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Marburg Runder Tisch für den Wohnungsmarkt
Marburg Runder Tisch für den Wohnungsmarkt
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00:18 09.12.2018
Wohnraum für alle – so steht die Forderung an einem Gebäude in Marburg.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Vielerorts mangelt es im Kreis an bezahlbarem und altersgerechtem Wohnraum. Dem will der Kreistag entgegentreten. Bei der vergangenen Sitzung stimmten die Abgeordneten einstimmig für ein „Bündnis für Wohnen“, das der Kreisausschuss nun vorbereiten soll. In der Initiative will der Kreis gemeinsam mit den Städten und Gemeinden über die Ergebnisse der Wohnmarktanalyse sprechen, die der Kreis Mitte dieses Jahres bekannt gegeben hat.

Das Ergebnis der externen ­Berater lautete: In manchen ­Gegenden des Kreises steigt die Nachfrage nach Wohnungen, in anderen sinkt sie. Fast überall aber fehlt es an altersgerechtem Wohnraum und in Marburg und Umgebung an Wohnungen für Geringverdiener und ­Familien. Dem Problem will sich der Kreis nun ganzheitlich widmen. Nachdem die einzelnen Wünsche und Forderungen der Kommunen abgefragt wurden, will der Kreis die privaten Akteure des Wohnungsmarktes hinzu holen.

Gemeinsam sollen sich die Städte und Gemeinden mit den Immobilieninvestoren an dieser überörtlichen Stelle beraten, austauschen und abstimmen. Aus den Ergebnissen soll dann ein gemeinsames Bündnispapier entstehen – so der Vorschlag der Koalitionspartner SPD und CDU.

Immer mehr Leerstände im 
Landkreis

Die Oppositionsparteien begrüßten ausdrücklich das Vorhaben, äußerten aber auch Kritik. Bernd Hannemann (Die Linke) verwies auf einen Beschluss aus dem September 2016.

Darin hatten die Abgeordneten den Kreisausschuss beauftragt, ein Konzept dafür zu erarbeiten, wie sich der Kreis an einer Wohnbaugesellschaft beteiligen oder eine eigenständige gründen könne. „Was hat sich seitdem getan?“, fragte Hannemann.

Fakt sei, dass die Leerstände im Kreis zunehmen und die Mieten steigen würden. An den gleichen Beschluss erinnerte auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sandra Laaz. „Wie lange dauert es noch, bis gebaut wird?“, fragte sie.

Klaus-Dieter Engel (SPD) entgegnete, dass das Kernproblem sei, dass es zu wenig Bauland gebe. Vor diesem Problem stünde der Kreis auch, wenn er plane, selbst Wohnungen zu bauen. „Eine Wohnungsbaugesellschaft ist verfrüht“, sagte er. Manfred Vollmer (CDU) sieht in dem „Bündnis für Wohnen“ die Möglichkeit, zusammen mit den Kommunen das Problem zu lösen. Es gebe dann „endlich ein Handlungskonzept“.

Bernd Schmidt (Freie Wähler) forderte den Kreis dazu auf, über Möglichkeiten nachzudenken, wie auch außerhalb der Stadt Marburg Arbeitsplätze entstehen könnten, um den Wohnungsmarkt zu entlasten.

Frank Lerche (Die Piraten) unterstützte ebenfalls die Initiative, forderte aber ein „integratives Denken“. Er plädierte für ein ganzheitliches Konzept „Leben im Landkreis“, bei dem neben dem Wohnungsbau auch der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Breitbandes mitgedacht würde.

von Tobias Kunz