sondern neben dem Ortsbeirat agieren. Trotz allen Engagements sei der Ortsbeirat ein politisches Gremium „mit den dadurch für die Mitglieder entstehenden Zwängen“.

Das Anliegen der Bürgerinitiative ist es vielmehr, „den vielen außerpolitischen Stimmen, denen dieses Bauvorhaben am Herzen liegt, mehr Gehör zu verschaffen“.

Hunderte Unterstützer leisteten Unterschriften

Auslöser für den Schritt zur BI-Gründung sei die kürzlich gescheiterte Verabschiedung des Positionspapiers von Ortsvorsteher Wolfgang Grundmann (SPD) während der jüngsten Gremiumssitzung (OP berichtete).

Die dort unter den Beiratsmitgliedern herrschende Uneinigkeit habe zu „einer großen Enttäuschung“ im Stadtteil geführt und nun rund zwei Dutzend Marburger zum Handeln bewogen.

Gerade im Hinblick auf den von der Stadtverwaltung anberaumten Wehr-Workshop zur Bürgerbeteiligung habe Weidenhausen durch die Uneinigkeit „noch nicht die stärkstmögliche Position hinbekommen und noch Zeit verloren“, heißt es von einem BI-Sprecher.

Ursprünglich initiiert wurde der Protest von Grundmann, bis zu 200 Besucher kamen zu den vergangenen Sitzungen. Eine Unterschriftenaktion ­führte bereits in den Anfangstagen zu hunderten Unterstützern.

In seinem Positionspapier forderte Grundmann unter anderem die Behandlung des Wehrs als Kulturdenkmal samt sanfter Sanierung. Verzichtet werden solle auf Kanurutsche, Podest und Baumfällungen entlang des Trojedamms.

Bereits 1965 erhebliche Mängel festgestellt

Zudem wäre die Fischtreppe auf der Südviertelseite zu bauen. Die Kernthemen dieses Positionspapier-Entwurfes findet die „grundsätzliche Zustimmung“ der BI-Mitglieder.

Der Magistrat reagierte am vergangenen Freitag auf eine Kleine Anfrage im Stadtparlament und hat eine Liste der gutachterlich festgestellten Schäden zusammengestellt. Demnach habe bereits das Gutachten aus dem Jahr 1965 „erhebliche Mängel am Wehrkörper“ festgestellt.

Dazu zählen: „Senkungen des Wehrrückens bis zu 24 Zentimeter in der Wehrmitte durch Belastung und Ausspülungen. Starke Schädigungen am Wehrfuß fast auf der gesamten Länge durch die damals fehlende Befestigung des Wehrfußes. Starke Ausbuchtung des Wehrrückens der Wehrverbreiterung 
 zum Unterwasser hin.Wehrkörper an einigen Stellen wasserdurchlässig.“ Zwei Jahre später folgten Tauchuntersuchungen, die weitere Schäden ermittelten, vor allem Erosionen und Risse.

Jüngstes Gutachten stammt aus 2008

Anfang der 1970er folgten laut der Magistratsauflistung Reparaturen, darunter Steinschüttungen. 1984 fanden Gutachter an Stützmauern ausgewaschene Fugen und starke 
 Verschiebungen der Sandsteinquader. 1995 schädigte ein Hochwasser das Wehr, Reparaturen folgten.

Das jüngste Gutachten aus dem Jahr 2008 stellte bei der Zustandserfassung dann „deutlich erkennbare“ Schäden fest. Genannt sind: „Tief ausgespülte Fugen“, „Ausbuchtungen des Wehrkörpers“, „Verschiebungen des Bauwerks“ und eine „nicht mehr gegebene gleichmäßige Höhenlage“.

von Björn Wisker